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Wider den Kaufrausch

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Traunstein
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Maria Öttl bestückt den Tauschkleiderschrank auf dem Campus St. Michael. (Foto: Wannisch)

Traunstein – »Man muss irgendwo im Kleinen anfangen – sonst ändert sich nichts«, davon ist Maria Öttl überzeugt. Ändern will sie im Kleinen das Konsumverhalten ihrer Mitmenschen, oder zumindest zum Nachdenken anregen. Deswegen steht auf Initiative der Traunwalchnerin seit Anfang Oktober auf dem Campus St. Michael ein Kleider-Tauschschrank. Die Idee dahinter ist einfach: »Nimm mit, leg rein.«


Das Angebot kann jeder nutzen. Dabei ist es egal, ob jemand gebrauchte, gut erhaltene und gewaschene Kleidung dort hineinlegt, oder sich etwas aus dem Angebot aussucht. Maria Öttl ist der Nachhaltigkeitsgedanke dabei das Wichtigste. »Ich bin erschrocken, als ich meinen Kleiderschrank mal wieder ausgemistet habe, und gesehen hab, was da alles zusammenkommt, das eigentlich noch gut und tragbar ist.« So kam ihr die Idee mit dem Kleider-Tauschschrank, dessen Prinzip sie bei einem Besuch in Halle an der Saale kennengelernt hatte.

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Warum sie nicht einfach ihre »Altkleider« spendet, auf dem Flohmarkt verkauft oder zu einer der Kleider-Tausch-Parties geht, die es inzwischen auch im Landkreis Traunstein gibt? »Weil ein Tauschschrank keine Öffnungszeiten hat, man jederzeit das Angebot nutzen kann und es kostenfrei ist«, bringt Öttl es auf den Punkt. Gezielt wollte sie ein Angebot schaffen, dass sich nicht ausschließlich an Bedürftige richtet – »hier gibt es genügend gute Angebote in der Region« – sondern Leute anspricht, denen wie ihr, die Nachhaltigkeit wichtig ist. Nutzen kann den Kleidertauschschrank aber jeder, egal ob bedürftig oder nicht. Denn man kann auch einfach nur etwas herausnehmen, ohne dafür etwas hin-einzulegen – oder umgekehrt.

Dennoch war es für die 28-Jährige nicht einfach, einen geeigneten Standort für ihren Schrank zu finden. Die Städte Traunreut und Traunstein wollten keinen städtischen Grund für ihren Kleidertausch-Schrank zur Verfügung stellen – gleichwohl man gerade in Traunstein von der Idee an sich angetan war. »Ich schätze, dass die Angst zu groß war, dass der Schrank zugemüllt wird, oder sich keiner darum kümmert«, zeigt Öttl für die ablehnende Haltung durchaus Verständnis. Gleichwohl hätte sie es von den Kommunen aber auch als ein Zeichen dafür gesehen, Vertrauen in die Bürger zu haben, dass so etwas funktionieren kann.

Einen Partner für ihr Projekt hat sie schließlich im Campus St. Michael in Traunstein gefunden und bei der Campus-Managerin Dr. Rebecca Rogers offene Türen eingerannt. »Uns hat gefallen, wie engagiert Maria Öttl dieses Zukunftsprojekt verfolgt und sich auch von der anfänglichen Skepsis nicht hat abschrecken lassen«, zeigt sich Rogers gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt begeistert. Auf dem Campus-Gelände neben dem Gebäude, in dem das Katholische Bildungswerk untergebracht ist, steht nun der Schrank. Den hat Maria Öttl bei ebay »zu verschenken« aufgetrieben und regensicher gemacht. Den Schrank schützen ein Holzkorpus und ein Dach vor Witterungseinflüssen. Hygienische Bedenken hat Öttl nicht. »Ich weiß ja auch auf einer Kleidertausch-Party, einem Flohmarkt nicht, woher die Sachen stammen, oder wenn ich in einem Geschäft bin, wer das T-Shirt vorher schon alles probiert hat.« Ein bisschen Vertrauen gehöre eben dazu.

»Wir verfolgen das Projekt mit großem Interesse und versuchen, es stets zu verbessern«, sagt Rebecca Rogers. So hat Maria Lozano, die derzeit am Campus ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, ein Auge auf den Schrank und bereits einige Verbesserungsvorschläge umgesetzt. Die Fächer sind nun nach Art der Kleidung geordnet. »Die Männerkleidung ist noch etwas unterrepräsentiert«, gibt Öttl zu. Doch sie hofft, dass sich das Projekt schnell herumspricht und sich das Angebot erweitert. Erste Erfolge sind übrigens bereits nach gut zwei Wochen zu sehen. Viele Kleidungsstücke, die Maria Öttl zu Beginn hin-eingelegt hat, sind weg, andere hinzugekommen. So soll es sein. vew

Der Kleidertausch-Schrank auf dem Campus St. Michael ist von der Vonfichtstraße aus zu erreichen und steht Interessierten ohne Öffnungszeiten jederzeit zur Verfügung. Wer etwas hineinlegen möchte, sollte darauf achten, dass die Kleidung gut erhalten und frisch gewaschen ist.