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Wie beliebt sind E-Autos im Talkessel?

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Berchtesgaden: Wie beliebt sind E-Autos im Talkessel? Wir fragen bei Autohäusern nach
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Thomas Buchwinkler vom VW-Autohaus ist ein Fan von Elektromobilität. Hier präsentiert er den neuen ID.3. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Sie sind in aller Munde und werden staatlich gefördert: E-Autos und Plug-In-Hybride. Die Mehrheit der Autohersteller bietet solche Modelle inzwischen an. Doch gerade in ländlichen Gegenden ist die Ladeinfrastruktur oftmals noch nicht so stark ausgebaut wie in Großstädten. Auch die Frage nach der Reichweite beschäftigt potenzielle Käufer. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hat sich bei heimischen Autohäusern über deren Angebot und den Interessentenkreis informiert.


E-Autos sind längst keine Zukunftsmusik mehr: Sie begeistern Jung und Alt, Technikinteressierte und Umweltbewusste. Sebastian Heiduczek vom Toyota-Autohaus Leo Eppich favorisiert die Hybrid-Technik, die sowohl elektrisch als auch mit Benzin arbeitet. Dieses System erhöhe gegenüber reinen Elektroautos die Reichweite. Die Nachfrage auf reine Elektrofahrzeuge ist beim Toyotahändler gering, wenngleich Toyota wie andere Hersteller mit dem »Prius Plug-in« ein reines Elektroauto anbietet.

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Seit gut einem Monat ist bei VW der ID.3 zu begutachten und zu testen. Thomas Buchwinkler spricht von einem regen Kundeninteresse und von durchwegs positiven Eindrücken nach den Testfahrten. Der Vorführwagen ist bereits über 3000 Kilometer gelaufen und soll mit seinen Fahrleistungen und einer hochwertigen Ausstattung überzeugen.

Das Fahrzeug ist etwa so groß wie ein Golf. Mehrere Kunden haben den ID.3 gekauft, ohne ihn vorher gesehen oder getestet zu haben. Der Elektro-VW erreicht mit der Kraft von 204 PS die 100 km/h in gut acht Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wurde wie bei anderen Automarken aus Gründen der Reichweite auf 160 km/h begrenzt. Im nächsten Sommer soll der ID.4 auf den Markt kommen, der etwas größer und geräumiger ist.

Weil das Fahrzeug größer ist und damit auch eine größere Batterie hat, erhöht sich dadurch auch die Reichweite, beim ID.3 sind es um die 450 Kilometer. Wer größere Entfernungen zurücklegen möchte, kann sich über den Bordcomputer oder eine App auf dem Smartphone informieren, wo er sein Fahrzeug aufladen kann. Den Bestand an bereits ausgelieferten und bestellten Elektroautos beziffert Thomas Buchwinkler auf etwa 15 Prozent.

Unterschiedlicher Interessentenkreis

Als mäßig, aber zunehmend wird das Kundeninteresse an E-Autos von Opel Brandner betrachtet. Wenn jedoch demnächst der Corsa-e auf den Hof komme, werde es Probefahrten und sicher auch Bestellungen geben, so die Meinung bei Opel. Der kleine Opel leistet 136 PS und beschleunigt in 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Seine Reichweite soll 330 Kilometer betragen.

Beim Anteil an E-Autos im Gesamtverkauf rechnet man bei Opel bis ins Jahr 2022 mit zehn Prozent. Des Weiteren präsentiert Opel mit dem Evum Motors aCar ein elektrisches Allrad-Nutzfahrzeug. Dieses ist vielseitig und robust für den Einsatz von Handwerkern oder den Transport von Waren im unwegsamen Gelände. Das Geländefahrzeug kann mit einer Tonne beladen werden, fährt maximal 70 km/h und hat eine Reichweite bis zu 200 Kilometer.

Seat bietet den »Mii e«, der durch verschiedene Umweltprämien und Rabatte unter 17.000 Euro zu bekommen ist. Der kleine Cityflitzer leistet 83 PS und sprintet unter vier Sekunden auf 50 km/h. Bei einer Maximalgeschwindigkeit von 130 km/h ist im Sinne der größtmöglichen Effizienz jedoch Schluss, die Reichweite wird mit 260 Kilometern angegeben. Die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent soll bei einem Wechselstrom-Anschluss mit 7,2 KW rund vier Stunden betragen. Wer den Gleichstrom-Anschluss nutzen kann, lädt in einer Stunde auf.

Das Kundeninteresse, vor allem bei Frauen, sei beim Peugeot bereits recht hoch. Aktuell sind etwa 20 Prozent des Neuwagenverkaufs Elektrofahrzeuge. Im Angebot hat Peugeot die Modelle »e-208«, »e-2008« sowie der« e-Expert« und der »e-Boxer«.

Wohin geht die Reise?

»Wo werden wir hingesteuert, wohin geht die Reise«, fragt sich auch Ludwig Stockklausner vom Subaru-Autohaus Stockklausner. Verbrenner – Benziner/Diesel, Flüssiggas/Erdgas/Wasserstoff Brennstoffzelle oder aber Hybrid – Mildhybrid, Plugin – Hybrid, synthetischer Kraftstoff oder doch vollelektrisch? Der Kunde müsse selbst entscheiden, welche Variante für ihn die Beste sei, so Stockklausner. Gleichzeitig frage sich der Interessierte, ob er nur angeleitet oder mit hohen Vergünstigungsprämien gar verführt werde.

Die Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen bezeichnet Stockklausner als noch relativ gering, weil es an Ladeinfrastruktur im öffentlichen und privaten Bereich fehle. Er verkaufe derzeit rund 65 Prozent Mildhybrid-Fahrzeuge. Den Hybridantrieb gibt es aktuell beim Impreza, XV und Forester. Als reine Verbrenner sind Levorg, Outback und das Sportcoupé BRZ im Programm. Es werde wohl noch etwa fünf bis acht Jahre dauern, ehe sich die vollelektrischen Fahrzeuge etablieren, erwartet Ludwig Stockklausner. Dennoch erfolgt auch bei Subaru im Laufe des nächsten Jahres eine Vollelektrifizierung.

Im Hause BMW von Alois Landler sind ebenfalls einige E-Modelle im Angebot. So wurde der E 3 mit Carbon gebaut, so ist das Modell besonders leicht. Die Karosserie besteht aus widerstandsfähigem Kunststoff und alle weiteren Bauteile sind gut recycelbar.

BMW bietet eine ganze Palette von Hybrid- und vollelektrischen Modellen. Gerade im Kurzstreckenbereich bieten sich die kleineren E-Modelle an, die weit weniger Energie benötigen als Verbrenner. Ein Problem sieht Landler bei den E-Modellen in der Reichweite bei Überlandfahrten. Hier müssten zahlreiche Ladestationen geschaffen werden.

Das Kundeninteresse für E-Autos sei auch noch recht verhalten, stellte Landler fest.

Christian Wechslinger