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Waginger Musiktage suchen neuen »Intendanten«

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Alfons Schmuck – hier bei einem der Kirchenkonzerte, die jedes Jahr zwei Mal aufgeführt werden - gibt die Leitung der Waginger Musiktage ab. Die klassische Musik soll auf Wunsch vieler Musikfreunde im Markt Waging auch weiterhin ihren Platz haben.

Seit 20 Jahren ist Waging am See im Sommer längst nicht mehr nur ein Geheimtipp für Liebhaber vor allem klassischer Musik. Die »Waginger Musiktage« haben sich in diesen zwei Jahrzehnten über die Region hinaus einen hervorragenden Ruf erworben – und wären sicher noch bekannter, wenn nicht die geringen finanziellen Möglichkeiten des veranstaltenden Vereins für Heimatpflege und Kultur die Außenwerbung aufs Notwendigste beschränken würden. Initiator und Ideengeber von Anfang war der Waginger Kirchenmusiker Alfons Schmuck, der sich jetzt aber zurückgezogen hat. »Ich will den Weg frei machen für einen Nachfolger«, sagt der 59-Jährige.


Denn, so führt er in einem Gespräch mit der Heimatzeitung aus, es dürfen und sollen nach 20 Jahren ruhig einmal neue Schwerpunkte gesetzt werden. Ausdrücklich wünscht er sich, dass neue Ideen ausprobiert werden sollen, dass andere Konzepte Einkehr halten sollen. Das Konzept der Vergangenheit war von der Struktur her über all die Jahre gleich, ist aber alle paar Jahre erweitert worden.

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Am Anfang stand der Kirchenchor. Alfons Schmuck hatte die Kirchenmusiker-Stelle in Waging im Jahr 1992 übernommen und damit auch die Leitung des Kirchenchors. Ein Kirchenkonzert – jeweils zu Beginn und am Ende der Musiktage aufgeführt – hat von Anfang an dieses Waginger Musikfestival umrahmt. Dabei haben sich die Musiktage aus ganz kleinen Anfängen entwickelt: In den ersten fünf Jahren nach dem Auftakt 1994 gab es neben den beiden Kirchenkonzerten nur zwei beziehungsweise drei weitere Konzerte – mit dem Schwerpunkt auf der Kammermusik: »Der gehört meine heimliche Liebe«, sagt Schmuck und schmunzelt.

Ziach meets Akkordeon

Schon bald kamen dann weitere Musikarten dazu, womit mehr und mehr auch einheimische Musiker mit eingebunden wurden. Da gab es beispielsweise die »Musik beim Wirt und im Café« unter anderem mit Volksmusik- und Jazzgruppen. Die evangelische Kantorei Traunstein trug ab 1998 in der Simeonkirche alljährlich ein Konzert bei. Matineen in den kleinen Filialkirchen kamen dazu. Als außergewöhnliche Höhepunkte gab es beispielsweise die Aufführung der »Carmina Burana« auf dem Marktplatz, die sogenannten »besonderen Konzerte« etwa mit den »Salzburg Comedian Harmonists« im Pfarrsaal vor »überausverkauftem Pfarrsaal«, wie sich Alfons Schmuck erinnert, und »Ziach meets Akkordeon« unter anderem mit der Waginger Ziach-Legende Willi Schneider und Maria Reiter aus München.

Und so erhöhte sich die Zahl der angebotenen Musikveranstaltungen – größtenteils im August stattfindend – auf zuletzt zehn bis elf. Und darunter waren echte Highlights mit Musikern von Weltrang. Alfons Schmuck hatte da vielfach einen sehr guten Riecher und scheute sich nicht, auch hochrangige Musiker zu kontaktieren: Sein Erfolge in dieser Hinsicht wurden bei Musikschaffenden mit Erstaunen und Bewunderung aufgenommen.

Da kamen »Stars« der internationalen Musikszene nach Waging, die wirklich Rang und Namen hatten – zumindest in eingeweihten Kreisen. Genannt seien stellvertretend die Pianistin Milana Chernyavska aus der Ukraine, die schon dreimal in Waging war, das Tecchler-Trio, das Mandelring-Quartett, der Salzburger Violinist Benjamin Schmidt oder ganz besonders auch die Violinistin und Echo-Klassik-Preisträgerin Susanna Yoko Henkel.

Jörg Widmann zu Gast

Und Schmuck ergänzt seine Aufzählung noch um ein ganz besonderes Trio: »Zu den Wichtigsten, die da waren, gehören Jörg Widmann, der zur Zeit wichtigste deutsche Komponist und Klarinettist, seine Schwester Caroline Widmann, eine der weltbesten Geigerinnen und der Pianist Oliver Triendl. Sie haben am 9. August 2007 bei uns gespielt. Die drei sind, jeder für sich, Solokünstler, und wir haben sie zusammen nach Waging gebracht.« Bei all den renommierten Musikern aber, auch das ist Schmuck wichtig zu betonen, handelte es sich bei den Konzerten in Waging um Veranstaltungen, zu denen »die Leute wegen der Musik kommen, nicht um gesehen zu werden«. Es habe sich in all den Jahren auch ein gewisses Stammpublikum herausgebildet.

Alfons Schmuck hinterlässt hier ein Erbe, das einen Nachfolger durchaus fordern kann. Aber die Musiktage müssen ja nicht so aussehen, wie sie bisher waren, betont er mehrfach. Und zum anderen steht der Verein für Heimatpflege und Kultur, dessen Zweiter Vorsitzender Schmuck auch weiterhin ist, mit Rat und Hilfe und Finanzen bereit. Aber er will sich gewiss nicht mehr in die Planung einmischen, macht Schmuck ganz deutlich. So hat er ganz bewusst darauf verzichtet, für dieses Jahr irgendwelche Vorplanungen und Kontaktgespräche zu führen. Ein neuer Leiter, den man zu finden hofft, hätte also völlig freie Hand. Selbst das Kirchenkonzert wird es heuer nicht geben, wie Schmuck noch anfügt.

Nachfolger gesucht

Gleichwohl aber hofft er sehr, dass es weitergeht. Ganz vorsichtig deutet er an, dass es schon ein paar lose Gespräche gegeben habe, seit bekannt ist, dass er die Leitung der Musiktage abgibt. Aber man ist seitens des Heimatpflegevereins intensiv auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Wer Interesse an dieser Aufgabe hat, kann sich beim Vereinsvorsitzenden Franz Patzelt unter Telefon 08681/9186 melden. Patzelt hebt im Gespräch Schmucks in vielfacher Hinsicht intensives Engagement um die klassische Musik im Markt Waging hervor. Diese Kultur-Sparte sei ihm stets ein großes Anliegen gewesen.

Und Patzelt betont, dass sich der Verein für Heimatpflege und Kultur weiterhin in finanzieller, rechtlicher und organisatorischer Hinsicht als Veranstalter anbiete. Denn nach wie vor wird dieses Kulturereignis ehrenamtlich gemanagt, die Gagen für die Künstler und die Ausgaben technischer Art finanzieren sich aus dem Festival-Etat, der sich aus Eintritten, Sponsor-Gaben und Gemeindezuschüssen speist. Und ein bisschen mehr Geld für ein bisschen mehr Möglichkeit der Werbung würden die Veranstalter sehr begrüßen. Die Gemeinde hat sich in den vergangenen Jahren mit jeweils 3000 Euro beteiligt. Diese Summe ist in den Haushaltsvorberatungen auch heuer wieder eingestellt worden. Für eine moderate Erhöhung als Anschubfinanzierung für einen Neustart unter einem neuen Leiter konnte sich der Finanzausschuss nicht erwärmen. Obwohl Bürgermeister Herbert Häusl ausdrücklich betont hatte, dass die Musiktage in Waging mit ihrem »hochwertigen Programm« stets »kulturelle Höhepunkte« gewesen seien.

Schmuck macht keinen Hehl daraus, dass ihm die Musiktage sehr am Herzen liegen. Mit viel Herzblut hat er über all die Jahre das Programm zusammengestellt, die Musiker kontaktiert, sich um Verträge und Gagen gekümmert – und ebenso, zusammen mit vielen Helfern, stets auch vor Ort dafür gesorgt, dass die Infrastruktur stimmte, dass alles Nötige an Ort und Stelle war, dass die Künstler auch so gut betreut wurden, wie sie sich das nur wünschen konnten. Dass sich daraus schöne Kontakte entwickelt haben, war eine Nebenerscheinung, über die sich Schmuck besonders freut. Und jetzt muss abgewartet werden, ob sich jemand findet, der die Leitung der Musiktage übernimmt – oder ob, wie in der Finanzausschusssitzung angedeutet, der »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« die möglicherweise entstehende musikalische Vakanz ein Stück weit ausgleichen soll. Hans Eder