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»Vokalmusik im Glanz der Natur«

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Benedikt Meurers (von links) dirigierte und sang zusammen mit Constantin Zill, Teresa Ufertinger und Christa Huber. (Foto: Mikosch)

Die kleine spätgotische Kirche St. Anna in Tettelham liegt so idyllisch inmitten der Natur, dass sie sich als idealer Ort für das vierte Konzert der Waginger Musiktage, die Matinee »Vokalmusik im Glanz der Natur« anbot. Kirchenmusiker Benedikt Meurers (Bass), der die vierstimmigen Sätze zum Thema Natur aus der Romantik bis hin zur Moderne für Sopran (Christa Huber), Alt (Teresa Ufertinger, Tenor (Constantin Zill) und seine Bassstimme ausgewählt und einstudiert hatte, leitete dezent dirigierend ihren gemeinsamen Vortrag.


Mit einem Lied des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) nach einem Text von Joseph von Eichendorff begann die musikalische Matinee. Ein klarer Sopran führte die Melodie an, in der Höhe klangvoll weich, während Alt, Tenor und Bass sich nach kurzem einstimmigem Beginn in feierlicher Mehrstimmigkeit voll beruhigender Wärme einfügten.

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Christoph Rollfinke schloss sich lesend mit seinen Gedanken und seinem Wissen über die Musik an. Er ließ seine kritischen wie amüsanten Gedanken über die heutige Musik und ihre Wirkungen in den verschiedensten Bereichen des modernen Lebens einfließen.

Auch Mendelssohns Schwester Fanny Hensel (1805 bis 1847) hat sich als Komponistin mit dem Thema Natur beschäftigt. Im vierstimmigen Satz des Liedes »Lockungen« besang Christa Huber (Sopran) mit ihren drei anderen, fein abgestimmten Partnern zärtlich in höchsten Höhen die »träumenden Bäume«.

Max Bruch (1838 bis 1920) war ein Zeitgenosse der Mendelssohn-Geschwister. In seinem »Sommerlied« wurde die Fülle und Schönheit der von Gott so ausgewogen geschaffenen Natur dankbar besungen.

Und genau hier setzte Christoph Rollfinkes sarkastisch-kritische Betrachtung über das gesellschaftliche Leben des heutigen Menschen auf einem Campingplatz ein, in der es um das »unerträgliche Gebrüll der Vögel am frühen Morgen« geht und letztlich um’s Geld – ein krasser Gegensatz zu den Gefühlen, Gedanken und Klängen der zuvor gesungenen Lieder.

In sanfter Moll-Tonart erklang ein wahres Tongemälde von Johannes Brahms (1833 bis 1897): »Es geht ein Wehen durch den Wald«. Darin besangen die vier Interpreten weich und in sensibel gesetzten Crescendi und Descrescendi die Sehnsucht nach der getreuen Liebe. Weiter gingen die Betrachtungen Christoph Rollfinkes zu den modernen Musiksendungen und den sogenannten Superstars, die darin vor aller Fernseh-Öffentlichkeit gesucht, aussortiert, gedemütigt und gekürt werden und seinem Schluss: »Mit Musik hat das alles nichts zu tun.«

Dass das nun anschließende Stück »Vergine santa« (Heilige Jungfrau) von J. H. Breitenbach (1853 bis 1934) so unbekannt ist und fast nie gesungen wird, erstaunte den Kirchenmusiker Benedikt Meurers. In einer ausdrucksvollen Interpretation zeigten die vier Sänger wieder, mit wie viel Können und Seele sie dabei waren. Christian Rollfinkes Gedanken darüber, wie man Musiker wird und wie viele Konkurrenten den langen Weg dieser Idealisten durchkreuzen, rief wieder ein wenig in die Wirklichkeit zurück, ehe der Ohrwurm der Amerikanerin Judy Collins erklang: »Amazing Grace« in einem gekonnt geschriebenen, wunderschönen Satz von Benedikt Meurers selbst. Darin hat er die Spannungen und Gegensätze musikalisch eindrucksvoll gestaltet und lässt sie voller Harmonie enden.

Mit »Irish Blessing« klang diese wohltuende Matinee aus. Die schöne Sopranstimme von Christa Huber sang die elegische Melodiestimme voll Gefühl, ergänzt von dem warmen Alt von Teresa Ufertinger, dem wohlklingenden Tenor von Constantin Zill und dem eindrucksvollen Bass von Benedikt Meurers. Der große Applaus sprach für sich, und noch einmal erklang die erste Strophe des Mendelssohn-Bartholdy-Satzes: »O Täler weit« und die Besucher traten hinaus in die friedliche Landschaft mit Blick über grüne Wiesen, Wälder und Täler. Helga Mikosch