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US-Wahlkampf läuft nach «Sandy» wieder auf Hochtouren

«Sandy» gilt als große Chance für Barack Obama. Unverhofft verschafft ihm der Sturm die Möglichkeit, sich als zupackender Commander-in-Chief in Szene zu setzen. Doch bringt ihm das wirklich Stimmen?

Washington (dpa) - Kurz vor der US-Präsidentenwahl verdrängt der Kampf zwischen Amtsinhaber Barack Obama und Herausforderer Mitt Romney den Sturm «Sandy» wieder aus den Schlagzeilen. Romney beendete am Mittwoch den von der Naturkatastrophe bedingten «Waffenstillstand», um drei Wahlkampfveranstaltungen im wichtigen Swing-State Florida abzuhalten. Obama dagegen wollte die besonders schwer getroffenen Überschwemmungsgebiete im Bundesstaat New Jersey besuchen. Er kündigte an, am Donnerstag dann bei politischen Kundgebungen in Wisconsin, Nevada und Colorado aufzutreten.

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Romney plante nach Angaben seines Wahlkampfbüros am Mittwoch Auftritte in Tampa, Jacksonville und Coral Gables. Er tritt in Florida auch gemeinsam mit dem bei Latinos besonders beliebten Senator Marco Rubio auf. Florida gilt als einer der Staaten, in denen das Ergebnis noch völlig offen ist. Umfragen zufolge liegen Obama und Romney dort nahezu gleichauf. Im möglicherweise wahlentscheidenden Staat Ohio dagegen liegt der Präsident laut einer am Mittwoch veröffentlichten Erhebung des TV-Senders CBS und der Zeitung «New York Times» weiter fünf Prozentpunkte vor Romney.

Obama wollte am Mittwochnachmittag (Ortszeit) die vom Unwetter schwer getroffene Stadt Atlantic City besuchen und sich dort ein Bild der Zerstörungen machen. Der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, sei dabei an seiner Seite, teilte das Weiße Haus mit. Der Republikaner und Romney-Anhänger hatte mit einem großen Lob für Obamas Krisenmanagement für Aufsehen gesorgt. Auf Fragen, ob solche Worte nicht den Wahlkampf beeinflussen könnten, meinte er: «Ich kümmere mich einen Dreck um den Wahlkampf.»

Obama zeigt sich - wie schon nach anderen Katastrophen - als besorgter Landesvater und präsentiert sich zugleich als zupackender Krisenmanager. Am Dienstagabend etwa sprach er mit Chefs von Energieunternehmen, um Druck zu machen, dass Millionen von Amerikanern bald wieder Strom haben. Die Wiederherstellung der Stromversorgung habe oberste Priorität, betonte Obama nach Angaben des Weißen Hauses.

Ob die Sturmkatastrophe tatsächlich Einfluss auf das Wahlergebnis am 6. November haben wird, darüber herrscht unter US-Politikexperten weiter Uneinigkeit.

In Deutschland weckt Obamas Visite in New Jersey Erinnerungen an den Besuch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) beim Jahrhunderthochwasser 2002 an Oder und Elbe. Es hieß, Schröders entschlossenes Auftreten habe ihm damals möglicherweise entscheidende Stimmen zum Sieg im Bundestagswahlkampf verschafft.

Politikberater Michael Spreng, der damals den Wahlkampf von Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber managte, zieht Parallelen zur Situation damals: «Schröder und die SPD lagen hinter Stoiber zurück. Dann kam die Flut und Schröder nutzte die Chance. Er war mit Gummistiefeln auf den Deichen. (...) Er hat sich als Krisenmanager bewährt und hervorragend inszeniert. Und da war mir klar: Jetzt wird es schwer», sagte Spreng der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Umfrage von CBS und der «New York Times»