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»Wichtig ist das Anfangen«

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Moderatorin Tanja Weichold (v.l.) im Gespräch mit der BN-Kreisvorsitzenden Rita Poser und Kaufmann Dieter Schönwälder. (Foto: Mergenthal)

Bad Reichenhall – »Aktueller könnten wir nicht sein«, sagte Michaela Obermeier, Geschäftsführerin des Katholischen Kreisbildungswerks, in ihrer Begrüßung der etwa 15 Teilnehmer einer Diskussion zum Thema »Plastik – nein danke!«: Soeben hat das EU-Parlament das Verbot vieler Plastik-Einwegprodukte auf den Weg gebracht.


Obermeier bedauerte, dass der Abfallberater des Landkreises Berchtesgadener Land, Andreas Wurm, am Vortag ganz kurzfristig abgesagt hatte und auch kein Vertreter für ihn kam. Auch Alexandra Schmidt aus Salzburg, die versucht, plastikfrei zu leben, war aufgrund von Krankheit verhindert. Dafür kam der Kaufmann Dieter Schönwälder, der in seinem REWE-Supermarkt in Schönau am Königssee ein Regal mit 180 plastikfrei verpackten Produkten hat. Im Gespräch mit Rita Poser, Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, und Moderatorin Tanja Weichold wurden intensiv die Problematik und mögliche Alternativen besprochen.

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Die Bestrebungen seit 1990 mit der Einführung des neuen Abfallwirtschaftsgesetzes, das Mehrwegverpackungen fördern sollte, seien gescheitert, resümierte Poser. Der auf 70 Prozent festgeschriebene Mehrweganteil sei inzwischen auf 40 Prozent gesunken. »Es wird für den Verbraucher auch immer schwieriger, zu erkennen: Ist das Mehrweg oder Einweg?« Der Spruch »Man kann alles recyclen« sei Unfug: Wie solle man die vielen verschiedenen Plastiksorten trennen, um daraus hochwertige Produkte zu kreieren?

Mikroplastik besonders gefährlich

Als besonderes »gefährlich« stufte sie die Zunahme von Mikroplastik ein, das sich von großen Plastikteilen in den Gewässern ablöse und oft in der Kosmetik enthalten sei. Ein 82-jähriger Gast stufte die Rückstände vom Waschmittel für Funktionswäsche als am problematischsten ein.

Darüber hinaus sind Poser neben dem Verpackungsmaterial mit oft unnötigen Umverpackungen die riesigen Folien auf Feldern, zum Beispiel Spargel, ein Dorn im Auge. In Spanien seien bereits 120 000 Hektar mit solchem »Plastikmulch« bedeckt.

»Plastik ist Bequemlichkeit«, stellte Schönwälder fest. Unser Wohlstand sei auf Kosten von Ländern erreicht worden, in die wir unseren Müll exportiert hätten. Selbstkritisch stellte er fest, dass nach den »Umwelttagen«, die er am damals von ihm geführten REWE-Markt in Piding 1999 initiiert hatte, alles wieder in dieselbe Richtung gegangen sei. Angeregt durch Ulli Schneider und Dr. Wolfgang Siegfried von der Initiative »Plastikfreies Berchtesgaden« und den plastikfreien Kaufmann-Kollegen von »Grünkunft« in Wasserburg richtete Schönwälder in Schönau ein plastikfreies Regal ein.

Alternative Produkte nutzen

Immer mehr Erzeuger alternativer Produkte und Verpackungen kämen auf ihn zu. Als Beispiel präsentierte er essbare Trinkhalme aus Apfelfasern und Grieß sowie Verpackungen aus Cellulose-Beutel. »Der Verbraucher entscheidet es letztendlich, ob das ein Erfolg wird. Wenn der Kunde bewusst einkauft, kann er so viel Müll vermeiden.« Dass es ohne einen etwas höheren Preis nicht geht, zeigte der Vergleich von zwei Gurken, einer frischen, regionalen ohne Plastik aus Kirchweidach für 99 Cent und einer in Plastik aus Spanien für 79 Cent. »Was sich die letzten fünf, sechs Jahre in Deutschland entwickelt hat, ist eine Katastrophe«, stellte er fest. Rita Poser möchte neben dem Verbraucher Politik und Wirtschaft stärker in die Pflicht nehmen. Selbstkritisch demonstrierte sie ihren mitgebrachten »Gelben Sack«, wo sie auch noch Potenzial zur Vermeidung sieht. Daraus fischte sie unter anderem eine Plastik-Verpackung von Bio-Feigen.

Verena Baueregger aus dem Publikum berichtete von ihrer Erfahrung aus Mexiko, wo sie im Rahmen eines Tierschutz-Projektes für die Meeresschildkröten regelmäßig den Strand säuberte. Dadurch wurde ihr bewusst, »dass das mit dem Plastik ein Riesen-Problem« ist. Sie möchte ihr Leben umstellen. »Wichtig ist, dass man anfängt«, fasste Tanja Weichold am Ende zusammen. Veronika Mergenthal