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Von der Faszination des Trio-Spiels auf Gitarren

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Das Münchner Gitarrentrio mit (von links) Mikhail Antropov, Alexander Leidolph und Thomas Etschmann gab ein Konzert in der Streichenkirche. (Foto: Kaiser)

Zum zweiten Mal seit 2012 war das Münchner Gitarrentrio in der Streichenkirche zu Gast. Damals hatten Alexander Leidolph, Thomas Etschmann und Mikhail Antropov »als Tribut an die Kälte im und den Dauerregen vor dem Kircherl« auf eine Pause verzichtet und sogar zwei Stücke aus dem Programm genommen, heuer – als Berichterstatter am Streichen kommt man halt am Wetter nicht vorbei – ließ die Sommerhitze die Feuchtigkeit im Kirchenraum ansteigen, worauf die Instrumente empfindlich reagierten und oft nachgestimmt werden mussten.


Um so überzeugender wirkte die selbstverständliche, perfekte Abstimmung der drei Musiker bei dem rassigen, flirrenden Fandango und die schmiegsame Agogik beim reizvollen »Oriental« von Enrique Granados (1867 bis 1916), Klaviermusik auf drei Gitarren von einem Komponisten, der keine einzige Note für Gitarre komponiert hat. Der Blumenwalzer von Tschaikowsky (1840 bis 1916) wandelte sich nach einer grifftechnisch äußerst schwierigen Einleitung zu einer munter strömenden Melodie des Komponisten, der uns noch andere faszinierende Walzer hinterlassen hat.

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Zwei Eigenkompositionen trug Thomas Etschmann (geb. 1959) zum Konzert bei. »Il pleut« oder »Südfrankreich im Regen« schilderte keinen bösen Regenguss, sondern ließ die Zuhörer an einer meditativen Abfolge frecher Tropfen teilhaben – und plötzlich war der Regen vorbei. In einem »dunklen Licht« angesiedelt war »Der Untergang des Hauses Usher« (nach Edgar Allan Poe). »Es geht schlecht los und endet ganz schlecht«, so charakterisierte Th. Etschmann dieses durchgängig stark rhythmisierte Stück mit experimentell jazzigen und minimalistischen Einflüssen.

Der Brasilianer Radamés Gnatalli (1906 bis 1988) hat eine Suite mit musikalischen Portraits von vier Komponistenkollegen zusammengestellt. »Ernesto Nazareth« daraus entwickelte sich zu einem gefälligen Walzer aus der Sparte »Salonmusik« mit hinreißendem Schwung und raffinierten harmonischen Wendungen. In die Pause entließ das Trio die Zuhörer mit Patrick Roux (geb. 1962), einem Kanadier mit engem Bezug zu Brasilien. Seine Originalkompositon »Carnaval« brillierte mit Samba- und Jazz-Elementen und ganz freien musikalischen Formen – eine kunterbunte, intensiv-lässige Mischung. Nach der im lauen Sommerwind und mit angenehmen Gesprächen verbrachten Pause wurde das Streichquartett op. 2 D-Dur Hob III:8 von Joseph Haydn zum Zentrum des Konzertabends. Eine ganz eigene und total gelungene Annäherung an Haydns Werk, das unter den sechs Händen der Musiker wundervoll aufblühte, war damit dem Arrangeur Alexander Leidolph gelungen. Ein stimmungsvolles, geradezu sinnliches Adagio war eingebettet in zwei schnelle Sätze mit melodischen Kanten. Der »Pavane« von Gabriel Fauré, einem eleganten, würdevollen Schreittanz der vornehmen Gesellschaft, folgte eine weitere Originalkomposition, »Baiao de Gude«, des Brasilianers Paulo Bellinati (geb. 1950), ein »Tanz der Murmeln«, bei dem die Marmorschusser frei rollen, aneinander stoßen und prallen, sich ablenken und rhythmische Spiele in synkopischer Eleganz treiben.

Das Publikum war begeistert und verlangte Zugaben, die das Münchner Gitarrentrio bereitwillig gewährte, »Aragonaise« und »Habanera« aus Bizets »Carmen-Suite« und einen Satz aus dem wohlbekannten Concerto für Laute und Streicher von Vivaldi. Die perfekte Abrundung des Abends war das locker-intensive Gespräch mit den Musikern in der Gaststube des Wirts. Engelbert Kaiser