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»Wer heilt, hat recht!«

Traunstein. Die im vergangenen Jahr angekündigte Möglichkeit, in Traunstein ein Hochschulstudium in der Fachrichtung Homöopathie zu beginnen, konkretisiert sich: Am 24. März 2014 beginnt der Studiengang an der Homöo-Akademie des Steinbeis-Transfer-Instituts EUH, in dem die klassische Homöopathie in Verbindung mit der Schulmedizin auf Hochschulniveau unterrichtet werden soll. Das Studienkonzept wurde jetzt in den Schulungsräumen im Bildungszentrum für Gesundheit und Soziales im ehemaligen Annette-Kolb-Gymnasium vorgestellt.

Startschuss für die Homöo-Akademie in Traunstein (von links): Josef-Karl Graspeuntner vom Homöopathie-Haus Traunstein-Surberg, der sich seit langem um die Akademie bemüht hatte, Rupert Übelherr, Leiter des Bildungszentrums für Gesundheitsberufe Traunstein, sowie von Seiten der Akademie die Leiterin Anja Wilhelm, die akademische Leiterin Dr. med. Wiebke Lohmann und der Leiter des Steinbeis-Transfer-Instituts EUH, Urs Rentsch. (Foto: Wittenzellner)

Enge Verzahnung von Theorie und Praxis

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Akademieleiterin Anja Wilhelm betonte, man wolle die Homöopathie mit dem Akademieangebot auf ein wissenschaftliches Niveau bringen. Schwerpunkte seien in den 36 Monaten Studienzeit, an denen die Teilnehmer am Ende nach der erfolgreich abgelegten Prüfung die Zulassung zum Heilpraktiker erhalten, vor allem eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Hierbei sei auch das umfangreiche Angebot in den verschiedenen Gesundheitsberufen in Traunstein eine Hilfe. So seien Praktika am Klinikum Traunstein und in Rehazentren fester Bestandteil des Lehrplans der Akademie, aber auch Praxiseinheiten bei langjährig erfahrenen, praktizierenden Homöopathen in der Region seien vorgesehen.

In einem schriftlich verlesenen Grußwort äußerte Landrat Hermann Steinmaßl seine Freude über den »weiteren Mosaikstein zum Ausbau des Standorts Traunstein zum Gesundheitsstandort«. Er wolle sich nicht in den Disput mit der Schulmedizin einmischen, für ihn gelte: »Wer heilt, hat recht!« Oberbürgermeister Manfred Kösterke betonte, dass die Ansiedlung der Akademie im Bildungszentrum für beide Seiten ein Glücksfall sei. Auch er plädierte für einen sachlichen Umgang mit der Homöopathie und setzte sich dafür ein, die Vorbehalte in der Schulmedizin gegenüber der Homöopathie etwas abzubauen: »Den Menschen ist es egal, ob es aus der Schulmedizin oder aus der Homöopathie kommt, wenn es ihnen hilft.« Sichtlich stolz zeigte er sich, dass Traunstein als neuer, künftiger Hochschulstandort gefestigt werde. Hat doch auch die bayerische Wirtschaft eine private Hochschule mit den Schwerpunkten Maschinenbau und Elektrotechnik in den Räumlichkeiten des bfz (Berufliche Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft) im Gewerbepark Kaserne ins Leben gerufen. Angebote wie diese könnten helfen, die Menschen in der Region zu halten.

Urs Rentsch, Leiter des Steinbeis-Transfer-Instituts Europäische Union der Homöopathie (EUH), machte den Ansatz der Homöopathie deutlich. Man stelle den Menschen als ganze Person in das Zentrum und nicht einzelne Krankheiten. Oft würden Medikamente verabreicht, um Symptome zu beruhigen, was kurzfristig für Linderungen sorge, langfristig aber insbesondere bei chronischen Krankheiten zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes führe. Die moderne Medizin und die Homöopathie würden sich in solchen Fällen »sehr gut treffen«. Es sei letztlich eine vorurteilslose, wissenschaftlich orientierte Haltung nötig. »Diese kann nur in einem umfassenden Studium vermittelt werden«, machte Rentsch deutlich.

Die akademische Leiterin Dr. med. Wiebke Lohmann sagte, die Popularität der Homöopathie würde zunehmen. Vor allem Frauen im Alter zwischen 30 bis 40 Jahren würden »die Initiative ergreifen« und gerade auch für ihre Kinder nach medizinischen Alternativen suchen. Die Zufriedenheitsquote über die Wirkung und Verträglichkeit homöopathischer Arzneimittel liege bei statistisch erfassten rund 80 Prozent, teilweise in einzelnen Altersgruppen noch deutlich höher. Bei rund 6000 praktizierenden Homöopathen sehe man in Deutschland eine deutliche Unterversorgung, die sich noch verstärken werde.

Derzeit habe man fünf feste Anmeldungen, 40 Studierende sind für den Start der Akademie geplant. Man habe viele Anfragen, von bereits in der Branche tätigen Interessenten, die sich überlegen, mit einem umfassenden Studium ihre beruflichen Kenntnisse auf eine breite Basis zu stellen.

Weitere Auskünfte und Anmeldungen zum Studiengang an der Homöo-Akademie sind bei der Akademieleiterin Anja Wilhelm unter Telefon 0861/ 90 99 47 26 möglich. Informationsabende finden daneben am 4. Dezember und am 15. Januar jeweils um 19 Uhr im Bildungszentrum in der Herzog-Friedrich-Straße statt. awi