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Vom Biathlon zum Skibergsteigen

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Die ehemalige Kader-Biathletin und zweifache Junioren-Weltmeisterin Kathrin Angerer ist aktuell die zweitbeste deutsche Skibergsteigerin. (Foto: Wechslinger)

Die zweifache Junioren-Weltmeisterin im Biathlon, Kathrin Angerer vom Almberg, gehörte einst als hoffnungsvolles Talent dem B-Kader des Deutschen Skiverbandes im Biathlon an. Doch langwierige Knieverletzungen verhinderten die Fortsetzung einer verheißungsvollen Karriere in der Loipe und am Schießstand. Nachdem die gebürtige Schlechingerin einmal zur Gaudi beim Saghäusl-Andreas-Gedächtnislauf aufs Roßfeld mitgemacht hat, entdeckte sie ihr Faible für das Skibergsteigen und dieser Virus lässt sie seit über zwei Jahren nicht mehr los.


Nach vielen Toprennen und großer Trainingsintensität hat Kathrin Angerer seither nicht nur einen Traum, sondern auch ein Ziel fest im Auge: einmal bei einem Weltcuprennen zu starten. Vielleicht ja schon im nächsten Jahr am Jenner. Der Vollblutsportlerin gelingt der Spagat zwischen Familie mit zwei Kindern und ihrem Mann, dem Ex-Weltklasse-Bobpiloten Karl Angerer, der Arbeit als Erzieherin in einem Kindergarten und dem nötigen Training sowie der Teilnahme an Wettkämpfen sehr gut.

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Wie fit Kathrin Angerer tatsächlich ist, hat sie im Jahr 2019 beim Zugspitz-Trail bewiesen, als sie die lange Zeit auf Platz 2 gelegene Weltklasse-Biathletin Laura Dahlmeier überholte und ihr am Ende noch 57 Sekunden abnahm. »Ich hätte nicht geglaubt, dass ich Dahlmeier einholen kann«, sagt die Ettenbergerin. »Als ich sie jedoch nach fast 60 Kilometern und 3 000 Höhenmetern vor mir hatte, bin ich wie um mein Leben gerannt und habe sie tatsächlich noch überholt.« Für Dahlmeier kein Problem, sie anerkannte sogar die Stärke Kathrin Angerers: »Hut ab vor der Leistung.«

Angerers größte Erfolge im Skibergsteigen sind bislang die zwei deutschen Vizemeistertitel vom letzten Jahr und von heuer am Jenner. Schneller als Kathrin Angerer ist zumeist nur die Allgäuerin Susi von Borstel. In der regionalen Szene war die 37-Jährige dagegen von Anfang an konkurrenzlos. »Als ich mein erstes Skitourenrennen aufs Roßfeld in ganz normaler Ausrüstung gegen die Carbonis (Wettkämpfer mit extrem leichter Ausrüstung aus Carbon; Anm.d.Red.) gewann, habe ich wieder Blut geleckt und bin jetzt das dritte Jahr beim Skibergsteigen dabei. Aber ich habe meinen Kopf nicht nur auf der Rennstrecke, ich genieße auch die Natur und nach den Aufstiegen traumhafte Abfahrten.«

Sport, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist für Kathrin Angerer freilich nicht leicht. So verbindet sie die Arbeit, wenn möglich, mit dem Training. » Ich arbeite halbtags als Erzieherin im Waldkindergarten in Winkl. Öfters laufe ich auch in die Arbeit oder nach Hause«, erklärt die Marktschellenbergerin. Da ist sie etwa eine Stunde unterwegs. Außer sie hängt noch den Untersberg dran, dann dauert es entsprechend länger. Ausdauer trainiert sie aber auch gerne beim Langlaufen. »In klassischem Stil, das kommt dem Skibergsteigen näher«, erklärt Kathrin Angerer.

Freilich ist sie auch im Sommer viel beim Bergsteigen unterwegs, am liebsten auf ihrem Hausberg, dem Untersberg. »Da kenne ich sehr viele Varianten«, so die 37-Jährige. Gerne würde sie auch einmal die Watzmann-Überschreitung in Angriff nehmen. Aber davor hat sie Respekt, denn ein Versuch zusammen mit ihrem Ehemann ist schon einmal gescheitert. »Ich habe Höhenangst und konnte nach dem Hocheck nicht mehr weiter«, erinnert sich die Mutter zweier Töchter.

Auch wenn das Skibergsteigen mittlerweile ein wichtiger Teil in Kathrin Angerers Leben ist, so freut sie sich auch aufs Saisonende, wenn wieder andere Dinge wichtiger werden. »Wir freuen uns schon alle auf den Urlaub in Kroatien«, sagt die Marktschellenbergerin. Ihre Fitness erhält sie sich den Sommer über mit Laufeinheiten und Bergtouren. Schließlich hat sie noch ein großes Ziel vor Augen. »Mein Traum und eigentlich auch ein Ziel ist es, einmal bei einem Weltcup am Start zu sein«, sagt die Spitzensportlerin. Christian Wechslinger

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