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Willi Schneider plant den nächsten Coup

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Würde gerne für die deutsche Mannschaft arbeiten: der Trainer der russischen Skeleton-Nationalmannschaft, Willi Schneider aus Waldkraiburg. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Sein Erfolg als Trainer kommt nicht von ungefähr. Willi Schneider (51) aus Waldkraiburg war in den 90er Jahren der mit Abstand beste deutsche Skeletoni und hat unzählige internationale Siege errungen. Seine Karriere krönte er mit dem Weltmeistertitel 1998 in St. Moritz. Später wechselte der Waldkraiburger ins Trainerlager und hatte Riesenerfolge in Kanada und Russland. Die großen Erfolge der Kanadier Duff Gibson, Jeff Pain und Jon Montgomery sowie des Russen Alexander Tretjakow sprechen für sich. Ein Engagement beim Deutschen Verband blieb Willi Schneider bisher verwehrt, obwohl der Waldkraiburger einer Zusammenarbeit mit dem BSD nicht abgeneigt wäre. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Schneider über Zukunftspläne und Erfolgsgeheimnisse.


Wann haben Sie ihre Liebe zum Skeletonsport entdeckt? Und was haben Sie davor sportlich betrieben?

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Willi Schneider: Ich bin zunächst Radrennen gefahren und kam mit 26 Jahren durch Rudi Häusler zum Skeletonsport.

Sie haben dann Ihren Entdecker Rudi Häusler an Erfolgen überholt und waren der erfolgreichste deutsche Skeletonpilot.

Schneider: Das müssen andere beurteilen, aber ich war neunmal deutscher Meister.

Skeleton wurde zum Ende Ihrer Fahrerkarriere im Jahr 2002 zum dritten Mal nach 1928 und 1948 wieder olympisch.

Schneider: Das war leider zum Ende meiner aktiven Laufbahn.

Wie haben Sie denn aus der Startrakete Tretjakow einen guten Fahrer gemacht?

Schneider: Da ist ein gutes Material und eine Kenntnis der Abfahrten nötig. Beides ist bei Tretjakow gelungen.

Der Lette Martin Dukurs gewinnt nahezu jeden Weltcup mit Vorsprung und versagt regelmäßig bei Großereignissen.

Schneider (lächelt verschmitzt): Da haben wir einen Deal. Dukurs darf alles gewinnen, nur eben nicht bei Olympia. Ich habe mit meinen Sportlern dem Letten die Titel bei Olympia in Vancouver, bei der WM in St. Moritz und auch in Sotschi weggenommen. Es ist halt Rennsport und man muss für den »Tag X« die rechte Lösung finden. Ich kann allerdings nur die Weichen stellen, fahren müssen die Athleten selbst.

Darf man erwarten, dass Tretjakow wieder bei den nächsten Olympischen Winterspielen in Korea zuschlägt. Sind Sie da noch dabei?

Schneider: Natürlich versuchen wir, auch dort wieder vorne zu sein. Ich habe bis nächstes Jahr einen Vertrag mit dem russischen Verband.

Die deutschen Skeletonis fahren seit Längerem hinterher.

Schneider: Im BSD gibt es lauter kompetente Leute. Ich versuche, meinen Weg zu gehen, und verkaufe mich selbst mit meinem Material, das ist kein Geheimnis. Die Erfolge kommen durch das, was ich selbst hinstelle. Ich habe mich in Waldkraiburg mit einer eigenen Werkstatt sehr gut eingerichtet. Dort verfüge ich über ein gutes Bearbeitungszentrum, um alles, was ich vorhabe, umsetzen zu können. Wenn ich mich auf andere Leute verlasse, muss ich nehmen, was ich bekomme. Das hat bekanntlich noch nie funktioniert. Ich möchte mich da in keiner Weise mit einem Georg Hackl vergleichen, aber Hackl verlässt sich ja auch nicht darauf, was ihm andere an Material geben, sondern hat selbst eine Lösung gefunden. Ich biete meinen Athleten das Material an, von dem ich überzeugt bin. In anderen Bereichen bauen Leute Schlitten, ohne je selbst gefahren zu sein. Das ist somit immer eine Gratwanderung, ob man Erfolge feiert.

Dann wären Sie wahrscheinlich auch nicht abgeneigt, einmal für Deutschland zu arbeiten.

Schneider: In keiner Weise. Da müssten halt die Rahmenbedingungen passen, dann könnte man über alles reden. Es wäre alles viel einfacher, wenn ich für die Deutschen arbeiten könnte. Das gesamte Paket müsste halt stimmen.

Im Deutschen Verband wird gute Nachwuchsarbeit geleistet.

Schneider: Daran habe ich nie gezweifelt. Dazu gehören kompetente Landestrainer, die in die gleiche Richtung ziehen.

Sie sind jetzt am Königssee. Trainieren sie auch in Russland?

Schneider: Wir haben in Russland Sotschi und Paramonovo, wo eine einzigartige Startanlage besteht. Wenn es eine Steigerung von traumhaft gibt, dann ist es diese Anlage. Die Athleten trainieren sehr gerne in der Nähe von Moskau. Die Stärke der russischen Kufensportler kommt nicht von ungefähr.

Sie haben erfolgreich in Kanada und jetzt in Russland gearbeitet.

Schneider: Zwischen den Aktiven beider Nationen herrscht ein großer Unterschied. Ich habe es den Kanadiern prophezeit, wohin es geht. Jetzt wissen wir es. Der kanadische Skeletonsport ist am Boden. Die Russen ziehen ihr Konzept gnadenlos durch. Ich hoffe, dass alles so bleibt, dann wird es auch weiterhin die Erfolge geben.

Warum sind Sie beim Intercontinentalcup am Königssee?

Schneider: Königssee passt in mein Saisonprogramm. Es sagt mir, dass ich es so entscheiden soll. Schließlich fahren wir Mitte Januar am Königssee Weltcup.

Wo werden die Deutschen und die Russen in dieser Saison landen?

Schneider: Das ist eine schwierige Frage, die ich derzeit nicht beantworten kann. Da müssten wir die deutschen Betreuer fragen. Wir als Russen wollen uns nicht blamieren. Christian Wechslinger