Wasserkraftwerk wird saniert: Grüne Energie aus der Gartenau

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Aktuell laufen die Baumaßnahmen am Wasserkraftwerk Gartenau – von der B 305 aus auf Höhe Unterau ist die Baustelle zu sehen. (Foto: Lisa Schuhegger)

Berchtesgaden – Aktuell wird auf Höhe Unterau an der Ache gebaut. Grund sind die Bauarbeiten am Wasserkraftwerk Gartenau. Das schon 1907 von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen erbaute Kraftwerk betreibt nun die »AUF Eberlein & Co. GmbH«. Diese rüstet es in zwei Bauabschnitten auf – 2013 die Technik, nun im zweiten Bauabschnitt den Bestand und die Ökologie. Im Sommer 2022 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. 


Von der B 305 auf der Strecke Berchtesgaden - Marktschellenberg ist eine mächtige Baustelle zu sehen. »Die Wehranlage, das Einlaufbauwerk und der Zulaufkanal werden neu gebaut. Im März des kommenden Jahres wird noch der Radweg erneuert«, informiert der Geschäftsführer der »AUF Eberlein & Co. GmbH«, Fritz Eberlein, der mit dem Umbau die »Gesamtsituation verbessern« will, Sein Partner Josef Kreuzer und er schicken nach: »Künftig sorgen eine Fischtreppe und ein Fischabsteig dafür, dass die Fische das Kraftwerk in beide Richtungen passieren können, eine Otter-Wand hilft den Fischottern auf Wanderschaft, über die Stufe zu kommen, wir schaffen ein flaches, schattiges Gewässer, in dem sich Amphibien wohlfühlen, und die Sanierungsmaßnahme sorgt dafür, dass die Restwassermenge im Flussbett verbleibt.«

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Ein Blick ins Innere: Das Wasserkraftwerk besteht nun aus zwei »Francis-Turbinen mit horizontaler Welle«, die zum Teil noch fast originalgetreu aus dem Jahr 1907 erhalten geblieben sind, und einer »Kaplan-Turbine« (Mitte), die 2013 eingebaut wurde. (Foto: AUF Eberlein & Co. GmbH)

Es stellt sich die Frage, wie im Fluss gebaut werden kann. Der Unternehmer aus Rothenburg ob der Tauber, der weitere Kraftwerke in Deutschland betreibt, erklärt dazu, es werde mit Spundwänden gearbeitet. Sein Partner Josef Kreuzer schiebt nach, die Baumaßnahmen an der Ache erfolgten in Berchtesgaden vorwiegend in den Wintermonaten. Er verweist auf einen möglichst niedrigen Pegelstand, den die Ache aufweisen müsse. »Im Sommer droht im Gebirge ein hoher Pegel durch Schmelzwasser oder eben wegen eines Starkregenereignisses wie zuletzt im Juli.«

2013 wurde das Kraftwerk, das Energie in das öffentliche Netz eingespeist, bereits um eine neue zusätzliche »Kaplan-Turbine mit vertikaler Welle« erweitert. Das Kraftwerk besteht nun aus zwei »Francis-Turbinen mit horizontaler Welle«, die zum Teil noch fast originalgetreu aus dem Jahr 1907 erhalten geblieben sind und dieser neuen »Kaplan-Turbine«.

Nach dem Abschluss der gesamten Baumaßnahme solle das Wasserkraftwerk mit den 8.000.000 Kilowattstunden Energie, das es erzeugt, 2800 Haushalte mit regional erzeugtem Strom versorgen, informiert Fritz Eberlein. Vor der Sanierungsmaßnahme erzeugte das Kraftwerk »nur« circa 6.000.000 Kilowattstunden in einem Jahr und stellte für »nur« 2  000 Haushalte Energie bereit.

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Der Geschäftsführer der AUF Eberlein & Co. GmbH, Fritz Eberlein, betreibt mehrere Kraftwerke in Deutschland. (Foto: Lisa Schuhegger)

Die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen errichteten das Wasserkraftwerk seinerzeit, um Strom für die ehemalige Bahnstrecke Berchtesgaden-Hangendenstein und die Königsseebahn zu erzeugen. 1938 wurde der Betrieb der Strecke Berchtesgaden-Hangendenstein eingestellt, ab 1942 wurde die Königsseebahn vom Saalachkraftwerk Bad Reichenhall mit Energie versorgt. Das Kraftwerk wurde technisch umgerüstet und 1967 an die Bayerischen Elektrizitätswerke verkauft. 2008 übernahm die »AUF Eberlein & Co. GmbH« das Werk und betreibt es bis dato. Das Unternehmen trägt die Sanierungsarbeiten, die nach einem vorausgegangen Planfeststellungsverfahren seitens des Landratsamtes genehmigt wurden. »Alle relevanten Verbände, die Öffentlichkeit und auch die Naturschutzbehörde waren beteiligt worden. Angesprochen auf die Befürchtung von Naturschützern, Wasserkraftwerke störten den natürlichen Verlauf eines Flusses, erwidert Fritz Eberlein: »Es gab im Vorfeld umfangreiche Gutachten unter anderem zu den Themen Emissionen, Grundwasser, Ökologie, Landschaft, Artenschutz et cetera, die zu dem Schluss gekommen sind, dass keine nennenswerte Beeinträchtigung über die Baustellenzeit hinaus gegeben ist.«

Lisa Schuhegger