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Veh: Euphorie in Frankfurt statt Frust in Hamburg

Wohlfühlfaktor
Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh feiert im Mai den Wiederaufstieg in die Bundesliga. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Huub Stevens, Bruno Labbadia, Felix Magath oder Armin Veh: Nach Jahren der chaotischen Personalpolitik ist der Hamburger SV mittlerweile soweit, dass er in der Fußball-Bundesliga ständig auf einen Ex- oder Beinahe-Trainer wie Jürgen Klopp trifft.


Die meisten von ihnen sind bei ihren aktuellen Vereinen deutlich erfolgreicher als sie es beim HSV jemals waren oder wahrscheinlich hätten sein können. Armin Veh ist dazu bei Eintracht Frankfurt noch wesentlich glücklicher, entspannter und vor allem einflussreicher als zu seiner Hamburger Zeit.

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Es sind ausnahmslos seine Wunschspieler, die ihm beim Aufsteiger gerade seinen Wunsch vom offensiven Fußball erfüllen. Und so steht Vehs neuer Verein vor dem direkten Duell am Sonntag 6 Punkte und 13 Tabellenplätze vor dem alten. «Wenn wir jetzt auch noch gegen den Hamburger SV gewinnen, wäre das ein Riesensprung», sagte der 51-Jährige stolz.

Neben dem HSV und der Eintracht hat Veh in seiner langen Karriere schon sechs andere Vereine trainiert. Es gibt in der Bundesliga kaum einen Coach, der unabhängiger denkt und undiplomatischer redet als der gebürtige Augsburger. Als er im März 2011 in Hamburg seinen Abschied ankündigte, sagte er resigniert: «So etwas wie hier habe ich noch nie erlebt. So kann man nicht arbeiten. Es geht beim HSV nicht mehr um Fußball.» Fünf Tage und eine 0:6-Packung beim FC Bayern München später war er seinen Job los.

Gut anderthalb Jahre später erleben die Beobachter in Frankfurt einen anderen Veh: aufgeräumt, motiviert - aber immer noch genauso authentisch. «Uns soll niemand erzählen, wir seien gegen Hamburg Favorit», meinte er trotz der Siege gegen Hoffenheim (4:0) und Leverkusen (2:1). Allein von dem Geld, das der HSV für seine drei jüngsten Neueinkäufe Rafael van der Vaart, Petr Jiracek und Milan Badelj ausgegeben habe, «können wir bei der Eintracht unsere gesamte Mannschaft plus Trainerstab bezahlen». Wer will, kann da noch immer ein wenig Groll auf seinen Ex-Club heraushören. Tatsächlich aber liegt Veh mit dieser Aussage ziemlich nah an der Realität.

Auch die jüngste Entwicklung der Frankfurter ist zu einem großen Teil sein Verdienst. Der frühere Meistermacher des VfB Stuttgart führte die Eintracht in der vergangenen Saison unter großen Kraftanstrengungen zurück in die Bundesliga. Im Sommer drängte er den Verein dann dazu, noch einmal zehn neue Spieler zu verpflichten, um der Mannschaft a) von der Altersstruktur her eine Perspektive zu geben und sie b) in die Lage zu versetzen, schnellen, technisch anspruchsvollen und attraktiven Offensivfußball zu spielen.

«In diesem Jahr geht es nur um den Klassenerhalt», betont Veh. «Aber den wollen wir auf diese spielerische Art erreichen.» Diese Philosophie hat in Frankfurt alle mitgerissen in den vergangenen Wochen: Die Fans, die für das HSV-Spiel bereits über 50 000 Karten gekauft haben. Den Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen, der über Veh sagt: «Er hat die Spieler einfach besser gemacht.»

Auch die Profis selbst sehen das so. «Wir sind alle fit und haben eine Idee, wie wir spielen wollen», sagte Kapitän Pirmin Schwegler der «Frankfurter Rundschau». «Wir werden diesen Weg auch weiter verfolgen, sollte es mal einen Rückschlag geben.» Den hat Veh längst einkalkuliert. «Irgendwann kriegen wir mal einen auf die Mütze», sagt er. Aber damit kennt er sich seit seiner Zeit in Hamburg ja aus.