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Waging am See punktet mit Kammermusik-Highlight

Mit einem spannenden Vortrag von Klavierquartetten von W. A. Mozart, William Walton und Johannes Brahms erfreute das Notos Quartett die Zuhörer bei einem im Rahmen der 20. Musiktage in Waging am See im dortigen Pfarrsaal. Das 2007 gegründete Quartett, bestehend aus dem Geiger Sindri Lederer, dem Bratscher Matan Gilitchensky, dem Cellisten Florian Streich und der Pianistin Antonia Köster, ist ein Ensemble junger Musiker, das sich mehrerer internationaler Preise und Auszeichnungen rühmen kann und bereits auf vielen bedeutenden Festival-Podien Erfolge erzielt hat.

Erfolreich gastierte das Notos Quartett bei den Musiktatgen in Waging am See. (Foto: Aumiller)

Die vier jungen Musiker bewiesen überzeugend ihre instrumentalen Fähigkeiten, die sie zu einem feinen Miteinander einstimmten. Mit vitaler Verve und genuiner Spielfreude gaben sie beredtes Zeugnis, wie sie sich dem Zugang zum Komponisten und dem musikalischen Ausdruck verpflichtet fühlen.

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Jedes der drei Klavierquartette auf dem Programm steht in einer Molltonart: Mozart KV 478 und Brahms op. 25 in g-Moll, William Walton in d-Moll. Nun, eine »weiche« Instrumentalartikulation legten die Musiker nicht an den Tag, besaßen aber genügend Sensibilität , um Feinheiten zu modellieren.

Mozart hat in seinem Quartett nicht viele »Moll-lastige« Melancholien eingearbeitet, sondern das Quartett zeigt eher den Schwung und die Schwerelosigkeit der »Figaro«-Nähe, in der es nicht nur zeitlich steht. Innige Melodik und Zartheit charakterisiert den Andante-Mittelsatz, den die Pianistin mit perlendem Anschlag einleitete, bis sich die Streicher in melodisch reizvollem Wechselspiel zugesellten. Mit Temperament und flotter Beweglichkeit ließen die Musiker das frische Rondo Allegro als blühenden Melodienreigen vorbeiziehen. Die Klangbalance zwischen Klavier und Streichern war gut austariert. Das Klavier drängte sich nicht in den Vordergrund, setzte aber Klanglichter in behender Geläufigkeit und expliziter Phrasierung.

Als eine wahre Trouvaille entpuppte sich das Quartett von William Walton, das drei Jahre lang auf dem Postweg von Italien aus verschollen blieb. Vom Wiederauftauchen überrascht, überarbeitete der Komponist sein mittlerweile sechs Jahre altes Jugendwerk aus dem Jahr 1918. Moderne Einflüsse klingen an, sind aber noch nicht vorherrschend.

Das Notos Quartett brachte die Musik ansprechend und eindringlich zum Klingen. Der Reiz bestand hier zudem in der profilierten Behandlung jedes einzelnen Instruments, was die solistischen Qualitäten der jungen Musiker unterstrich. Dynamischer Zugriff und rhythmische Vielfalt kamen hierbei zum Tragen, die Streicher formten feine melodische Bögen, die Pianistin hatte alle Hände voll zu tun, was sie mit Differenzierung, Ausdruck und Eleganz in den Gesamtklang einflocht. Scherzhafte Fugato-Anklänge machten auf sich aufmerksam, und auch zarte Glissandi und Streicher-Streicheleinheiten hatten die Musiker auf Lager.

Zupackendes leidenschaftliches Musizieren dann beim Brahms-Quartett. Wieder stimmte das Klavier das Thema an, das die Streicher sodann unisono übernahmen. Die Musiker gingen voll in medias res, zeigten sich intensiv der musikalischen Ausformung hingegeben. Da war jugendliche Kraft und Begeisterung am Wirken. Rhythmisch und dynamisch setzten sie ihren vielschichtigen, vielfarbigen Klangwillen um. Aber auch zartbesaiteter gaben sie sich im romantisch stimmungsvollen Andante. Mitreißend gelang das Rondo alla Zingarese, und Bratsche und Cello gaben im Finalpresto ihrer locker souveränen Freude am Spiel sichtbaren Ausdruck. »Zur Beruhigung« erklang als gefühlvolle Zugabe noch der feingesponnene langsame Satz aus dem Schumann-Quartett Es-Dur. Verdienter großer Applaus für das junge Notos Quartett, das sich die großen Podien erfolgreich erobern dürfte. Elisabeth Aumiller