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Weniger Unfälle, mehr Tote – Polizei stellt Unfallstatistik für die Region vor

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Insgesamt sind die Verkehrsunfälle im südlichen Oberbayern zurückgegangen; dennoch sind dabei mehr Menschen verletzt oder getötet worden. Die Polizei die aktuelle Verkehrsunfallbilanz 2018 für die südlichen Landkreise vor.

Rund 40.000 Verkehrsunfälle verzeichnet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd für das vergangene Jahr. Auch wenn die Gesamtzahl der Unfälle damit zurückgegangen ist, sind mehr Menschen als noch im Vorjahr bei Unfällen verletzt oder getötet worden. Das zeigt die aktuelle Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2018. Wie sehen die Zahlen in der Region aus?


Der Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd umfasst die kreisfreie Stadt Rosenheim sowie die neun Landkreise Rosenheim, Miesbach, Berchtesgadener Land, Traunstein, Altötting, Mühldorf, Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen. Dazu kommen knapp 50 Autobahnkilometer im Bereich der Landeshauptstadt und des Landkreises München. Insgesamt summiert sich das Straßennetz auf eine Länge von rund 15.500 Kilometer.

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1.192.568 Fahrzeuge waren zum Stichtag des 31. Dezembers 2018 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums zugelassen, was einer Steigerung von 2,1 Prozent bzw. 24.688 Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr (2017) entspricht.

Gesamtentwicklung

Auf den Straßen im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ergab sich bei der Gesamtunfallentwicklung ein Rückgang um 1,1 Prozent von 39.893 auf 39.457 Unfälle. Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Sachschaden verringerte sich geringfügig von 11.314 auf 11.300 (- 0,1 Prozent). Stärker fiel mit -2,1 Prozent die Abnahme der Kleinunfälle aus (von 22.436 auf 21.962 Unfälle). Bei den Kleinunfällen sind 6817 Wildunfälle enthalten (Vorjahr 6776; +0,6 %). Die Unfallfluchten blieben auf nahezu dem gleichen Niveau (+0,8 % auf 8162 Unfälle) wie im Jahr 2017.

Die Zahl der Verkehrsunfälle mit Personenschaden erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 6195. Verletzt wurden dabei 8276 Personen (+0,9 %). Bei 93 Verkehrsunfällen wurden 99 Personen tödlich verletzt (Vorjahr: 77, +28,6 %), dennoch ergibt sich im Zehn-Jahres-Vergleich tendenziell ein Rückgang bei den Verkehrstoten. Anstiege sind hier sowohl innerorts mit 24 als auch außerorts mit 75 tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmern festzustellen.

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Überhöhte und nicht angepasste Geschwindigkeit ist für vier von zehn Verkehrstoten ursächlich. Während es bei den jungen Erwachsenen eine positive Entwicklung gibt, ist bei den Rad- und Motorradfahrern sowie bei Schulwegunfällen und den Senioren ein negativer Trend zu verzeichnen.

Zahlen in den Landkreisen Traunstein und BGL

Im Landkreis Traunstein nahm die Zahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr mit 5167 leicht ab (2017: 5280; - 2,1 %). Verletzt wurden vergangenes Jahr 1216 Personen (2017: 1241; - 2,0 %). Auch die Zahl der Getöteten ist rückläufig von 16 (2017) auf zwölf im zurückliegenden Jahr.

Weniger Verkehrsunfälle gab es vergangenes Jahr auch im Landkreis Berchtesgadener Land. Die Zahl sank von 3138 auf 3094 (- 1,4 %) im Vergleich zu 2017. Ein Plus gab es jedoch bei der Zahl der Verletzten – Anstieg von 666 auf 683 (+ 2,6 %) – und Getöteten – von einem in 2017 auf elf im vergangenen Jahr.

Zugenommen in beiden Landkreisen haben laut Pressesprecher Stefan Sonntag die Schulwegunfälle. "Dies bereitet uns Sorgen", sagte Sonntag dem Traunsteiner Tagblatt. Genaue Zahlen für die einzelnen Landkreise werden erst bei den Sicherheitsgesprächen bekanntgegeben.

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Verkehrsunfälle mit Personenschaden

Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Personen verletzt wurden, erhöhte sich um 0,8 Prozent auf 6195. Verletzt wurden dabei 8276 Personen (+ 0,9 %).

Insgesamt 99 Personen starben bei 93 Verkehrsunfällen im Jahr 2018 (Vorjahr: 77; + 28,6 %); dennoch ergibt sich im 10-Jahres-Vergleich tendenziell ein Rückgang bei den Verkehrstoten. Anstiege sind hier sowohl innerorts mit 24 als auch außerorts mit 75 tödlich verunglückten Verkehrsteilnehmern festzustellen.

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Hauptunfallursachen

Insbesondere bei den tödlichen Unfällen spielte überhöhte bzw. nicht angepasste Geschwindigkeit die größte Rolle: 40 Personen und damit vier von zehn Verkehrstoten, verloren im Straßenverkehr ihr Leben, weil zu schnell gefahren wurde. Überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit war zudem für 1498 zum Teil schwerverletzte Verkehrsteilnehmer verantwortlich.

Bei der Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Bereich Alkohol am Steuer ist ein Rückgang von 619 auf 606 Unfälle in 2018 zu verzeichnen. Die Alkoholbeeinflussung gehört aber nach wie vor zu den Hauptursachen bei schweren Unfällen mit Verletzten oder gar Getöteten. Zehn Personen verstarben und 355 erlitten Verletzungen im Straßenverkehr, weil betrunkene Fahrzeugführer am Straßenverkehr teilgenommen haben.

Angestiegen sind dagegen die Verkehrsunfälle nach dem Konsum von Drogen auf 63 im Jahr 2018 (2017: 51). Zwei Personen haben bei diesen Unfällen ihr Leben verloren (2017 waren es noch 0).

Hauptrisikogruppen

Es ist ein Anstieg bei der Zahl der getöteten Radfahrer von 13 auf 18 festzustellen (+ 38,5 %). Die Anzahl der beteiligten Radfahrer blieb im Vergleich zu 2017 nahezu konstant (2269), bei den Verkehrsunfällen wurden jedoch geringfügig mehr Radfahrer (1978; + 4,4%) verletzt.

Auffallend in diesem Bereich ist die weitere Zunahme von beteiligten Pedelecs (Anstieg von 188 auf 249; + 32,4 %) und der bei Unfällen mit Pedelecs verletzten Personen (Anstieg von 176 auf 232; + 31,8 %). Diesem negativen Trend folgend haben sich auch die bei Verkehrsunfällen tödlich verunglückten Fahrer von Pedelecs entwickelt (Anstieg von 2 auf 6).

Fußgänger waren 2018 wieder häufiger an Verkehrsunfällen beteiligt (Zunahme von 563 auf 579 oder + 2,8 %). Dabei wurden geringfügig mehr Personen verletzt (Zunahme um 1,9 % von 415 auf 423). Die Zahl der getöteten Fußgänger entwickelte sich mit einer Verdoppelung dagegen deutlich negativer (Anstieg von 7 auf 14).

Hauptrisikogruppe Motorradfahrer

Zu den Hauptrisikogruppen zählen nach wie vor Motorradfahrer. 1128 Biker waren 2018 an Unfällen beteiligt (Vorjahr: 1090, +3,5 %). Davon wurden 991 Fahrer bzw. Mitfahrer verletzt (+ 6,9 %). Mit 21 tödlich verletzten Personen waren bei Kradunfällen fünf mehr als noch ein Jahr zuvor festzustellen. Hauptunfallursache in diesem Bereich ist nach wie vor nicht angepasste bzw. überhöhte Geschwindigkeit.

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd hat bereits im Jahr 2015 die „Kontrollgruppe Motorrad“ ins Leben gerufen. Ein Erfolgsmodell, das inzwischen vom Bayerischen Staatsministerium des Innern für Sport und Integration in allen bayerischen Polizeipräsidien umgesetzt wurde. Die „Kontrollgruppe Motorrad“ wird vom Präsidium in der kommenden Motorradsaison von zwölf auf 14 Polizeibeamte, allesamt Experten und selbst begeisterte Biker, personell verstärkt. Die Beamtinnen und Beamten der Kontrollgruppe werden vor allem an den stark frequentierten Motorradstrecken präsent sein, um gegen sogenannte „High-Risk-Biker“ – eine kleine Minderheit innerhalb der stetig wachsenden Gruppe der Zweiradfahrer – konsequent vorzugehen.

Im Rahmen der Überwachungsmaßnahmen wurden von der „Kontrollgruppe Motorrad“ im Jahr 2017 insgesamt 2326 Motorradfahrer kontrolliert. Davon wurden 937 beanstandet, was einem hohen Anteil von 40 Prozent entspricht. Die Motorradspezialisten leiteten dabei 98 Strafverfahren ein und brachten 453 Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige – 44 Prozent davon wegen Verhaltensverstößen, wie überhöhter Geschwindigkeit. Gebührenpflichtig vor Ort verwarnt wurden 386 Motorradfahrer. Die Weiterfahrt wurde 228 Bikern untersagt, 305 Motorradfahrer mussten ihr Fahrzeug zur Überprüfung später vorführen bzw. Dokumente vorzeigen. Zehn Motorräder mussten wegen festgestellter technischer Veränderungen von einem Sachverständigen untersucht werden.

Schulwegunfälle und Senioren

Die Zahl der Schulwegunfälle sank gegenüber dem Vorjahr von 70 auf 69, während sich die Anzahl der bei diesen Unfällen verletzten Schüler von 72 auf 75 (davon 63 „nur“ leicht verletzt) erhöhte. Drei Kinder verloren im Jahr 2018 auf dem Schulweg durch einen Verkehrsunfall ihr Leben.

Bei den unfallbeteiligten Senioren (65 Jahre und älter) stellt die Polizei eine negative Entwicklung bei der Gesamtunfallzahl (4362 Unfälle; Vorjahr: 4.137 Unfälle) und bei den verletzten Senioren (1189; Vorjahr: 1049 Verletzte) fest. Negativ fällt auch der Trend bei den bei Verkehrsunfällen getöteten Senioren (30 Tote; Vorjahr: 24) aus.

Um diese negative Entwicklung umzukehren, werden vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd auch in diesem Jahr kostenlose Sicherheitskurse für Senioren durchgeführt.

Bei der Risikogruppe der jungen Erwachsenen (18 - 24 Jahre) ist die Gesamtunfallzahl (3510 Unfälle; Vorjahr: 3719) und die Anzahl der Verletzten (1033 Verletzte; Vorjahr: 1177) erfreulicherweise signifikant rückläufig. Mit 11 Getöteten (Vorjahr: 12) hält die positive Entwicklung bei der jungen Generation an, wenngleich diese Altersgruppe immer noch einen überproportional hohen Anteil am Gesamtunfallaufkommen aufweist.

Verkehrssicherheitsarbeit

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd ist im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration initiierten Verkehrssicherheitsprogramms 2020 „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“ nach wie vor gefordert. Es werden deshalb auch im Jahr 2019 Kontrollen sowie Maßnahmen der Verkehrsüberwachung im Rahmen des allgemeinen Streifendienstes durchgeführt.

Hinzu kommen verschiedene Schwerpunktaktionen, wie z.B. der „Blitzmarathon“, der Aktionstag „Fuß vom Gas“, Kontrollen zum Thema „Ablenkung im Straßenverkehr“ und für mehr „Sicherheit von Zweiradfahrern“. Daneben zählen Alkohol- und Drogenkontrollen zu den Standards der polizeilichen Verkehrs-sicherheitsarbeit. Hinzu kommen öffentlichkeitswirksame Präventions-veranstaltungen, insbesondere zu den Themen „Schulweg- und Motorrad-sicherheit“, „Rettungsgasse“ sowie „Ablenkung im Straßenverkehr“.

Statement von Polizeipräsident Robert Kopp: „Im Jahr 2018 wurden nicht nur mehr Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt – vor allem haben mehr Menschen ihr Leben im Straßenverkehr verloren, als in den Jahren zuvor. Die Entwicklung ist dabei in den einzelnen Landkreisen sehr unterschiedlich. Auch bei den Risikogruppen „Senioren“ und „Zweiradfahrer“ sowie bei den „Schulwegunfällen“ haben sich die positiven Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht mehr fortgesetzt. Das ist insgesamt keine gute Entwicklung und wir können mit der letztjährigen Bilanz – trotz rückläufiger Gesamtunfallzahlen – nicht zufrieden sein. Wir würden es uns zu leicht machen, die Entwicklungen mit zunehmender Mobilität, gestiegenen Zulassungszahlen und einem „Jahrhundertsommer“ zu erklären. Auch wenn alle diese Faktoren einen gewissen Einfluss haben – jeder Verletzte, jeder Verkehrstote ist einer zu viel! Alle an der Verkehrssicherheitsarbeit Beteiligten müssen ihre Anstrengungen weiter forcieren. Das gilt für Prävention und Infrastruktur gleichermaßen, wie andererseits für Überwachung und Repression. Die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen ist eine Daueraufgabe, nicht zuletzt auch für alle Verkehrsteilnehmer selbst. Die präventive und repressive Bekämpfung der Hauptunfallursachen sowie von schweren Unfallfolgen werden wir mit hohem Kontrolldruck auch zukünftig weiter in den Mittelpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd stellen – denn 40 Menschen und damit vier von 10 Verkehrstoten verloren im südlichen Oberbayern ihr Leben, weil zu schnell gefahren wurde. Wir setzen bei Maßnahmen der Geschwindigkeitsüberwachung einen polizeilichen Tätigkeitsschwerpunkt, flankiert von Verkehrsüberwachungsmaßnahmen der Ermittlungsgruppe „Autoposer“ sowie der „Kontrollgruppe Motorrad“. Daneben werden wir auch 2019 wieder eine Vielzahl öffentlichkeitswirksamer Präventionsveranstaltungen durchführen. Verkehrsunfälle sind keine schicksalshaften Ereignisse – ich appelliere deshalb an alle Verkehrsteilnehmer, sich die Grundregel des §1 der Straßenverkehrsordnung zu eigen zu machen: Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht!“