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Wildromantisch und gar nicht »In der Fremde«

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Von Kopf bis Fuß auf Romantik eingestellt: Pianistin Kamila Akhmedjanova und Bariton Luthando Qave beim Romantischen Liederabend des Immling Festivals. (Foto: Benekam)

Rote Kletterrosen umrankten den schwarzen Konzertflügel, der in rötlicher Abendsonne vor dem Eingang des Festspielhauses des Immling Festivals bereitgestellt war. Grillen zirpten, Insekten schwirrten mit leisem, summendem Flügelschlag von Blüte zu Blüte und die unterschiedlichsten Singvögel stimmten ihr Abendlied an.


Ansonsten herrschte wohltuende Ruhe im Blumengarten der »Piazza« des Gut Immling. In froher Erwartung auf den »Romantischen Liederabend im Blumengarten« musste das Publikum nicht erst »eingestimmt« werden. Romantik pur, ein Bilderbuchwetter für ein stimmungsvolles Open-Air-Konzert, zu dem die Sonne selbst die passende Beleuchtungstechnik lieferte. Bei seiner kurzen Begrüßung informierte Intendant Ludwig Baumann seine Gäste über eine krankheitsbedingte Programmänderung: Weil eine Solistin kurzfristig ausfiel, sollten die romantischen Lieder mit kurzen, in die Epoche passenden Gedichten großer Dichter umrahmt werden.

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Die streute ganz spontan, aber in allerfeinster Lesung mit Werken von Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine und Clemens Brentano Schauspielerin und Regisseurin Verena von Kerssenbrock wie Rosenblätter ins Liedprogramm ein. Damit war das wildromantische musikalische Hörvergnügen um romantisch-lyrische Poesie erweitert.

Der erste Konzertteil war mit Robert Schumanns »Dichterliebe«, Op. 48 aus dem »Buch der Lieder« von Heinrich Heine ausgefüllt. Dass ausgerechnet ein Bariton aus dem fernen Südafrika, also aus einem ganz anderen Kulturkreis, Schumanns Dichterliebe in Heines Textdichtung in ihrem »Wesen« so intensiv erfassen kann und folglich eine dermaßen geniale Interpretierung gelingt, beweist, dass sich Kunst und Musik über jegliche Begrenzung mühelos hinwegzusetzen vermögen. Dabei war es gewiss nicht nur diese großartige Stimme von Luthando Qave, sondern auch seine umwerfende Präsenz und die zartfühlende und das Herz erwärmende Ausgestaltung, mit der er die Dichterliebe einmal mehr zum zeitlosen Knüller der Extraklasse machte.

Maßgeblich am gelungenen Hörgenuss beteiligt, mit nicht minder intensiver Strahlkraft in ihrer virtuosen Interpretation und dem immer wachem Zusammenwirken mit dem Bariton, war die usbekische Pianistin Kamila Akhmedjanova. Gemeinsam geleiteten die beiden ihre Zuhörer durch alle ruhigen und unruhigen Wasser der Romantik, erzählten in ihrer Sprache von Liebe, Tränen und Träumen.

Die zweite Konzerthälfte wurde mit drei Liedern von Franz Schubert eröffnet: Mit »Lied der Delphine«, D 857, »Du bist die Ruh«, D 776, »Frühlingsglaube«, D 686 sang sich die ukrainische Koloratursopranistin Maryna Zubko mit viel Herzblut, angenehm timbriertem und natürlich klingendem Sopran in die Herzen der Zuhörer. So setzte sie auch in Richard Strauss' »Morgen!« Op. 27, No. 4, »Cäcilie«, Op. 27, No. 2 mit ihrem Sopran, der auch in den hohen Tonlagen über die nötigen Reserven und eine flexible Technik verfügt, atemberaubende Akzente. Des Weiteren kredenzte sie zum Sonnenuntergang von Johannes Brahms »Ach, wende diesen Blick«, Op. 57, No. 4 – zweierlei Highlights, im wahrsten Wortsinn.

Allzugern ließen sich die Zuhörer nach so viel Weiblichkeit und Liebreiz auch noch einmal auf den Wohlklang der tiefen Tonlagen von Luthando Qave ein: Der Liederkreis, Op. 39, No. 1. »In der Fremde« von Robert Schumann wurde mit kräftigem Applaus bedacht.

Ist es nicht so, dass jedem Konzert eine komische Note zum letzten Schliff verhilft und damit zur unvergesslichen Erinnerung mit spektakulärem Nachhall? Diesen Nachhall, nämlich ein Echo in kess-fröhlichem Gesang, präsentierte Maryna Zubko und zwar mit dem Schweizer Echo-Lied »Er liebt nur mich allein« von Karl Anton Florian Eckert. Euphorischer Schlussapplaus nach süß-romantischer Schwärmerei. Kirsten Benekam