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Wiener G'schichten mit Musik

Ein Streifzug durch Wien stand auf dem Programm, das der in Seeham nördlich von Salzburg wohnhafte Maler, Musiker und Kabarettist Oskar-Peter Korber im Traunsteiner Studio 16 präsentierte. Wobei er u. a. der Frage nachging: Wo steckt es denn, das sogenannte Goldene Wiener Herz? Um es gleich zu sagen: Fündig wurde er nicht, obwohl er vom Stephansdom über den Prater, den Zentralfriedhof, die Kaffeehäuser und den Heurigen keine Station ausließ. Stattdessen erfuhren wir viel über die Stadt und ihre Eigenheiten, eine Stadt, die laut Korber noch immer in der Vergangenheit leben würde und in der ein Fiaker unternehmungslustigen Touristen auf die Frage, was tun in Wien, schon mal raten würde: »Hängen S' eahna auf!«

Einen Streifzug durch Wien unternahm Oskar-Peter Korber im Traunsteiner Studio 16. (Foto: Heel)

Schwarzer Humor, ähnlich dem eines H. C. Artmann, aus dessen 1958 erstmals erschienenen und heute wohl bekanntesten Gedichtband »Med ana schwoazzn dintn« Korber einige Sachen vertont hat. Wie etwa die Geschichte von der »Mistkübel-Anni« oder von den zwei ertappten Einbrechern, die mit einem Nudelwalker auf ihr Opfer losgehen. Weniger makaber, aber dennoch schwarz gefärbt waren auch die paar Wiener Lieder wie »Unser Vater war a Hausherr« oder »Krügerl vor'm G'sicht«, die Korber mit gefühlvollem Sprechgesang in seinen Streifzug einstreute und die viel übers Wiener Gemüt aussagten.

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Ein Gemüt, das eine starke Affinität zum Tod habe und dem eine »schöne Leich'« sehr wichtig sei, wie Korber weiter ausführte. Weswegen sich auch viele Menschen schon zu Lebzeiten verschulden würden. Sei es dann soweit, würde es heißen, er habe die 71er genommen, analog der extra zum Zentralfriedhof eingerichteten Straßenbahn-Linie Nr. 71. Wo bereits 3,5 Millionen Menschen beerdigt sind, darunter viel Prominenz wie Beethoven, Brahms, Nestroy, Qualtiger und Curd Jürgens in Ehrengräbern. Nicht jedoch H. C. Artmann, der sich in seinem Gedicht »Wann i mal tot bin« dagegen verwehrt hatte.

Ähnlich bekannt wie der Zentralfriedhof sind auch die Wiener Kaffeehäuser, die bei so einem Programm natürlich nicht fehlen durften. Hier zitierte Korber den Schriftsteller Peter Altenberg, der diese einmal als die beste Wiener Erfindung gepriesen hat: »Man ist nicht zuhause und doch nicht an der frischen Luft.« Und gerne sind wir auch Korbers Abstecher zum Würstlstand am Burgtheater gefolgt, wo sich Reich und Arm trifft, um Eitrige (= Käsekrainer) und Krokodile (= Essiggurken) zu verspeisen.

Bei alldem erwies sich Korber als ein sehr vielseitiger Künstler, der nicht nur anregend erzählen kann, sondern auch musikalisch zu überzeugen vermag. Einfach großartig und wirklich berührend, wie er nebst seinen »schwarzen Wiener Liedern« zwischendurch das umwerfende Liebeslied »I liassert Kirschen für di wachsen« anstimmte, und auch sein etwas anders arrangiertes »Hobellied« aus Ferdinand Raimunds Stück »Der Verschwender« war schlichtweg ein Genuss. Sehr schade, dass nur wenige Besucher den Weg ins Studio 16 gefunden hatten. Wolfgang Schweiger