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Whiskeyflasche fliegt gegen Taxi – Zweifel vor Gericht

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Bayerisch Gmain: Whiskeyflasche fliegt gegen Taxi – Zweifel vor Gericht
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Der Angeklagte machte unterschiedliche Aussagen. (Archiv: Hannes Höfer)

Bayerisch Gmain – Die leere Jack-Daniels-Flasche, die kurz zuvor noch bei einer Grillparty in Bayerisch Gmain als Kerzenständer diente, landete kurz nach Mitternacht an der Seitenscheibe eines nagelneuen Berchtesgadener Taxis. In Verdacht geriet ein 32-jähriger Bauarbeiter. Der aber hatte wenig später der Polizei einen möglichen anderen Täter präsentiert.


Wegen falscher Verdächtigung stand der Mann aus Bayerisch Gmain nun in Laufen vor Gericht. Weil für Richterin Dr. Elisa Frank Zweifel blieben, sprach sie den Bauarbeiter »aus Mangel an Beweisen« frei.

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Der Schaden am Taxi summierte sich auf 2500 Euro, 500 davon musste der 64-jährige Fahrer selbst begleichen. »Das Auto war drei Wochen alt und die Versicherung hat mich rauf gestuft«, beklagte der Berchtesgadener. Nach dem »richtigen Schnoiza« hatte er gewendet »drei ang'soffene Männer« vorgefunden, die »blöd daherg'redt ham«.

Die Geschichten dieser Männer, darunter der Angeklagte, waren andere. Ein 34-jähriger Küchenhelfer will von einem Flaschenwurf nichts mitbekommen haben. Ein 42-jähriger Handwerker bestätigte die Variante des Angeklagten, wonach sich die Party bereits kurz nach zehn aufgelöst habe, und sie beide die letzten gewesen seien. Für Staatsanwalt Alexander Foff passte das alles nicht zusammen.

»Nach unterschiedlichen Geschichten kam dann diese Variante«, beschrieb ein 30-jähriger Polizeihauptmeister jene Version, die der Angeklagte auch im Gerichtssaal präsentierte. Bereits im Bett will er einen »Knall« gehört haben, beim Blick aus dem Fenster sei ihm jedoch nichts und niemand aufgefallen. Selbst unter Verdacht geraten, hatte der Bauarbeiter dann einen möglichen Täter benannt und kurz darauf in der Polizeiinspektion das Bild eines 52-jährigen Mannes vorgelegt. Der war allerdings nachweislich zum Tatzeitpunkt anderswo.

Der Polizeibeamte war noch in der Nacht zum Tatort gefahren. In einer Baugrube auf der anderen Straßenseite hatte er tatsächlich die zerbrochene Whiskeyflasche samt Wachsresten gefunden. Flasche und Kerze entsprachen exakt jener, die er auch auf der inzwischen verlassenen Grillfeier gegenüber fand. »Der Täter war wohl auf dieser Grillfeier«, schloss der Beamte.

Das Problem: Eine förmliche Vernehmung des Angeklagten hatte es damals nicht gegeben, weshalb der Wortlaut der Gespräche vom Verteidiger in Zweifel gezogen wurde. »Mein Mandant hat nie behauptet, der war es«, betonte Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer. Die Schilderungen der Beteiligten seien insgesamt »relativ eindeutig zweideutig«.

Der Angeklagte sei zwar vielfach vorbestraft und auch einschlägig, fasste Schwarzer zusammen, für eine Verurteilung aber reiche das heute nicht. Daher Freispruch auf Kosten der Staatskasse.

»Ordentlich rumgedruckst«, beschrieb Alexander Foff die wechselnden Aussagen des Angeklagten, »irgendwann weiß er dann doch, wer es war und präsentiert einen Täter«. Klar sei, dass es nicht so gewesen sein könne. Der Staatsanwalt spekulierte, dass der Angeklagte vielleicht selbst die Flasche geworfen hatte, was aber nicht nachzuweisen sei. Von der falschen Verdächtigung aber war Foff überzeugt. Anstatt der 90 Tagessätze aus dem Strafbefehl sollten es nun 120 zu je 35 Euro sein.

Die fehlende Vernehmung des Angeklagten erachtete die Richterin als »tatsächliches Problem«, denn bei den Aussagen des Bauarbeiters sei es zunächst ja noch um den Flaschenwurf gegangen und noch nicht um die Verdächtigung. Trotz erheblicher verbleibender Zweifel sei der Angeklagte freizusprechen, ein Kommunikationsproblem könne nicht ausgeschlossen werden. höf