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Volksmusik überwindet Grenzen

Berchtesgaden - Volksmusik im Berchtesgadener Kongresshaus? Ja, mei - mag da mancher denken, nix Außergewöhnliches. Ist es aber doch, wenn Rudi Zapfs »Trio Grenzenlos« zur musikalischen Weltreise bittet. So geschehen im kleinen Saal des Kongresshauses, in dem die Zuhörer fantastische Momente mit außergewöhnlichen Protagonisten erleben durften.

Susanne Förster, Rudi Zapf (M.) und Harry Scharf spielten als »Trio Grenzenlos« im Berchtesgadener Kur- und Kongresshaus ein begeisterndes Konzert. Foto: Anzeiger/tj

Rudi Zapf ist seit vielen, vielen Jahren als Musiker und Kabarettist bekannt und geschätzt. Im »Trio Grenzenlos« verzaubert er mit Hackbrett und Knopfakkordeon, beides hat er studiert. Ihm zur Seite stehen Jazzgeigerin Susanne Förster und Kontrabassist Harry Scharf. Das Repertoire des Trios erweist dem Namen alle Ehre, denn der viel gereiste Rudi Zapf hat auf der ganzen Welt musikalische Eindrücke gesammelt und verarbeitet.

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Irische Lieder, russische Weisen, Volksmusik vom Balkan, Oper, Tango - es gibt nichts, was dem »Trio Grenzenlos« nicht beeindruckend aus den Händen fließt und dabei spielerisch Barrieren überwindet. Denn Volksmusik ist auch das, was von weit her kommt und auch das kommt in Berchtesgaden gut an. Das Auge vermag kaum zu folgen, wenn Rudi Zapf die Schlegel ans Heckbrett setzt, in beinah beängstigendem Tempo entlockt er dem Instrument unterschiedlichste Klänge - so etwa bei einer indischen Improvisation. Beinah entsteht mit geschlossenen Augen ein Bild des Ganges und charakteristischer indischer Landschaften, so überzeugend harmonieren Hackbrett, Kontrabass und Geige.

Auch ruhige Töne schlägt das Trio an, wobei die Begeisterung von Rudi Zapf eher dem schnellen Spiel zugewandt zu sein scheint - zum humorvollen Leidwesen von Susanne Förster: »Wir haben doch grad' was Schnelles gespielt!« Auch sie zeigt beeindruckende Fertigkeiten, etwa bei einem russischen Stück, das die Saiten der Geige »brennen« lässt. Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz, mit unterhaltsamen Ansagen bringt Zapf sein Publikum immer wieder zum Lachen. So folgt zum Beispiel eine Betrachtung über Sinn und Unsinn von F-Löchern; er selbst hat sich extra ein Knopfakkordeon mit deren vieren gekauft, um mit Förster und Scharf »mithalten« zu können. Andererseits kommt das Hackbrett gänzlich ohne Schall-Loch aus und überhaupt kommt aus dem Kontrabass nix mehr raus, was man bei den F-Löchern reinwirft - Weinkorken zum Beispiel.

Doch am faszinierendsten ist die musikalische Leistung des Trios, das wunderschöne Klangwelten in den Saal zaubert und sich quer über den Globus spielt. Sogar einen Ausflug in die Welt der Oper wagt das Trio, nämlich zu »Il Giustino« von Antonio Vivaldi - der laut Ansage einzigen Oper mit Hackbrett. Gekonnt verkürzte das »Trio Grenzenlos« das Vier-Stunden-Werk auf das Essenzielle, nämlich das Hackbrettsolo - und hat dafür eigens den weltbekannten Dirigenten »Rudolfo Zapfarotti« nach Berchtesgaden eingeflogen. Die Zuhörer sind begeistert und entlassen die drei Künstler erst nach knapp zwei Stunden und insgesamt drei Zugaben. tj