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Virtuoser Blues ohne »erste Geige«

Zugegeben, der Bandname klingt hochtrabend. Richtig ist auch, wer sich mit solch selbstgewählter Nomenklatur auf die Bühne stellt, muss sich bewusst sein, dass die Ohren der (zahlenden) Zuhörer entsprechend kritisch sein können. Doch, so schien es von Anbeginn, die Band hat kein gering ausgeprägtes Selbstwertgefühl, im Gegenteil. Selbstbewusst stehen sie da, einige im fortgeschrittenen Alter: Schlagzeuger Tommie Harris ist im 75. Lebensjahr. Das Saxofon von Thomas Feldmann hat bereits Patina angesetzt, was aber nichts daran ändert, das der Klang, den es zu entlocken gilt, sensationell ist. Doch der Reihe nach.

Alexander Callegari (rechts) brachte den Teilnehmern die in Deutschland noch unbekannte Qi-Gong-Form des PanZi-Gong näher. (Foto: Mix)

Die First Class Blues Band gibt es seit nunmehr 21 Jahren. Christian Rannenberg (Piano, Gesang) und seine Mannen sind bekannte Größen in der Blues-Szene. Das Repertoire ist so umfangreich wie erlesen. Bunt zusammengewürfelt aus der Republik (Münster, Frankfurt, Berlin), sieht sich das bestens eingespielte Team meist erst wieder auf den Bühnen quer durch Deutschland. Proben? Nicht mehr wirklich erforderlich. First Class war das Motto.

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Während im ersten Teil noch Christian Rannenberg die einzelnen Songs »anmoderierte« rückte später der charismatische Thomas Feldmann in den Vordergrund und unterhielt das Publikum auf seine ihm eigene norddeutsche, aber sehr charmante Art.

Doch nicht nur Eloquenz war geboten. Im Vordergrund stand die Musik, der gute alte Blues. Eingängige langsame »Schwoofer«-Nummern ebenso wie rhythmusgetriebene Melodien, teils instrumental, teils mit stimmlicher Begleitung. Die perfekte Ergänzung zu Piano und Saxofon bildeten Jan Hirte (Gitarre, Gesang), Kevin DuVarnay (Bass, Gesang) und eben jener Tommie Harris an den Drums (und Gesang).

Die First Class Blues Band hat nur einen Makel: Es gibt keinen virtuosen Frontman, der im Vordergrund steht und so etwas wie die »erste Geige« spielt, nein, vielmehr ist es so, dass insgesamt fünf virtuose Musiker die Bühne im Wortsinne »beherrschen« und das Publikum unterschiedlich akzentuiert in ihren Bann ziehen.

Pianist Rannenberg auf sympathische, ruhige Art mit einem temporeichen und sehr feinfühligen Klavier, Saxofonist Feldmann charismatisch und schelmisch mit einer extremen Bandbreite an musikalischer Untermalung. Drummer Harris scheint New Orleans entsprungen, der Gesang herrlich rauchig, die Trommeln werden fast wie ein Frau behandelt, so sanft und effizient perfekt ist das Ergebnis. Gitarrist Jan Hirte weiß sich immer wieder mit kleinen Soli einzubringen, sowohl als Vorwärts-Peitscher als auch in der Improvisation – seine Stimme in »Move your hips«: einzigartig. Last but not least der scheinbar stille Mann am Bass: Kevin DuVarnay. Unglaublich präzise und in Kombination mit seinem Gesang ebenfalls vom Allerfeinsten. Die Songs, egal ob »Came back to the Blues«, »Cry for me« oder das soulige »Sweet sixteen« von B. B. King, allesamt auf höchstem, sprich First- Class-Niveau.

So kam es, wie es kommen musste. Selbst Gäste, die sich bemühten kritisch zu sein, konnten nicht einmal ein Haar auf der Saite finden, und ob jemand bemerkt hat, dass erstmals in der Staudacher Musikbühne ein Klavierhammer zu Bruch ging, mag bezweifelt werden. Kurzum: wo First Class Blues Band draufsteht ist auch First Class Musik drin. Udo Kewitsch