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Virtuosität, Temperament und Wille zur Perfektion

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Der 17-jährige Tassilo Probst lieferte mit dem Violinkonzert von Tschaikowski eine unglaubliche Leistung ab. (Foto: Janoschka)

Wenn auch ausnahmslos alle Solisten beim Abschlusskonzert des Festivals »AlpenKlassik« in Bad Reichenhall mit ihren Leistungen begeisterten, so war es auch dieses Mal wieder ein 17-jähriger Geiger, der die Zuhörer besonders in seinen Bann zog: Tassilo Probst zeigte auf seiner Geige aus dem Jahr 1690 mit dem Allegro moderato aus dem Konzert für Violine und Orchester in D-Dur, op. 35 von Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840 bis 1893) eine unglaubliche musikalische und technische Reife.


Begleitet wurden er und alle anderen Solisten von den Bad Reichenhaller Philharmonikern unter der Leitung von Professor Marcus Bosch, der ansonsten mit namhaften Orchestern weltweit arbeitet.

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Den Auftakt des Konzerts gestalteten die beiden Trompeter Julius Scholz und Valentin Annerbo mit Antonio Vivaldis (1678 bis 1741) Konzert für zwei Trompeten und Orchester in C-Dur, RV 537 mit den Sätzen Allegro, Largo und Allegro, bei denen sie mit Vivaldischem Virtuoso und gemeinsam mit den wunderbar begleitenden Philharmonikern barocke Stimmung in den Saal zauberten.

Die deutsch-französische Sängerin Julie Grutzka weckte mit der Arie der Susanna aus »Die Hochzeit des Figaro« KV 492 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) »Deh vieni, non tardar« hingebungsvoll Assoziationen an die bekannte Oper mit ihrem Verkleidungschaos. Mit gemeinsamem musikalischem Empfinden dehnte das Orchester unter dem Dirigat von Marcus Bosch die Ritardandi, zum Beispiel bei den Übergängen vom Rezitativ zur Arie. Mit beweglicher Stimmführung und kristallklarer Höhe sang die Sopranistin auch das Bravourstück für lyrischen Sopran »Je veux vivre« im Walzertakt und die Arie der Juliette aus »Roméo et Juliette« von Charles Gounod (1818 bis 1893) mit ihren kapriziös-anspruchsvollen Koloraturen.

Temperamentvoll schritt sie bereits auf die Bühne, und ebenso wirkte sie am Klavier beim Allegro des Konzerts für Klavier und Orchester Nr. 23 in A-Dur KV 488: Anna Isabelle Handler zeigte deutlich, wie sehr sie von der Musik Mozarts elektrisiert ist – bei der Orchestereinleitung dirigierte sie quasi mit ihrem Kopf mit, und beim Klavierpart wirkte sie durch ihre Körperhaltung und Mimik wie Mozart höchst persönlich, schelmisch-spitzbübisch und energiegeladen bei den perlenden Läufen und unmittelbar im Anschluss voll innerer Ruhe. Transparent und klar und mit dem besonderen Mozart-Klang dialogisierte sie mit dem Orchester.

Dieses produzierte bei Frédéric Chopins (1810 bis 1849) »Allegro maestoso« aus dem Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in e-Moll, op. 11 sofort einen »romantischen« Klang. Marcus Bosch griff erst jetzt zum Taktstock – vorher modulierte er den Klang mit seinen Händen. Mit größter Disziplin spielte Jaeyoon Lee den anspruchsvollen Klavierpart auswendig, zeigte aber kaum Empfindungen. Uneingeschränkte Freude über ihre Leistung zeigten nur der Dirigent mit seinen Orchestermusikern und die Zuhörer.

Das harmonisch und musikalisch anspruchsvolle Allegretto aus dem Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 in Es-Dur, op. 107 von Dmitrij Schostakowitsch (1906 bis 1975) spielte Jonathan Reuveni auswendig und arbeitete die Gegensätze zwischen melodiöser Linienführung und herber Doppelgriff-Disharmonik sehr gut heraus.

Wolfgang Amadeus Mozarts Allegro aus dem Klarinettenkonzert in A-Dur, KV 622 bot Anna Paulová hinreißend dar. Sie nimmt damit am ARD-Wettbewerb teil. Die Klarinettistin war vollkommen von Mozarts Musik eingenommen und während ihrer Pausen mit ihrer Aufmerksamkeit bei den Orchesterinstrumenten, die gerade »etwas zu sagen« hatten.

Den betreuenden Professoren Matthias Höfs (Trompete), Christoph Prégardien (Gesang), Pavel Gililov (Klavier), Maximilian Hornung (Violoncello), Sabine Meyer und Reiner Wehle (Klarinette), sowie Ingolf Turban (Violine) kann nur zu den Leistungen ihrer Studierenden gratuliert werden. Das Publikum war schon in der Pause hingerissen und voll des Lobes. Ein unvergessliches Konzert!

»Vor einem ausverkauften Haus geht ein ereignisreiches Festival erfolgreich zu Ende«, zeigte sich der künstlerische Leiter Professor Dr. Bernd Redmann mit dem Ergebnis der »AlpenKlassik« zufrieden. Er hatte das vielseitige und ansprechende Programm moderiert. Der Vorsitzende des Trägervereins der Bad Reichenhaller Philharmoniker, Harald Labbow, sprach allen, auch »denen im Dunkeln, die man nicht sieht«, seinen Dank aus. Brigitte Janoschka