weather-image
18°

Vierfachmord in den Alpen: Zwei Mädchen überleben

Paris (dpa) - Drei britische Urlauber und ein französischer Radfahrer sind bei einer rätselhaften Bluttat in den Alpen erschossen worden.

Untersuchungen
Gendarmen an der Straße, an der die rätselhaften Morde geschahen: Zwei Mädchen überlebten die Tat. Foto: Salvatore Di Nolfi Foto: dpa
Abtransport
Die Gendarmerie transportierte das Auto, in dem Opfer gefunden wurden, ab. Foto: Salvatore Di Nolfi Foto: dpa
Französische Polizisten am Tatort
Ein rätselhafter Mehrfachmord in den Alpen beschäftigt die Ermittler. Foto: Norbert Falco Foto: dpa

Zwei Mädchen überlebten die Tat bei Annecy in Frankreich, ihre Eltern und die Großmutter wurden getötet - ebenso wie ein Radfahrer aus der Region, der wohl zufällig am Tatort vorbeikam.

Anzeige

Eine Vierjährige wurde erst nach knapp acht Stunden unverletzt hinten im Auto der Eltern unter den Beinen ihrer toten Mutter entdeckt, wie Staatsanwalt Eric Maillaud am Donnerstag mitteilte. Ihre etwa siebenjährige Schwester war schon am Mittwoch schwer verletzt neben den vier Leichen an einem Waldweg nahe dem See von Annecy gefunden worden. Der Motor des BMW lief noch, als ein anderer Brite die Tat entdeckte und die Polizei rief.

Die Familie aus Großbritannien urlaubte mit ihrem Caravan auf einem Campingplatz in der Nähe. Nach Informationen des britischen «Telegraph» stammt der Vater aus dem Irak, lebt aber schon seit rund 20 Jahren bei London und hat einen britischen Pass. Der 50-Jährige soll für ein Satelliten- und Weltraumunternehmen gearbeitet haben. Die Familie galt als campingbegeistert und hatte ihren Wohnwagen für den Sommerurlaub auf einem Platz bei Annecy stehen. Die Großmutter soll einen schwedischen Pass gehabt haben.

Der Hintergrund der Tat blieb zunächst völlig unklar. Die Staatsanwaltschaft vermutet einen kriminellen Hintergrund, schloss aber auch ein Familiendrama nicht aus. «Wir wissen nicht, warum die Menschen sterben mussten», sagte Chefermittler Maillaud vor der Presse in Annecy. Fest stehe, dass jemand töten wollte.

Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande sagte bei einem Besuch in London, die Behörden seines Landes würden alles in ihrer Macht stehende tun, um die Täter zu finden. Der britische Premierminister David Cameron sprach von «schrecklichen» Mördern. Auch die britische Seite tue alles, um die Hintergründe dieses tragischen Falles aufzuklären.

Alle vier Opfer wurden mit Kopfschüssen geradezu hingerichtet, wie Maillaud am Abend im Fernsehsender BFM TV präzisierte. Am Tatort wurden viele Patronenhülsen gefunden, die von einer automatischen Pistole stammen. Ein britischer Radfahrer hatte das Verbrechen entdeckt. Er arbeitete früher für die Royal Air Force und leistete bei dem schwer verletzten Mädchen Erste Hilfe.

Das erst in der Nacht zum Donnerstag entdeckte vierjährige Mädchen blieb unverletzt. Es hatte sich offensichtlich aus Angst stundenlang nicht bemerkbar gemacht und wurde erst gefunden, als Experten für Spurensicherung aus Paris eingetroffen waren. Es konnte zunächst nicht zur Aufklärung beitragen. Es habe Lärm und Schreie gehört, könne aber nicht mehr sagen, berichtete Staatsanwalt Maillaud.

Auch wenn sich der Zustand der etwa Siebenjährigen nach der Operation stabilisierte, wird sie voraussichtlich erst in den nächsten Tagen vernehmungsfähig sein. Sie lag zunächst im künstlichen Koma und musste erneut operiert werden.