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»Wie vom Berg verschluckt«

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Der neunjährige Gebirgsschweißhund-Labrador-Mischling fehlt seiner Familie sehr. Zahlreiche Helfer suchen seit Freitagabend nach dem Tier, das am Törlkopf durch eine Schneewechte gebrochen und abgestürzt ist. (Fotos: privat)
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Wasti ist ein Familienmitglied bei den Schieder-Modereggers. »Am schlimmsten ist es für die Kinder, dass er weg ist«, bedauert die 38-jährige Berchtesgadenerin.

Bischofswiesen – Es ist für jeden Hundebesitzer ein Albtraum: Gabi Schieder-Moderegger war mit ihrem Vater und ihrem Gebirgsschweißhund-Mischling am Freitag auf einer Skitour auf den Törlkopf im Lattengebirge. Oben auf dem Gipfel verschwand ihr Hund plötzlich. Es blieb nur ein kleines Loch in einer Schneewechte. Wasti ist dort offenbar abgestürzt.


»Seitdem ist er wie vom Berg verschluckt«, berichtet die Berchtesgadenerin auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«. Sie hatte sich mit ihrem Vater am frühen Freitagnachmittag auf den Weg gemacht. »Wir starteten mit Wasti von der Siebenbrunnhütte in Winkl Land aus.« Wasti ist ein neunjähriger Mischling aus Gebirgsschweißhund und Labrador. »Er ist ein richtiger Berghund, wir sind jeden Tag mit ihm unterwegs.« Die 38-Jährige beschreibt ihn als »zach«, der Hund kenne sich obendrein in diesem Gebiet gut aus. »Aber der Gipfel schaut jetzt im Winter natürlich komplett anders aus«, fügt sie hinzu.

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Nach knapp zwei Stunden Aufstieg erreichten sie und ihr Vater gegen 16 Uhr den Törlkopf-Gipfel. Einige Meter vorher nahmen die beiden die Felle von den Tourenski ab und achteten einen Moment lang nicht auf Wasti. Die Berchtesgadenerin bekam nur noch mit, wie der Hund in Richtung Gipfelkreuz lief. »Und dann war er weg.« Die Tourengeher riefen natürlich sofort nach ihm. »Aber man hat nichts mehr gehört.« Nur ein Loch in der sechs Meter langen Schneewechte wies auf das Unglück hin sowie eine Rutschspur im Schnee. Die 38-Jährige trommelte auf der Stelle einen Suchtrupp zusammen. »Es kamen wirklich ein Haufen Leute, die uns helfen wollten, zum Suchen. An die 20«, erzählt sie. Die Helfer stiegen auch auf zur Stelle unterhalb des Gipfelabbruchs, wo Wasti hinuntergestürzt ist. Nur gab es ein großes Problem: die anbrechende Dunkelheit. »Irgendwann mussten wir abfahren.«

Am Samstag wollten Gabi Schieder-Moderegger und ihr Mann, der bei der Bergwacht ist, sofort wieder auf den Törlkopf steigen und nach Wasti suchen. »Wir mussten aber unseren Aufstieg abbrechen. Es war lawinengefährlich, daher entschieden wir uns, umzudrehen.« Wegen des Schneefalls waren auch die Spuren des Tiers nicht mehr zu sehen. Seit Sonntag haben sich aber jeden Tag Familie und Helfer auf den Weg gemacht, und nach Wasti gesucht. »Wir sind sogar mit einer Drohne über das Gebiet geflogen«, erzählt die Berchtesgadenerin. Aber bis jetzt blieb alles erfolglos.

Am schlimmsten habe diese Sache die Kinder getroffen, fügt sie hinzu. Sie sind sechs, neun und 14 Jahre alt. »Die Mittlere ist ja komplett mit Wasti aufgewachsen. Der Hund war wie ein weiteres Kind für uns, ein Familienmitglied.« Wie geht es jetzt weiter für die Familie? »Wir sind immer noch tätig. Daheim rumsitzen und nichts tun, geht in dieser Situation nicht«, sagt die 38-Jährige voller Überzeugung. Auch, wenn sie stark und entschlossen klingt – sie ist zwiegespalten, wie sie selbst sagt. »Entweder er ist komplett verschüttet, oder verletzt und hat sich verkrochen«, befürchtet die Besitzerin. Dort oben gebe es viele Schneehöhlen und Löcher. »Ich tu auf jeden Fall alles, was möglich ist«, betont Gabi Schieder-Moderegger. »Die Hoffnung sollte man nicht aufgeben.«

Am Freitag um 19 Uhr stellte sie schließlich einen öffentlichen Beitrag im sozialen Netzwerk Facebook online und bat die Netzgemeinde, die Augen offen zu halten. Dieser Beitrag erntete viele Mitleidsbekundungen und wurde bereits rund 1 000 mal geteilt.

Wer einen Hinweis auf den Verbleib des Hundes hat, vielleicht etwas gehört oder gesehen hat im Bereich Winkl Land, Törlkopf oder Siebenbrunnhütte, der soll sich unter der Telefonnummer 0175/4181191 bei Gabi Schieder-Moderegger melden. Annabelle Voss