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Kunst in kleinster Form: Ein Kunstautomat vor dem Hause Nagl in Ruhpolding

Was ist bei dir drin?

Nicht nur im Hause Nagl an der Hauptstraße 26a in Ruhpolding gibt es Kunst zu bewundern, sondern auch davor am Treppengeländer: Was aussieht wie ein pfiffiger Zigarettenautomat, entpuppt sich bei genauerem Hinschauen als ein Kunstautomat, der für 2 Euro Kunst ausspuckt.

Was da wohl herauskommt? Immer wieder spannend, sich mit verschiedenen Kunststilen auseinanderzusetzen. (Foto: Janoschka)

Unter dem Namen »Kunsttick – das Original« warnt die Aufschrift auf der Verpackung, die an Zigarettenschachteln erinnert: »Diese Kunst kann verwirren, erhellen, aufregen und süchtig machen! Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie sich selbst und schreiben Sie uns die Antwort.« Die innenliegende Kunst sei direkt vom Künstler verpackt worden. Jedes Päckchen enthält ein Unikat und es gehöre jetzt dem Käufer, so die Aufschrift weiter. Mit diesem Päckchen halte der Erwerber einen »Kunstraum« der besonderen Art in der Hand, der nur durch die Innenmaße dieser Schachtel begrenzt sei, erfährt man dann beim Öffnen.

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Der Leser darf darüber staunen, dass es dieses Projekt »Kunstautomat« bereits seit 2001 gibt, wo es von Lars Kaiser von der Agentur kunsttick.com ins Leben gerufen wurde. Studierte Künstler können ohne Bewerbung daran teilnehmen. Der Kunstkäufer hat nicht die Wahl zwischen den Künstlern, sondern darf sich jedes Mal auf eine Überraschung beim Ziehen der Kunstschachtel freuen. Auf einem Informationsblatt kann er sich dann über den Lebenslauf und das Werk des Künstlers informieren und über dessen Kontaktadressen mit ihm oder ihr in Kontakt treten.

Über Rückmeldungen, wo und wann seine Kunst gezogen wurde, und wie der Käufer dazu stehe, freue sich die Künstlerin oder der Künstler, heißt es weiter. Das Ziel des Kunstautomatenprojekts sei es, Künstler bekannt zu machen, sodass eine Mensch-zu-Mensch-Bekanntschaft entstehen könne und sogar ihre Werke auf dem Markt bekannt würden. Am Schluss des Informationsblättchens findet der neugierige Käufer noch mehr Internetadressen sowie die Adresse und Telefonnummer des Kunstautomaten-Büros in Potsdam.

Die Künstlerin Monika Nagl war eine von neugierigen Käuferinnen, als sie auf einer Reise vor so einem Automaten stand, und sie interessierte sich dafür – mit dem Ergebnis, dass jetzt einer davon vor ihrem Haus hängt und Besucher anzieht. Auch ihre Mini-Kunstwerke können gezogen werden. Es ist immer wieder spannend, auf welch kleinem Raum sich Künstler ausdrücken können, sodass der Ausschnitt ihrer Kunst nicht größer ist als eine Zigarettenschachtel. Und doch gibt dieser Ausschnitt einen Einblick in sein oder ihr großes Schaffen! Eine witzige Idee. Brigitte Janoschka