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»Wir sind auf Tagestouristen angewiesen«

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Ramsau Bürgerversammlung
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Auf einer Bundesstraße zu parken – wie hier Autofahrer im vergangenen Sommer auf der B 305 – ist eine Ordnungswidrigkeit. »Das wird in diesem Jahr noch strenger geahndet als schon 2018«, warnte Bürgermeister Herbert Gschoßmann. (Archivfoto : privat)

Ramsau – Seien es der Tourismus, das Hotel »Hochkalter« oder das Parkproblem – viele Themen brennen den Ramsauern unter den Nägeln. Daher war die Bürgerversammlung am Donnerstagabend im Gasthaus »Oberwirt« gut besucht.


Bürgermeister Herbert Gschoßmann gab den Ramsauern zunächst einen kurzen Überblick über die anstehenden Bauprojekte. Zum Beispiel den Bau des Gebäudes für die Freiwillige Feuerwehr Ramsau und den Bauhof im Gebiet »Reichlfeld II«. Der nächste Schritt dazu ist ein Eingabeplan. Den Abschluss des nötigen Bebauungsplans datiert Gschoßmann auf das zweite Quartal dieses Jahres. Es sei auf jeden Fall ein »zufriedenstellender Weg, auch finanziell betrachtet, für die Gemeinde«. In der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, herrsche eine positive Grundstimmung. Zu dem Bau des Kreisverkehrs, der wie berichtet nächste Woche beginnen soll, verwies der Rathauschef auf die Internetseite der Gemeinde, www.ramsau.de. Dort gebe es jederzeit aktuelle Informationen zum Stand der Baustelle.

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Zum Katastrophenfall Schnee im Landkreis sprach Gschoßmann allen Helfern und Akteuren einen Dank aus und lobte die Lawinenkommission. Auch von »interessanten Erlebnissen« berichtete er, wie etwa der Beschwerde eines Skitourengehers. Dieser hatte den Bauhof der Gemeinde kurz nach Ende des K-Falls kritisiert, dass »sein« Parkplatz für's Tourengehen nicht freigeräumt war. Gelächter ertönte im Saal. Immer noch mit umgeknickten Bäumen versperrt ist der Schluchtweg. »Gewisse Bereiche sind immer noch nicht zugänglich«, so der Bürgermeister. »Wir wollen die Wege aber nach und nach freibekommen.« Jedoch seien an manchen Stellen auch die Grundstückseigentümer gefragt.

Auch das Thema Wohnen kam auf den Tisch. So möchte die Gemeinde etwa ein Wohngebiet im Bereich Waldquelle ausweisen. Dies soll demnächst im Gemeinderat diskutiert werden. Gschoßmann informierte die Bürger, dass der besagte Grund der Gemeinde gehört und die Gemeinde »Leuten den Weg zum Eigenheim ermöglichen will«.

Eine andere Angelegenheit befand der Bürgermeister als besonders ärgerlich. »Es war das erste Mal in elf Jahren, dass meine Kinder wegen einem Thema angegangen worden sind. Das geht nicht.« Offenbar hatte der Gemeinderat einen Antrag auf einen Faschingsball in der Gemeinde abgelehnt, unter anderem wegen der Öffnungszeiten des Wirtshauses, in dem der Ball stattfinden sollte. Daraufhin erntete der Bürgermeister Kritik und wurde angefeindet. Jemand hatte sogar einen Clown vor das Rathaus »gehängt« mit der Überschrift »Ramsauer Faschingshenker« (wie berichtet). Gschoßmann bat darum, »nicht den letzten Funken Vernunft wegzuschmeißen« und plädierte für ein vernünftiges Miteinander.

Das Problemthema Parken kam als Nächstes an die Reihe. Gschoßmann zeigte Fotos von der B 305 auf Höhe der Mordau und von der Blaueis-Forststraße am Hintersee. Auch an der Wimbachbrücke sei es nicht besser – überall Falschparker. Wer zum Beispiel auf einer Bundesstraße parkt, der begehe eine Ordnungswidrigkeit, warnte der Bürgermeister. »Man wird das heuer noch konsequenter ahnden als im letzten Jahr«, kündigte er an. Generell werden die Maßnahmen gegen die Wildparker sicher nicht nur Jubelstürme in der Bevölkerung auslösen, dessen sei er sich bewusst. Zum Thema Parken hat sich ein Arbeitskreis »Mobilität« gebildet, der Lösungen entwickeln will.

Man müsse aber unterscheiden, so Gschoßmann: Entweder es sind zu viele Autos, dann müsse man dazu eine Lösung entwickeln, oder es sind zu viele Menschen, in diesem Falle müsse man verhindern, dass Leute in die Ramsau kommen. Letzteres wollen weder der Bürgermeister noch die Ramsauer, wie an diesem Abend deutlich wurde.

Ein Ramsauer sprach später bei der Diskussion das Thema Tourismus an. Seiner Meinung nach brauche die Ramsau Tagestouristen dringend. »Wir leben von den Tagesausflüglern. Von Tagungsteilnehmern, die im Hotel verköstigt werden und wieder abreisen, haben wir nichts«, sagte er bestimmt. Damit erntete er viele begeisterte Zurufe und Applaus. »Genau so ist es« und »Bravo«, hallte es aus den Reihen. Der Bürgermeister hatte dies schon von anderer Seite vernommen. »Ein Wirt fragte mich: Was meinst, warum es in der Ramsau so viele Wirtshäuser gibt? Wegen der Tagesgäste.« Eine Bürgerin erkundigte sich nach dem aktuellen Stand zum Hotel »Hochkalter«. Das ehemalige Wellnesshotel steht schon seit mehreren Jahren leer. Gschoßmann antwortete, er stehe in Kontakt mit dem Eigentümer Robert Bubalo. »Es heißt, dass Interessenten da sind. Aber es gibt keine konkrete Anfrage.« Man wüsste nicht, »was zwischen Eigentümer und Interessenten läuft«, so Gschoßmann. Das Baurecht wäre dank des Bebauungsplans gegeben. Eine andere Ramsauerin sprach das ewige Thema Hundekotbeutel an. Sie bekam Unterstützung von einem anderen Versammlungsteilnehmer. Die Bürgerin forderte eine »Kurabgabe für Hunde«, damit man wenigstens finanziell was davon habe. »So etwas gibt es zum Beispiel auf Sylt«, erzählte sie. Der andere Bürger forderte mehr Mülleimer entlang des Hintersee-Rundwegs, sowohl für Hundekotbeutel als auch für sonstigen Müll. Gschoßmann sagte: »Solange der IQ des Hundes höher ist als der des Herrchens, werden wir das Problem noch länger haben.« Kritik erntete der Rathauschef dafür, dass der Haushalt der Gemeinde nicht in der Bürgerversammlung behandelt wurde. »Wenn das gewünscht ist, veranstalten wir bald eine weitere Versammlung, in der der Haushalt besprochen wird«, so der Bürgermeister. Er will das genaue Datum noch bekannt geben.

Eine weitere Anregung bezog sich auf den Bergkurgarten. »Die Kneippanlage dort verkommt langsam zu einem Dreckloch«, kritisierte Bernhard Stöckl. Er bot an, bei der Reinigung zu helfen. Herbert Gschoßmann versprach ihm, die Anlage reinigen zu lassen. Annabelle Voss