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Verblüffende Leichtigkeit auf neun Saiten

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Sergey Malov: Körper, Seele und Geist im Einklang mit Musik und Streichinstrument. (Foto: Benekam)

Zum 12. Mal bietet der Chiemgauer Musikfrühling mit namhaften Musikern aus aller Welt ein überaus anspruchsvolles Programm für Liebhaber der klassischen Musik. Zur Aufführung an drei verschiedenen Veranstaltungsorten kommen bekannte Werke berühmter Komponisten.


Das zweite Konzert des Chiemgauer Musikfrühlings in der St. Walburg-Kirche des Klosters Seeon brachte Werke Johann Sebastian Bachs und des großen Belgischen Komponisten Eugene Ysayes zu Gehör. Besondere Attraktion dieses Konzerts war die selten gespielte Viola da Spalla, eine fünfsaitige Bass-Geige, die an einem Band um den Hals vor der Brust gespielt wird. Der russische Saiten-Virtuose Sergey Malov ist ein wahrer Meister dieses Instruments und trug mit verblüffender Leichtigkeit Johann Sebastian Bachs 6. Suite für Cello in D-Dur vor.

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Bachs geheimnisumwobene sechs Cellosuiten entstanden vermutlich um das Jahr 1720. Die sechste gilt als die schwierigste, sodass zunächst kaum jemand dieses Meisterwerk spielen konnte und wollte. Es war als zu anspruchsvoll und zu vertrackt verschrien. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde es vor einer breiten Öffentlichkeit vorgespielt. Bei den Zuhörern in der voll besetzten Kirche kam Bachs 6. Suite bestens an und aufgrund von Malovs herausragendem Können war dem Werk der hohe Schwierigkeitsgrad – zumindest für den Laien – kaum anzumerken. Nach Bach stand dann der große belgische Komponist Eugene Ysaye mit vier seiner sechs Sonaten für Violine Solo auf dem Programm. Ysaye hat seine sechs Sonaten berühmten zeitgenössischen Geigern wie Jacques Thibaut, George Enescu, Fritz Kreisler und Manuel Quiroga gewidmet. Das Werk, das von Malov in mehrfachem Wechsel zwischen Viola da Spalla und Violine vorgespielt wurde, stellte nicht weniger hohe technische Anforderungen an den Violinisten.

Laut eines Zitats Ysayes muss ein großer Geiger zu allererst Dichter, Denker und Mensch sein und muss Liebe, Leidenschaft und Verzweiflung gekannt haben, um Werke solcher musikalischer Genialität umsetzten zu können. Das bloße Beherrschen von Technik allein kann Kunst nicht ausmachen. Wer schon einmal in den Genuss eines Solo-Violinkonzerts kam, der weiß, dass Sergey Malovs Spiel Spitzenklasse ist. Er setzt sich mit seinem Können, seinem Ausdruck und der Leichtigkeit, mit der er auf seinen Instrumenten spielt, von jedem Mittelmaß ab und muss bei den ganz Großen seiner Kunst angesiedelt werden.

Die Worte Diana Ketlers, die eingangs als künstlerische Leiterin eine kurze Begrüßungsrede an die Zuhörer gerichtet hatte, hallten in den Ohren der Anwesenden wieder: »Es gibt Talente und es gibt Musiker – Sergey Malov ist ein Musiker«. Mit lang anhaltendem Applaus handelten die Konzertbesucher noch eine Zugabe heraus und verließen die kleine malerische Seeoner Klosterkirche mit einem unvergesslichen Konzerterlebnis. Kirsten Benekam