Von Michaela zu Michael

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Michael Hölzl fühlt sich wohl mit seiner Entscheidung. Er lebt nun als Mann. (Foto: Maya Wirsing)

Berchtesgaden – Hinter dem Namen des 17-jährigen Michael verbirgt sich eine große Geschichte. Der junge Mann ist trans und hat viel aus seinem Leben zu erzählen. Vom Outing bis zur Gabe von Testosteronspritzen sind inzwischen ein paar Jahre vergangen. Michael Hölzl hat sich mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« über sein Outing, Testosteronspritzen und über Hass im Internet unterhalten.


Prinzessinnen, Kleider und Make-up? Für viele junge Mädchen ein Traum. Nicht für Michaela Hölzl. »Ich war schon immer anders«, erzählt der Teenager. Michaela Hölzl hat im April 2019 endgültig entschieden, als Junge leben zu wollen. Aus Michaela wurde so Michael. Er ist damit ein Transmann. Das bedeutet, dass sich Michaela Hölzl in ihrem Frauenkörper nicht wohl gefühlt hat und lieber als Mann leben will.

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Durch Spritzen zum Mann?

So einfach ist das alles aber nicht. Alleine durch die Entscheidung, als Mann leben zu wollen, ändern sich die körperlichen Voraussetzungen nicht. Ein erster Schritt ist daher die Hormonersatztherapie. »Seit 25. August 2020 lasse ich mir alle drei Monate Testosteron spritzen«, sagt er. Testosteron ist ein Sexualhormon.

Dieses ist unter anderem für den Muskelaufbau und den Eiweißaufbau mitverantwortlich. Dadurch verschwinden weibliche Körperzüge nach und nach, auch die Stimme wird tiefer und das Haarwachstum wird angeregt.

Die Hormonspritzen haben bei Michael Hölzl schon Wirkung gezeigt. Doch um endgültig im Körpers eines Mannes leben zu können, muss er weitere Schritte gehen. Dazu gehören auch geschlechtsangleichende Operationen, wie die Abnahme der Brust. »Im Juli habe ich einen Besprechungstermin für die Brustabnahme«, erzählt er stolz. »Dafür musste ich eine sechsmonatige Therapie machen.« Die Gespräche mit Therapeuten sollen unter anderem sicherstellen, das die Entscheidung, die Transfrauen und -männer getroffen haben, konstant sind. Zudem übernimmt erst dann die Krankenkasse die Operationskosten.

Optisch gesehen gleicht er schon sehr einem Mann. Allerdings ist sein Geschlechtswechsel noch nicht vollständig abgeschlossen. Aktuell trägt Michael Hölzl einen Brustbinder, der die Oberweite durch verengende Materialien abflacht. Trägt er ein T-Shirt oder einen Pullover, macht das keine Probleme, doch bei einem Schwimmbadbesuch wird es schon schwieriger. »Solange ich die OP nicht hinter mir habe, gehe ich nur mit T-Shirt, Binder und Badehose ins Wasser«, erklärt er. Ein anderes – bürokratisches – Problem ist der Personalausweis. Da Michael Hölzl noch keine Geschlechtsangleichung hatte, steht auf seinem Ausweis immer noch »Michaela« und »Geschlecht: Weiblich«. »Ich habe einen Ergänzungsausweis, damit kann ich die Situation erklären und die Polizei weiß bei einer Kontrolle Bescheid.

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Bis 2019 sah Michael noch so aus. (Foto: privat)

Transgender, was ist das?

Der Begriff »Transgender« dürfte den meisten Menschen heutzutage bekannt sein. Zwar wird durch Artikel, Dokus und Beiträge auf dieses Thema aufmerksam gemacht, trotzdem fehlt immer noch viel Verständnis in der Gesellschaft.

Michael Hölzl hat bisher fast nur gute Erfahrungen gesammelt. »Meine Familie akzeptiert mich so, wie ich bin. Sie unterstützt mich, genauso wie meine Freunde. Ich habe nur im Netz schlechte Erfahrungen gemacht. Aber den Hass von Fremden kann ich eh nicht ernstnehmen.« Beeinflussen konnten negative Kommentare seine Entscheidung deshalb nicht. »Seitdem ich mich geoutet habe, bin ich viel glücklicher und habe mich um 180 Grad gedreht. Von der schüchternen und traurigen Michaela zum glücklichen und starken Michi«, sagt er und lächelt.

Michael Hölzl will auch andere unterstützen und ermutigen. Deshalb hat er eine Instagram-Seite erstellt. Auf »thestoryofaboyx« postet er regelmäßige Updates zu seinen Veränderungen durch Testosteron, genauso wie er auch über seine Operationen berichten will. Michael Hölzl hat zum Schluss noch einen Tipp für Eltern. »Man sollte auf sein Kind zugehen, ihm offen begegnen und ihm das Gefühl geben, verstanden zu werden.«

Maya Wirsing

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