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Wenn das Leben zum schlechten Roman wird

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Verena Wengler gibt als Severine ihrem Ex-Mann Jean-Pierre (Jürgen Prochnow) eine Arbeit in ihrem Verlag – und der bringt den Büroalltag ganz schön durcheinander. (Foto: Heel)

Weltbekannt wurde er 1981 durch die Rolle des U-Boot-Kapitäns in der Verfilmung von Lothar-Günther Buchheims Roman »Das Boot« – seitdem ist der 1941 in Berlin geborene Schauspieler Jürgen Prochnow, der zuvor in zahlreichen TV-Produktionen zu sehen war, auch im internationalen Filmgeschäft zu Hause (»Beverly Hills Cop II«). Kein Weltstar, aber doch einer, der es ganz nach oben geschafft hat.


»Ganz unten« konnte man ihn jetzt in der Komödie »Ein Mann fürs Grobe« im Traunreuter k1 erleben, einer Produktion der »Komödie im Bayerischen Hof München«. Da verkörperte er Jean-Pierre, einen augenscheinlich mittellosen Herumtreiber, der nach 25 Jahren Funkstille im Verlag seiner Ex-Frau Severine (Verena Wengler) aufkreuzt und sie um Arbeit bittet, egal, welcher Art.

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Für beide eine mehr als peinliche Situation, schließlich hat er sie kurz nach ihrer Eheschließung einer Jüngeren wegen verlassen. Doch Severine erbarmt sich und bietet ihm einen Job als Pfleger an. »Pfleger? – Ja. Raumpfleger!« Weitere Konditionen: 80-Stunden-Woche für den Mindestlohn und unter falschem Namen.

Jean-Pierre akzeptiert notgedrungen und erweist sich in der Tat als Mann fürs Grobe. Statt groß nützlich zu sein, bringt er den Büroalltag durcheinander und vergrault einen Nachwuchs-Autor, den Severine unbedingt unter Vertrag nehmen möchte. Doch der größte Coup gelingt ihm, als er Patrice, Severines Lebenspartner, in flagranti mit Celia, Severines junger Assistentin, erwischt – jetzt hat er die beiden in der Hand und damit auf seiner Seite, wenn es Ärger mit Severine gibt, bis plötzlich ein Manuskript mit dem Titel »Porträt eines Mistkerls« auf Severines Schreibtisch landet. Eine Story, die Severine nur allzu bekannt vorkommt. Und dann steht die Autorin, eine gewisse Victoria, auch schon in der Tür. Die Frau, deretwegen Jean-Pierre seinerzeit Severine sitzen gelassen hat.

Verfasst von Eric Assous, einem gebürtigen Tunesier, der seit Langem in Frankreich lebt, gewinnt das Stück nach Einführung seiner Hauptfiguren rasch an Fahrt und mündet nach reichlich Gags, Wortwitz und Slapstick in einem herrlich überdrehten Finale. Als Schauplatz dient dabei ein Büro samt Sitzecke, in dem Severine residiert und wo alle Beteiligten in immer neuen Konstellationen aufeinandertreffen – perfekt arrangiert von Regisseur Frank-Lorenz Engel

Jürgen Prochnow fügt sich dabei wunderbar in das siebenköpfige Ensemble ein und begeistert in der Rolle des ergrauten Machos mit Hang zum Intrigieren, der am Ende (geläutert?) ein spätes Glück findet. Aber auch die anderen Darsteller überzeugen und agieren mit Schwung und Esprit. Besonders gefordert ist hierbei natürlich Verena Wengler, die sich als Severine mit immer neuen, meist unangenehmen Überraschungen konfrontiert sieht. Eine Aufgabe, die von der Schauspielerin, die auch im wirklichen Leben mit Jürgen Prochnow verheiratet ist, mit charmanter Präsenz und agilem Wesen gelöst wird. Wolfgang Schweiger