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Vom Tellerturm auf die Leinwand

Traunstein. Auf den zweiten Blick erkennt man die Türe dann doch: Die schwarze Klinke auf der weißgestrichenen Wand verrät sie. »Ein wenig getarnt haben wir sie schon, es soll ja auch nicht jeder da rein«, sagt Christoph Strobl, während er die Türe zum Vorführraum aufschließt. Er arbeitet in den Traunsteiner Kinos am Bahnhof. Schon in der vierten Generation laufen hier die Filme von der Rolle.

Film ab: Für den reibungslosen Ablauf einer Kinovorstellung ist der Tellerturm von entscheidender Bedeutung. (Foto: Schwaiger

Steigt man über die drei hölzernen Stufen ins Innere dieses kleinen Raumes, so fällt sofort ein Gerät ins Auge: Es mutet wie ein Turm mit einem Meter Abstand übereinander gestappelten runden Pizzablechen an. Tellerturm heißt dieses Gerät im Fachjargon.

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Damit der Kinobesucher später den gewünschten Film auf der Leinwand zu sehen bekommt, hebt der Kinomitarbeiter die Filmrolle auf den obersten Teller des Turms. Durchschnittlich 3000 Meter Film laufen dann über einen Mechanismus aus kleinen Rollen und werden durch den Projektor auf der Leinwand sichtbar. Endstation des Films ist dann wieder der Tellerturm – nun aber der unterste Teller. Hier wird der Film sofort wieder aufgespult. »Den Großteil der Arbeit, die hinter einer Kinovorführung steckt, sieht der Besucher gar nicht.« Während ein Beamer die Werbung im Vorspann einfach auf die Leinwand projiziert, muss jeder Film zunächst aus den vom Filmverleih geliehenen einzelnen Teilen, den sogenannten Akten, zusammengefügt werden.Vor der Premiere des Films kontrolliert der zuständige Vorführer diese Übergänge dann nochmals.

Normalerweise laufen 24 Bilder pro Sekunde über die Leinwand, ein technischer Fehler an den Geräten, ein Filmriss oder gar ein Blitzschlag können jedoch dafür sorgen, dass es im Kinosaal plötzlich völlig dunkel wird. Weil keiner der Kinomitarbeiter die ganze Dauer des Films auf den neun Quadratmetern des Vorführraums verbringt, gibt es eigens eine Kamera, die die Überwachung der Vorführung per Computer ermöglicht. So kann bei einem möglichen technischen Defekt schnell reagiert werden. Strobl hätte dafür jetzt aber auch keine Zeit: Er muss die neue Rolle auf den Turm hieven, denn gleich startet die nächste Vorstellung. Korbinian Kollmeier