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Vom Sofa-Tollpatsch zum Wald-Dandy

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Autorin Iris Melcher mit der Hauptfigur Kater Olli. (Foto: privat)

Ungewöhnliches Katzenbuch von Iris Melcher – »Auch in uns steckt vielleicht so ein Olli«


Salzburg/Berchtesgaden – Die ehemalige Redaktionsleiterin des »Berchtesgadener Anzeigers«, Iris Melcher, hat ein außergewöhnliches Katzenbuch geschrieben. Unter dem Titel »Waldfremd – Kater Olli verlässt die Couch« begleitet sie ihren zwölfjährigen Stubentiger bei seiner »Auswilderung«. Eine reizvolle, unterhaltsam-informative Lektüre für Katzenfans, die Freiheit schätzen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit Iris Melcher über ihr Erstlingswerk.

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Das Buch könnte als Ermutigung – nicht nur von Vierbeinern, sondern auch von Zweibeinern – zu mehr Selbstbestimmung und Freiheit verstanden werden. Vor zehn Jahren wagte Iris Melcher ein neues Projekt: Sie gründete in Salzburg eine Kunstflugschule, nachdem sie 15 Jahre lang die Redaktion des »Berchtesgadener Anzeigers« geleitet hatte.

Seit knapp 30 Jahren hat Iris Melcher Katzen – selbstironisch stellt sie sich in ihrem Buch als deren »Butlerin« vor. Als sie Volontärin bei den »Salzburger Nachrichten« war, steckte sie ihr Kollege Othmar Behr mit seiner Leidenschaft für diese gezähmten Raubtiere an. »Er meinte, das passt zu mir. Und er hat recht gehabt«, sagt Melcher. Ihre erste Katze, Tigerkatze »Löwi«, wurde stolze 20 Jahre alt.

Auf die Idee, ihre Abenteuer mit dem inzwischen 14 Jahre alten Kater Olli zu Papier zu bringen, kam sie durch den Lockdown, der auch ihre Flugschule traf. »Es war eigentlich mehr, um mich bei Laune zu halten«, so die Autorin. Als Ollis Schwester Stanzi, die bei der »Butlerin« wohnte, vor zwei Jahren starb, litt der Kater sehr. Er fraß nichts mehr. Iris Melcher wollte Olli trösten, indem sie ihm den Weg in die Freiheit und die angrenzenden, für Katzen äußerst aufregenden Wälder öffnete.

Ein sogenannter »Tracker«, ein Halsband mit GPS-Ortung, soll dem Tollpatsch Olli ein Minimum an Sicherheit geben. Damit kann die Butlerin kuriose Zickzackrouten nachvollziehen, ohne eine Ahnung davon zu haben, was Olli erlebt. Der Tracker ermöglichte, dass sie ihn eines Tages in der Nähe ihrer Wohnung fand, als er sich wegen einer Verletzung verkrochen hatte.

Eine Freundin, die im Buch »Beste Katzenfreundin ever« heißt, bestärkte Iris Melcher in der Idee, das Ganze zu veröffentlichen. Die Münchner Künstlerin »PampelMuseRouge« begleitet Ollis Wandlung vom Sofakater zum Wald-Dandy mit flottem, kraftvollem Strich. Ähnlich locker ist der Duktus der Geschichte. Sie beginnt schon humorvoll: »Olli riecht nach Moos. Seine Pfote ist nicht die sauberste. Sie ruht auf dem Kopfkissen der Butlerin, das perfekterweise genau Katzengröße besitzt. Somit bleibt kein Platz auf dem Kissen. Die Benutzerrechte sind klar: Olli ist King.« Mit augenzwinkerndem Humor und Selbstironie ist die Geschichte aus Sicht der Butlerin erzählt, sie überrascht aber auch mit Ausflügen in die Tierwelt.

Für Iris Melcher ist es ein »Back to the roots«, bekam sie doch nach langer Pause wieder Lust am Schreiben. »Es ist mir ein bisschen aus der Feder geflossen. Und warum nicht einmal ein Bücherl in der Hand haben?« Diesen Aspekt fand sie als Kontrast zum kurzlebigen Journalismus sehr reizvoll.

Was ist nun das Besondere an diesem Katzenbuch? »Für mich ist es diese Metamorphose: So ein gemütliches Haustier hat in sich ganz was Anderes drin. Ein Wesen, von dem man meint, dass man es kennt, hat sein ganz eigenes Leben. Mir hat es gefallen, so ein kleines Fellknäuel plötzlich als Jäger zu sehen.« Dahinter steckt für die Autorin auch eine Symbolik: »Auch in uns steckt vielleicht so ein Olli.« Diese Abenteuerlust spürt sie auch in sich: Ihr Traum wäre es, mit dem Flieger einmal den italienischen Stiefel abzufliegen.

Ein Mehrwert dieses Büchleins ist das Frage-Antwort-Spiel mit Tierärztin Kerstin Pabst. Von Fragen wie »Wie alt sollten Katzen sein, wenn man sie zu sich nimmt?« über Hintergründe zum Schnurren, zu den Katzenaugen oder zur Fellpflege bis hin zu Erste-Hilfe-Tipps. Spannende Exkurse sind der modernen Katzensitter-Gemeinschaft (Catsitter) »Cat in a flat« gewidmet, Iris Melchers Zuflucht, wenn sie mal länger in der Luft ist.

Aber auch die Hundewelt kommt nicht zu kurz: Denn zuweilen führt die Salzburgerin auch bellende Vierbeiner, die speziellen »Freunde« der Katzen, spazieren. Iris Melcher beschreibt das Leben mit Katzen so einfühlsam und ansprechend, dass man sogar als eingefleischte Hunde-Frau (wie die Autorin dieses Artikels) ein wenig mehr Verständnis für diese rätselhaften, anarchistischen und majestätischen Wesen bekommt. Und sich sogar ansatzweise überlegt, ob man sein Zuhause möglicherweise auch mit einer Katze teilen könnte.

Iris Melcher/Kerstin Pabst: »Waldfremd. Kater Olli verlässt die Couch«, Verlag myMorawa, 80 Seiten, Paperback: 12,90 Euro, Hardcover: 21,90 Euro. Veronika Mergenthal