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Wieder Todesurteile in Japan vollstreckt

Tokio (dpa) - In Japan sind erneut zwei zum Tode verurteilte Verbrecher gehängt worden. Es handele sich um den 55-jährigen Mitsuo Fujishima sowie den 63 Jahre alten Ryoji Kagayama, gab das Justizministerium nach Vollstreckung der Urteile am Donnerstag bekannt.

Hinrichtungsraum in Tokio
Hinrichtungsraum in der Vollzugsanstalt in Tokio. Die japanische Regierung hat erneut zwei zum Tode verurteilte Mörder hinrichten lassen. Internationale Kritik an der Todesstrafe und den Haftbedingungen prallt an der drittgrößten Wirtschaftsmacht ab. Foto: epa/dpa Foto: dpa

Die beiden Männer waren für jeweils zwei Morde zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Seit dem Amtsantritt des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Shinzo Abe vor einem Jahr landeten damit bereits acht Menschen am Galgen.

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Die drittgrößte Wirtschaftsnation der Welt gehört zu den wenigen Industrieländern, in denen die Todesstrafe noch nicht abgeschafft worden ist. Menschenrechtsaktivisten prangern seit Jahren den Umgang mit der Todesstrafe sowie die Haftbedingungen in Japan scharf an. Als besonders grausam kritisieren Menschenrechtsorganisationen sowie ausländische Regierungen, dass den Todeskandidaten der Zeitpunkt der Hinrichtung nicht mitgeteilt wird. Die zum Tode Verurteilten leben oft jahrelang in Einzelhaft. Erst wenige Minuten vor ihrer Hinrichtung wird den Gefangenen gesagt, dass sie sterben werden.

Die dauernde Angst, dass es jeden Tag soweit sein könnte, treibt nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen viele Todeskandidaten in den Wahnsinn. Ist der Todestag gekommen, dürfen sie sich von ihren Angehörigen nicht mehr verabschieden. Die Angehörigen erfahren von den Hinrichtungen erst im Nachhinein. Derzeit sitzen nach Angaben des Justizministeriums 129 Verurteilte in den japanischen Todeszellen.

Fujishima hatte 1986 die Tante seiner früheren Frau ertränkt, als diese ihn hindern wollte, seine Ex-Frau zu treffen. Noch im selben Monat ertränkte er den 26 Jahre alten Geliebten seiner Ex-Frau in einem Hotel. Kagayama hatte 2000 eine chinesische Studentin auf offener Straße in Osaka erstochen und ihre Tasche gestohlen. Knapp acht Jahre später erstach er einen 30-Jährigen in Kobe in einer Toilette, als sich das Opfer seiner Forderung nach Geld widersetzte.

Japanische Regierungen berufen sich stets auf Umfragen, wonach die Mehrheit der Bürger des Landes die Todesstrafe für brutale Mörder befürworte. In Japan gibt es sieben Todeskammern in Vollzugsanstalten in Tokio, Osaka, Hiroshima, Nagoya, Sapporo, Fukuoka und Sendai.