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Wellinger Zweiter bei Skandalspringen in Klingenthal

Klingenthal (dpa) - Als Gregor Schlierenzauer und Anders Bardal ihre Skier schulterten und die Schanze in Klingenthal mit dem Fahrstuhl verließen, wurde der Weltcup-Auftakt der Skispringer endgültig zur Farce.

Windig
Andreas Wellinger landete beim Eklat-Springen in Klingenthal auf dem zweiten Platz. Foto: Hendrik Schmidt Foto: dpa

Die beiden weltbesten Athleten der Vorsaison verweigerten am Sonntag beim nach einem Durchgang abgebrochenen Skandalspringen, das der Pole Krzysztof Biegun mit einem Sprung auf 142,5 Meter vor Andreas Wellinger gewann, ihre Versuche und setzten damit ein Zeichen. «Wir haben das gemeinsam besprochen. Der Wind blies teilweise mit acht Metern pro Sekunde von der Seite. Das war gefährlich», begründete Vierschanzentourneesieger Schlierenzauer die ungewöhnliche und zugleich mutige Entscheidung.

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Zuvor war der Wettbewerb wegen stürmischer Winde zunächst um knapp zwei Stunden verschoben und dann mehrmals unterbrochen worden, weil die Jury den Auftaktwettbewerb des Olympia-Winters vor knapp 8000 Fans unbedingt durchziehen wollte. «Es ist sehr, sehr schade, dass die Veranstaltung nicht reibungslos über die Bühne gehen konnte. Alle Beteiligten waren am Limit», stellte Bundestrainer Werner Schuster fest.

Ein Extralob verteilte er an Wellinger. Der Youngster im deutschen Team, das am Samstag im Mannschaftswettbewerb den zweiten Platz hinter Slowenien belegt hatte, zeigte im stundenlangen Geduldsspiel keine Nerven. «Das war sein bester Sprung der vergangenen drei Wochen und eine tolle Geschichte für ihn. Er war ganz klar im Kopf», befand Schuster.

Die Verweigerung der beiden Topleute wollte er nicht weiter kommentieren. «Ich kann mich schlecht in die Athleten hineinfühlen. Das ist auch eine Charakterfrage», sagte Schuster. «Natürlich nervt das Warten. Aber es gehört dazu. Den Wind können wir nicht beeinflussen», erklärte Wellinger und fügte verständnislos hinzu: «Ich hätte auf eine Jury-Entscheidung gewartet oder darauf, dass mein Trainer sagt, geh' runter.»

Genau dies hatte Österreichs Chefcoach Alexander Pointner in einem Telefonat mit Schlierenzauer offenbar getan. «Wir müssen nicht jedes Spiel der Jury mitspielen», sagte Pointner. Ihm hatte zuvor schon ein Sturz von Andreas Kofler, der sich eine Rippenprellung zuzog, zugesetzt. Ein Protest des ÖSV-Teams gegen die Wertung des Wettbewerbes wurde vom Weltverband FIS umgehend abgewiesen.

Am Ende blieb vom erstmaligen Weltcup-Auftakt in Deutschland ein fader Beigeschmack, denn der Wettergott meinte es mit den Athleten nicht gut. Den stürmischen Böen folgte eine Flaute, die viele Topspringer in die Knie zwang. Severin Freund landete auf Rang 28, Michael Neumayer auf Platz 30. Andreas Wank als 31. oder Weltmeister Kamil Stoch auf Rang 37 erging noch schlechter. Dafür freute sich Marinus Kraus über den achten Platz.

Grund zum Strahlen hatte vor allem Wellinger. «Gestern Zweiter, heute Zweiter. Das Ergebnis passt», konstatierte er zufrieden. «Ich freue mich, dass ich gleich vorne mitmische. Ich habe Spaß.» Den hatte am Samstag auch das DSV-Quartett mit Wank, Karl Geiger, Wellinger und Freund. «Das war ein toller Saisonauftakt», befand Schuster. «Wir waren zweimal auf dem Podest. Die Qualität stimmt.»

Es hätte sogar ein perfekter Start werden können, doch ein Patzer von Topmann Freund kostete im Mannschaftswettbewerb den möglichen Sieg. Mit 123,5 Metern im ersten Durchgang gab der Schlussspringer die Führung aus der Hand. Am Ende fehlten 12,3 Punkte auf die Slowenen. «Wir haben gedacht, Severin ist eine Bank für die Ewigkeit. Er wollte ein Zeichen setzen und hat den Absprung versäumt», analysierte Schuster. «Der Sprung war nix», entschuldigte sich Freund.