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Vom »Holzhof Todtengraben« zum Einkaufszentrum

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Das war der Triftplatz früher: Als dieses Foto gemacht wurde, fanden Arbeiten zur Anlage der Tennisplätze statt.
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Der Triftplatz heute beheimatet ein Einkaufszentrum und Parkplätze. (Foto/Repro: Johannes Schöbinger)

Schönau am Königssee – Nicht nur der Triftsteg hat eine interessante Geschichte, wie vor Kurzem im »Berchtesgadener Anzeiger« zu lesen war. Auch der Triftplatz wurde im Laufe der Jahrzehnte verschieden genutzt und ist ein wichtiger Teil der heimischen Historie. In der Serie »Berchtesgaden damals und heute« stellt die Lokalzeitung alte Aufnahmen aus dem Talkessel aktuellen Fotos gegenüber und reist so in die Vergangenheit.


Es ist bekannt, dass wohl schon im 13., spätestens im 14. Jahrhundert auf dem Triftplatz Holz getriftet wurde und zwar im Wesentlichen zur Versorgung der ersten Saline in Schellenberg mit Brennholz.

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Ab circa 1557, seit der Errichtung der zweiten Saline in Frauenreuth (Fronreit) unterhalb der Franziskanerkirche, wurde auch diese mit dem nötigen Brennmaterial versorgt. Seit dieser Zeit bestand an der Ache ein Fang- beziehungsweise Abweisrechen für die stets steigenden Brennholzlieferungen zur neuen Saline. Auch der fürstliche Hof wurde von dort aus mit Brennholz versorgt.

Der Rechen wurde »Todtengraben-Rechen« genannt und der Holzlagerplatz nördlich davon, der heutige Triftplatz, hieß »Holzhof Todtengraben«. Für diese recht ungewöhnliche Bezeichnung findet sich in den Unterlagen eine plausible Erklärung. In unmittelbarer Nähe befand sich ein Haus, in dem der Totengräber wohnte. Der Totengräber musste damals außerhalb geschlossener, dichter Besiedlung wohnen.

Waren ursprünglich die Wasserkanäle beziehungsweise die Abweisrechen und Abzweigungen nur in Holz errichtet, so begann das Hauptsalzamt ab 1856 mit dem steinernen Ausbau der gesamten Triftanlage. Schon 1928 nach der Einstellung des Sudbetriebs der Saline wurde im südlichen Geländeteil auf dem nun nicht mehr voll benötigten Triftplatz ein Tennisplatz mit drei, später vier Spielfeldern errichtet. Bauherren waren die Fremdenverkehrs-Vereine Berchtesgaden Markt und Land.

Als man 1938 im Zusammenhang mit dem Ausbau der Deutschen Alpenstraße auf dem 400 Jahre alten Triftplatz einen »Großplatz« plante, benötigte man den gesamten Steinausbau des Triftkanals nicht mehr.

Die exakt behauenen Steine fanden bei der Erbauung der Umgehungsstraße in Bischofswiesen eine passende Zweitverwendung. Eine Steintafel mit folgender Inschrift erinnert an diesen Vorgang: »Aus den Steinen der alten Trift in Berchtesgaden entstanden im Jahre 1938 die Gewölbe dieser Brücke.«

In der Rubrik »Berchtesgaden damals und heute« zeigt der »Berchtesgadener Anzeiger« Gegenüberstellungen von Fotos aus vergangenen Tagen und aus heutiger Zeit. Wer hat noch solche Bild-Schätze zu Hause? Der kann sie gerne in der Redaktion vorbeibringen, Dr.-Imhof-Straße 9, 83471 Berchtesgaden. Wenn sie schon in digitaler Form vorhanden sind, dann können sie per E-Mail an redaktion@berchtesgadener-anzeiger.de geschickt werden.

Johannes Schöbinger