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»Wo nehmen wir den Frieden her?«

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Mehr als »nur« ein Abend mit gefälligen Weihnachtsliedern war das Konzert mit Katja Ebstein im k1. (Foto: Heel)

Literarisch ambitioniert, aber auch sehr engagiert und politisch gab sich die Sängerin und Schauspielerin Katja Ebstein bei ihrem Auftritt im vollbesetzten Studiotheater des Traunreuter k1, wo sie ihr Weihnachtsprogramm »Es fällt ein Stern herunter« vorstellte, excellent begleitet von dem Pianisten Stefan Kling.


Mit roter Aidsschleife und äußerlich kaum älter wirkend, seit sie Anfang der siebziger Jahre mit Hits wie »Wunder gibt es immer wieder« berühmt geworden war, präsentierte sie dabei einen abwechslungsreichen Mix aus Gesang, Rezitation und Dialog mit dem Publikum, der auch diejenigen Besucher begeistert haben dürfte, die vielleicht »nur« einen Abend mit gefälligen Weihnachtsliedern erwartet hatten. Zumal ihre Stimme noch immer die Kraft ausstrahlte, die sie einst zu einer der erfolgreichsten Teilnehmerinnen des Europäischen-Schlager-Wettbewerbs werden ließ.

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So verknüpfte die Künstlerin Heiteres, Satirisches und Besinnliches aus Texten von James Krüss, Heinrich Heine, Erich Kästner, Hanns Dieter Hüsch, Loriot oder Karl-Heinz Waggerl immer wieder mit dem aktuellen Weltgeschehen, fand viele anklagende Worte zu Krieg, Not und Elend und natürlich auch zur Flüchtlingskrise, und fragte sich angesichts der Misere im Nahen Osten: »Wo nehmen wir den Frieden her?« Vor allem dann, wenn ein Mensch wie Jesus heutzutage gute Chancen hätte, als Terrorist hingestellt zu werden, wie sie etwas plakativ kundtat.

Amüsanter, aber nicht weniger tiefgründig waren ihre »Anweisungen für unerfahrene Kirchgänger« (nach einem Text von Robert Gernhardt), und auch Ödon von Horvaths »Probefahrt in die Kindheit« passte gut in diese Reise in eine nicht ganz heile Weihnachtswelt. Vertreten war auch Erich Kästner, dessen »Morgen, Kinder, wird’s nix geben« für viele Kinder auf dieser Welt noch immer zutrifft, aber auch Loriot mit seinem Rezept für Zimtsterne, und von Karl Heinz Waggerl stammte die schöne Geschichte eines Hirtenknaben, der dem Christkind das schönste Geschenk machte, das es sich vorstellen konnte: Er zeigte ihm, dass es einen Daumen hat, an dem es nuckeln kann.

Beim »Little Drummer Boy« durfte das »Ratatatam« dann von allen mitgesungen werden, und zum Abschluss faszinierte Katja Ebstein noch mit ihrer feinfühligen Interpretation von »Maria durch ein Dornwald ging«. Wolfgang Schweiger