weather-image
27°

Weihnachtliche Goldhäppchen

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Sopranistin Eva Maria Schinwald reüssierte mit klarer instrumentaler Stimme. (Foto: Aumiller)

Romantik war angesagt am ersten Abend der diesjährigen philharmonischen Weihnacht. Darunter konnte man sich viel Schönes vorstellen: Feierliches, Wärmendes, Gefühlvolles.... Aber bei aller Bemühung der Musiker und Sänger wollte der Funke nicht so recht zünden.


Das Dargebotene geriet über Strecken spannungslos und schleppend. André Gold am Pult, angesehener Kantor aus Neuötting, hatte ein Programm zusammengestellt, das aus einer Reihung von Stücken bestand, von denen die meisten im Charakter ähnlich wirkten. Getragen und gleichförmig langsam war hier die durchgehende Vortragsweise als Kriterium für eine gewünschte feierliche Note. Der Dirigent war sichtlich beweglich, bewegte aber nicht die Gemüter.

Anzeige

Die programmatische Auswahl bot eine Sammlung kurzer Musiknummern aus Liedern und Auszügen aus Kantaten und Oratorien, unter anderem von Mendelssohn, Elgar, Gounod, Herbeck, Rheinberger, Marx. Aber ehe man sich einzustimmen versuchte auf eine Komposition, war sie auch schon wieder zu Ende. Die dann kurz erwachte Neugier auf das nun Folgende wurde aber nicht mit einem belebenden Gegenstück, sondern mit einem ähnlich schmeckenden Häppchen bedient. Gold hatte seinen »euregio oratorienchor« mitgebracht und es war offensichtlich, dass der Chor seine Herzensangelegenheit ist. Ihm widmete er sich mit vollem Einsatz und motivierte ihn auch zu voluminösen Lautstärkesteigerungen. Er gab sogar nahezu jedes Mal zu Beginn die Intonation vor als handle es sich um eine A-capella-Version. Der gemischte Stimmenklang konnte sich hören lassen, aber vom Text war kaum etwas zu verstehen, nur ab und zu ein Hosanna in excelsis, Alleluja oder vom Himmel hoch.

Die Orchestermusiker freilich ließen sich es nicht verdrießen und spielten schöne Soli und unterfütterten den Kirchen- und Oratorienstil des Sangesvölkchens doch noch mit romantisierender Melodik. Pietro Mascagnis »Intermezzo sinfonico« und der Abendsegen aus Humperdincks »Hänsel und Gretel« wurden zu orchestralen Höhepunkten. Etwas gewöhnungsbedürftig war das stimmungsvolle Lied »Die Könige« von Peter Cornelius, bei dem der Sopranstimme zusätzlich ein Chorsatz unterlegt worden war. Und damit deckten die ambitionierten Choristen stellenweise die Sängerin zu. Und nicht nur bei diesem Lied. Die Sopranistin Eva Maria Schinwald, Absolventin des Mozarteums und der Salzburger Paris-Lodron-Universität, reüssierte dennoch insgesamt mit klarer, instrumental geführter Oratorienstimme. Sie gab ein reizendes Sandmännchen von Humperdinck und waltete bei den übrigen Kantaten und Oratorien-Arien mit Stil und passender Tongebung.

Die Intention dieses Potpourris zur philharmonischen Weihnacht war als Idee eine löbliche Sache, leider konnte das Resultat mit der Absicht nicht mithalten. Der erste Teil war eine zu müde Angelegenheit, fühlte sich nicht mal sakral andächtig an und ließ Spannung, Abwechslung und gutes Zeitmaß vermissen. Nach der Pause kamen einige belebende Elemente hinzu und der Abschluss mit der Chorversion des Abendsegens führte zum guten Ende. Elisabeth Aumiller