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«Wie kleine Lämmchen»: Frankfurt verzweifelt

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Der Frankfurter Martin Lanig sah beim Spiel in Hannover die Gelb-Rote Karte. Foto: Carmen Jaspersen Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Die Lage von Eintracht Frankfurt wird in der Bundesliga immer prekärer. Das 0:2 in Hannover war bereits das neunte Spiel in Serie ohne Sieg. Die Schärfe der Reaktionen danach zeigte, dass sich langsam aber sicher Verzweiflung im Verein breitmacht.


Sein Amtsjubiläum hatte sich Heribert Bruchhagen eigentlich ganz anders vorgestellt. Am Sonntag war der 65-Jährige auf den Tag genau zehn Jahre Vorstandsvorsitzender von Eintracht Frankfurt. Beim schmerzlichen 0:2 (0:1) bei Hannover 96 musste Bruchhagen von der Tribüne aus mit ansehen, wie sein Verein auch im neunten Spiel nacheinander in der Bundesliga ohne Sieg blieb und nun zumindest auf dem Papier wieder genau dort steht, wo er ihn am 1. Dezember 2003 übernommen hatte: mit nur 11 Punkten aus 14 Spielen «knietief im Schlamassel», wie die «Frankfurter Rundschau» titelte.

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Keine Frage: Der Vergleich hinkt ein wenig, denn die Eintracht hat auch dank Bruchhagens Arbeit deutlich mehr Substanz als noch vor zehn Jahren und kann dazu an diesem Mittwoch im Heimspiel gegen den Zweitligisten SV Sandhausen nach der K.o.-Runde der Europa League auch noch das Viertelfinale des DFB-Pokals erreichen. Und doch zeigte vor allem die ungewohnte Schärfe der Reaktionen nach der Niederlage in Hannover, dass sich in Frankfurt angesichts der sportlichen Krise langsam die nackte Verzweiflung breitmacht.

«Wir laufen rum wie kleine Lämmchen», schimpfte Kapitän Pirmin Schwegler bei «Sky». «Wir können nicht jammern und am Ende absteigen, und dann immer noch diskutieren. Wir müssen uns dem stellen.»

Schiedsrichter Günter Perl bekam den Frankfurter Frust besonders ab, weil er in gleich zwei strittigen Szenen gegen die Eintracht entschied: Er gab keinen Elfmeter, nachdem Schwegler im Strafraum zu Fall gekommen war (66. Minute), aber Gelb-Rot für Martin Lanig (57.), obwohl dieser beteuerte, kein Foul begangen zu haben. «Das Fingerspitzengefühl von Günter Perl lag voll daneben», meinte Sportchef Bruno Hübner, ehe Trainer Armin Veh der derbste Kommentar des Nachmittags entfuhr: «Wir kriegen nie Elfmeter. Wahrscheinlich muss einer erschossen werden, damit wir einen kriegen.»

Solche Töne sind neu in Frankfurt. Bislang hatten die Verantwortlichen stets Ruhe und Gelassenheit bewahrt, weil sie ja auch auf plausible Gründe für den Absturz in der Bundesliga verweisen konnten: dass die Europa-League-Spiele viel Kraft kosten, dass die Mannschaft kaum einmal richtig trainieren kann, dass ständig gleich mehrere wichtige Spieler verletzt fehlen. Die Eintracht brauche nur wieder einmal ein Erfolgserlebnis, lautete der Tenor. Doch dieses Erfolgserlebnis gab es nicht einmal gegen den zuvor ähnlich kriselnden und verunsicherten Tabellennachbarn aus Hannover.

Die neue Devise heißt jetzt: Durchwursteln bis Weihnachten. «Wir müssen uns jetzt noch mit ein paar Punkten in die Winterpause retten und dort neue Kräfte sammeln», meinte Schwegler. Da die beiden noch ausstehenden Heimspiel-Gegner in diesem Jahr nicht Bayern München und Borussia Dortmund heißen, sondern 1899 Hoffenheim und FC Augsburg, hofft Hübner nach wie vor auf «17 Punkte bis zur Winterpause» und danach eine «ordentliche Vorbereitung mit allen Mann an Bord».

Ein Problem ist aber: Von den am Sonntag fehlenden Sebastian Rode, Alexander Meier, Stefan Aigner, Bamba Anderson, Marco Russ und Stefano Celozzi wird vor dem nächsten Spiel gegen Hoffenheim nur Rode mit Sicherheit zurückkehren. Personell reagieren kann Trainer Veh in der Krise also nicht.