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»Wir rechnen mit zwei Medaillen«

Schönau am Königssee – Die Deutsche Skeleton-Nationalmannschaft trainiert derzeit auf der Kunsteisbahn am Königssee. Doch wie schon bei der Selektion im sauerländischen Winterberg leidet das Training unter den hohen Außentemperaturen, welche die Bahn nach der Aufbereitung schnell langsamer werden lassen. In Winterberg lagen die Weltcupsiegerin Marion Thees und Alexander Gassner voran. Anja Huber aus Berchtesgaden leidet an einer Knieverletzung und kann nicht voll starten. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Cheftrainer Jens Müller über Sochi, Selektionen und Königssee.

Skeleton-Cheftrainer Jens Müller erwartet von seinem Team zwei Medaillen in Sochi. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Herr Müller, Sie sind nach den ersten Fahrten am Königssee und der ersten Selektion in Winterberg nun wieder am Königssee. Wie sieht es im Lager der Deutschen Skeletoni aus, in Winterberg gab es Überraschungen?

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Jens Müller: Viele Aktive haben neues Material, da waren auch Unsicherheiten dabei. Wir haben viel getestet und das führt oft zu überraschenden Ergebnissen. Zudem war der Eisausbau in Winterberg aufgrund der Witterung noch nicht optimal. Das alles führte zu teilweise überraschenden Ergebnissen. Denn nach den Wetterkapriolen zuvor wurde es zur ersten Selektion besser. Und da hatten einige meiner Aktiven gewisse Umstellungsprobleme. Aber jetzt sind wir am Königssee und hoffen, bei den sommerlichen Temperaturen ein gutes Rennen fahren zu können.

Wann findet das Rennen statt? Gibt es da gerechte Ergebnisse? Die Bahn wird ja schnell nachlassen.

Müller: Nach der Trainingswoche gehen wir am Samstag ab 9 Uhr in die zweite Selektion. Diese wird zugleich als deutsche Meisterschaft gewertet. Und nach den drei Selektionen, die dritte findet in der nächsten Woche in Altenberg statt, steht die Weltcup-Mannschaft, die auch in Sochi am Start sein wird. Die Ergebnisse werden aussagekräftig sein, denn unsere Besten werden innerhalb einer Startgruppe ins Rennen gehen und somit in etwa gleiche Voraussetzungen vorfinden.

Welchen Eindruck haben Sie von der Bahn am Königssee?

Müller: Die Bahn steht sehr gut. Ich möchte Bahnchef Markus Aschauer und seinem Team ein großes Kompliment machen. Die Bahnarbeiter rackern von morgens bis spät am Abend, um für uns gute und gerechte Bedingungen zu schaffen. Das Problem ist eine hohe Luftfeuchtigkeit, die dafür sorgt, dass die Bahn sehr schnell langsamer wird. Damit schlagen wir uns derzeit herum.

Sie kommen als Olympiasieger 1988 aus dem Rodelsport, wo es um Hundertstel- und Tausendstelsekunden geht. Beim Skeleton waren die Zeitunterschiede bislang größer?

Müller: Es stimmt, dass es noch vor gut zehn Jahren riesengroße Zeitunterschiede gegeben hat. Aber Skeleton hat an der Spitze eine unglaubliche Entwicklung gemacht, die Weltspitze ist gehörig zusammengerückt.

Die Letten Martins und Tomass Dukurs sowie der Russe Alexander Tretjyakov scheinen für Sochi besonders gerüstet zu sein. Und wie sieht es bei den Damen aus?

Müller: Natürlich werden Dukurs und Tretjyakov in Sochi ein gewichtiges Wort bei der Vergabe der Medaillen mitsprechen. Aber wir haben mit Alex Gassner, Christopher Grotheer oder Frank Rommel auch sehr starke Piloten. Bei den Damen denke ich besonders an Marion Thees und Anja Huber. Aber natürlich sind auch Katharina Heinz und Sophia Griebel heiße Eisen.

Beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland, zu dem auch Skeleton gehört, ist die Erwartungshaltung groß. Wie viele Medaillen soll es in Sochi geben?

Müller: Wir erwarten zwei Medaillen. Und davon möglichst eine in Gold.

Gold scheint aber nur bei den Damen realistisch.

Müller: Es wird keine leichte Aufgabe, aber dem muss man sich stellen. Beim letzten Weltcup in Sochi waren wir ja mit den Rängen drei, vier sowie sechs und sieben recht gut dabei. Das zeigte, dass wir konkurrenzfähig sind. Die Frage wird nur sein, ob wir uns in dem Maße steigern können wie die anderen Nationen.

Die Olympiabahn in Sochi geht dreimal bergauf, macht das besondere Probleme?

Müller: Wenn man den Schwung aus den Kurven davor mitbringt, nicht.

Wie sieht denn die Starterquote zunächst für den Weltcup und dann für Olympia aus?

Müller: Die Quote beim Weltcup lautet für Damen und Herren je drei Aktive. Bei Olympia könnte es genauso sein, das hängt jedoch von den Leistungen in den sieben Weltcups vor Sochi ab.

Königssee ist die letzte Station vor Sochi und zugleich die Europameisterschaft.

Müller: Daher ist Königssee in dieser Saison besonders wichtig. Es ist der letzte Test vor Olympia.

Bei Olympia gibt es vier Läufe bis zum Sieg. Zwischen den Läufen liegt eine Nacht. Wie bereitet man die Aktiven auf die Nacht dazwischen vor?

Müller: Damit müssen die Sportler selbst zurecht kommen. Wenn man bei Olympia bestehen möchte, muss man schon zu einer Persönlichkeit gereift sein und nachgewiesen haben, dass man in entsprechenden Stresssituationen durchhält. Man könnte das auch mit ganz jungen Leuten wagen, weiß aber nicht, wie diese dann reagieren. Christian Wechslinger