weather-image
24°

»Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen«

Des einen Freud', des anderen Leid: Der Winter in der Region lässt weiter auf sich warten. Das bedauern nicht nur die einheimischen Wintersportler. Auch die vielen tausend Touristen im Chiemgau haben sich ihren Winterurlaub wohl anders vorgestellt. Von Frust dennoch keine Spur, wie eine Umfrage in den Tourismusgemeinden ergab.

Kein Schnee – kein Problem: Im Vita Alpina in Ruhpolding und in der Max-Aicher-Arena in Inzell vertrieben sich die kleinen und großen Besucher in den Ferien die Zeit. Die meisten Tourismusgemeinden in der Region sind trotz Schneemangels mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden. Allerdings blieben kurzfristige Buchungen häufig aus. Die Gemeinden hoffen nun auf den Biathlon-Boom. (Fotos: Ruhpolding Tourismus GmbH / Inzeller Touristik GmbH)

Angesichts des schönen Wetters und der vielen Alternativen´ »wird sicher keinem langweilig«, fasste Katharina Schweiger von der Ruhpolding Tourismus GmbH (RTG) die Situation zusammen. Die Buchungszahlen über die Ferien besänftigen die Touristiker im Großen und Ganzen. »Wir sind bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen«, so Hans Schuster von der Tourist-Information in Reit im Winkl. »Kritisch wird aber der Januar, wenn es weiter nicht schneit.« Denn vor allem die kurzfristigen Buchungen bleiben mangels Schnee aus.

Anzeige

Die Schwimmbäder und Eishallen sind indes so gut besucht wie selten um diese Jahreszeit. Allein 200 bis 300 Besucher kommen täglich zum Publikumslauf in die Max-Aicher-Arena nach Inzell. Auch im Vita Alpina in Ruhpolding mangelt es nicht an Urlaubsgästen. Viel los ist auf den Skipisten in der Region, die dank Schneekanonen befahrbar sind: Winklmoos-Alm und Hochfelln. Für die Langläufer sieht es aber weniger gut aus: Sie tummeln sich zuhauf auf den wenigen Schneestreifen im Tal. Nur noch in Ruhpolding und Reit im Winkl sind Loipen eingeschränkt befahrbar.

»Erstaunlicherweise sind die Touristen sehr zufrieden, bisher gab es bei uns keine Reklamationen wegen des Schneemangels«, sagt Herta Strümpel von der Touristinformation in Ruhpolding. Die rund 5000 Betten in der Gemeinde waren über Weihnachten und Silvester »so gut wie ausgebucht«, ergänzt Katharina Schweiger von der RTG. Nächste Woche werde es ein bisschen ruhiger, ehe zum Biathlon-Weltcup dann wieder alles belegt sein wird. »Schnee haben wir zum Glück noch ein bisschen«, aber auch an Alternativen mangle es in Ruhpolding und der Region nicht, so Schweiger weiter. Egal ob Skipisten, Langlaufloipen, Schwimmbad, Museen oder Freizeitpark – »es wird sicher keinem langweilig«.

Auch der Inzeller Touristik-Chef Gerhard Steinbacher klagt nicht. »Dass wir uns Schnee gewünscht hätten, steht außer Frage. Aber das trockene, schöne Wetter hat vieles wieder gut gemacht.« Zwischen den Jahren waren in der Gemeinde Inzell nur noch vereinzelt Zimmer frei. Etwa 3500 Urlaubsgäste waren gekommen, schätzt Steinbacher. »Ich habe keine großen negativen Stimmen gehört.« Neben den Alternativen Hallenbad, Sauna und Eishalle hätten die Urlauber das schöne Wetter für ausgedehnte Wanderungen genutzt. Langlaufen ist in Inzell nicht mehr möglich, allerdings waren in den Ferien sowohl der Skilift Kesselalm als auch die Rodelbahn in Betrieb.

Ähnlich das Bild auch in Reit im Winkl: »Grundsätzlich hat es bei uns ganz gut ausgeschaut«, so Hans Schuster von der Touristinformation. Zwischen Weihnachten und Silvester seien die Fremdenzimmer in der Gemeinde (etwa 5000 Betten) zu 95 Prozent belegt gewesen. Und dank des großen Schneedepots seien sowohl die Skipisten als auch die Langlaufloipen fast uneingeschränkt nutzbar gewesen. Wegen der langfristigen Buchungen seien die Weihnachtsferien ohnehin kaum ein Problem; schwieriger werde es in den kommenden Wochen: Wenn es weiter nicht schneit, könnte der Januar kritisch werden. Die Gemeinde hofft nun auf weitere kurzfristige Buchungen – auch im Zusammenhang mit dem Biathlon-Weltcup.

Darauf spekulieren auch die Gemeinden Siegsdorf und Bergen. »Bei uns sind die Biathlon-Buchungen aber bislang schwach«, räumte Wolfgang Helldobler von der Touristinformation in Bergen ein. Auch ansonsten sei die Auslastung in der Gemeinde »ein bisserl mager«, vor allem, weil die Kurzbuchungen abgehen. Obwohl es an Schnee eigentlich nicht mangle, so Helldobler. Am Hochfelln seien alle Lifte in Betrieb und die Bergbahn profitiere davon, »dass es in Winklmoos so zugeht«. Das einzige, was nicht gehe, sei Langlaufen. Insgesamt rund 850 Betten stehen in Bergen zur Verfügung.

Mehr als doppelt so viele Gästebetten gibt es in der Gemeinde Siegsdorf. In den Weihnachtsferien waren diese allerdings nur gut zur Hälfte bis drei Viertel ausgelastet, sagt Fritz Schmuck von der örtlichen Touristinformation. »Bei uns haben vor allem die kurzfristigen Buchungen gefehlt.« Trotzdem hätten die Gäste ihren Urlaub genossen, dank der zahlreichen Alternativen in der Region, so sein Eindruck. Auch in Siegsdorf hoffen die Touristiker jetzt noch auf einige Biathlon-Besucher. »Den großen Run wie vor zwei Jahren wird es allerdings nicht geben.« ka