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»Weder Interesse an Exkursion noch an Information« – Jetzt Kritik an Verein »Wildes Bayern«

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Berchtesgaden: Jetzt Kritik an Verein "Wildes Bayern": "Weder Interesse an Exkursion noch an Information"
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Auf forstliche Eingriffe zur Vermeidung der Ausbreitung des Borkenkäfers in der Pflegezone kann der Nationalpark zum Schutz angrenzender Privatwälder nicht verzichten. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Sechs Vereine distanzieren sich von den Aussagen, die Dr. Christine Miller im Artikel »Kein Interesse an Exkursion« in der Ausgabe vom 23. Oktober gemacht hat. Dazu zählen der Verein der Freunde des Nationalparks Berchtesgaden, der Verein zum Schutz der Bergwelt, der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz, der Ökologische Jagdverein sowie der Bayerische Jagdverband.


Der Nationalpark Berchtesgaden hatte im Anschluss an die Berichte des »Berchtesgadener Anzeigers« über tot aufgefundene Hirschkälber am Königssee ein Fachforum »Wildtiermanagement« eingerichtet. Zur Teilnahme hat er aus den Bereichen Naturschutz, Jagd und Tierschutz eine große Zahl von Verbänden und Interessierten eingeladen, auch den Verein Wildes Bayern.

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Bei der ersten Sitzung dieses Fachforums haben die Beteiligten sich darauf verständigt, am 20. September eine gemeinsame Exkursion in den Nationalpark zu unternehmen, um sich an verschiedenen Standorten mit eigenen Augen einen Eindruck von der sich selbst überlassenen Natur und vom Wildbestand zu verschaffen.

Nahezu alle zum Fachforum Geladenen, auch aus dem Land Salzburg, haben an der Exkursion teilgenommen. Der Verein Wildes Bayern und der Deutsche Tierschutzbund sind ihr jedoch ferngeblieben.

»Statt sich vor Ort zu informieren, hat die Vorsitzende des Vereins, Dr. Christine Miller, es für richtiger gehalten, mittels einer Presseerklärung ihre Unterstellungen und Vermutungen über den Zweck der Exkursion in den »Berchtesgadener Anzeiger« vom 23. Oktober zu lancieren«, heißt es in der Pressemitteilung der sechs Vereine. Miller habe ihr Fernbleiben damit begründet, die Exkursion sei von »vorn herein sinnlos«. Ohne die für die Information angedachten Bereiche im Nationalpark aufzusuchen, wusste Dr. Miller im Voraus, es handle sich um die falschen Standorte. Dort wollten »die Nationalparkförster nur ihre gepflegten Pflanzflächen präsentieren«.

Unter solchem Vorwand ferngeblieben, hat Dr. Miller sich gleichwohl berufen gefühlt, in ihrer Pressemitteilung über die Exkursion zu berichten. »Damit war Falschinformation vorprogrammiert, schlimmstenfalls sogar beabsichtigt«, lautet nun der Vorwurf der Vereinsvertreter. Sie listen anschließend die einzelnen Falschinformationen auf. Falsch war demnach die Nachricht, der Bayerische Jagdverband habe an der Exkursion nicht teilgenommen. Richtig ist, dass der Bayerische Jagdverband unter anderem durch Hans Berger, seinen Kreisvorsitzenden, vertreten war.

Falsch sei ebenso die Unterstellung von Dr. Miller, wildbiologische Fragen hätten bei der Exkursion keine Rolle gespielt. Vielmehr wurde auch darüber vor Ort, nämlich am Steinberg über der Ramsau und im Bereich Kühroint/Archenkanzel, ausführlich diskutiert, teilweise auch kontrovers. »Vor allem sind die Teilnehmer aus dem Berchtesgadener Land und aus dem Land Salzburg übereingekommen, ihre Maßnahmen künftig stärker untereinander abzustimmen«, so die Vertreter der sechs Vereine.

Es sei nicht zuletzt um Ruhe- und Rückzugsräume für das Wild gegangen. Wichtig war dabei die Erkenntnis, dass in Bereichen, in denen bereits natürliche Vegetation ohne menschlichen Einfluss entstanden ist, sich Wildbestandsregulierung weithin erübrigt. Diese soll sich künftig im Schwerpunkt auf den Bereich um den Königssee konzentrieren. »Denn die dortigen Rotwildbestände lassen natürlicher Vegetationsentwicklung wenig Raum.« Deshalb werde sich das Fachforum in seinen weiteren Treffen auch mit Ob und Wie der dortigen Winterfütterungen beschäftigen. Ein konstruktiver Vorschlag dazu war vom Verein Wildes Bayern trotz Nachfrage nicht zu vernehmen, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Zur »Irreführung der Öffentlichkeit« geeignet sei das Foto gefällter Bäume, das als Teil der Pressemitteilung dem Artikel im »Berchtesgadener Anzeiger« beigefügt war, gewesen.

Falsch war demnach die Behauptung, es handle sich dabei um einen forstlichen Eingriff im Bereich der Eckaualm. »Damit sollte wohl der Eindruck erweckt werden, der Nationalpark verrate seine eigenen Ziele.«

Das Foto habe sich Dr. Christine Miller »irgendwie verschafft«. Es habe mit der Exkursion nicht das Geringste zu tun. Es betrifft vielmehr eine Forstschutzmaßnahme in der Pflegezone nahe der Nationalparkgrenze. Dort wurden etwa 30 vom Borkenkäfer befallene Fichten gefällt und entrindet, um den nur etwa 100 bis 150 Meter entfernten Privatwald zu schützen. Solche Maßnahmen gehören zu den Pflichten des Nationalparks.

Im Bereich bloßer Unterstellungen bleibe die vom Verein Wildes Bayern aufgegriffene Behauptung, den verendeten Hirschkälbern seien die Muttertiere weggeschossen worden. Wer sich eine Vorstellung von der Härte der Natur in einem extrem schneereichen Winter wie dem vergangenen bilden will, dem sei ein Gespräch mit dem früheren Nationalparkleiter Dr. Hubert Zierl empfohlen. Der wisse zu berichten, dass in den strengen, schneereichen Wintern der späten Kriegsjahre 1943/44 der Aasgeruch zahlreich verendeten Rotwildes bis zu seinem Schulweg in der Jachenau reichte. Vorwiegend waren es Jungtiere, voll belegt mit Maden und Käfern und angefressen von Beutegreifern. Jungtiere fallen der brutal erscheinenden Auslese als erste zum Opfer. »Das dürfte der Vorsitzenden eines Vereins, der sich Wildes Bayern nennt, nicht unbekannt sein«, so die Vereine.

Unterzeichnet wurde die Mitteilung von den Vorsitzenden der Vereine, Dr. Hermann Amann, Rita Poser, Toni Wegscheider, Dr. Klaus Thiele, Dr. Sabine Rösler und Hans Berger. fb