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USA bereiten angeblich direkte Gespräche mit Iran vor

Washington (dpa) - Die Krise im Irak bringt offenbar zwei Erzfeinde näher zusammen. Wie das «Wall Street Journal» in der Nacht zum Montag berichtete, bereitet die US-Regierung direkte Gespräche mit dem Iran vor.

Freiwillige
Irakische Schiiten melden sich freiwillig für den Kampf gegen die Islamisten. Foto: Alaa Al-Shemaree Foto: dpa

Dabei solle es um die Sicherheitslage im Irak und Wege zur Vertreibung der Sunnitenmiliz Isis gehen, sagten hochrangige US-Vertreter der Zeitung.

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Die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hatte in den vergangenen Tagen Teile des Iraks unter ihre Kontrolle gebracht. Die radikalen Islamisten gingen dabei äußerst brutal vor. Die Armee startete nach eigenen Angaben am Wochenende eine Gegenoffensive.

Wie das «Wall Street Journal» weiter berichtete, wird mit dem Beginn der direkten Gespräche noch in dieser Woche gerechnet. Unklar sei allerdings noch, über welche diplomatischen Kanäle sich die US-Regierung mit Teheran austauschen wolle. Einen Anlass könnten die Atomverhandlungen mit der Islamischen Republik bieten, die am Montag in der österreichischen Hauptstadt Wien beginnen.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte sich zuvor offen für eine Zusammenarbeit mit den USA im Kampf gegen die Isis gezeigt. Allerdings müsse die Initiative von den Amerikanern ausgehen.

Zwischen Washington und Teheran hatte unter anderem wegen des Atomstreits jahrelang eine Eiszeit geherrscht. Zuletzt gab es aber dort bereits eine Annäherung.

Die Gebietseroberungen der radikalislamischen Milizen im Irak und in Syrien alarmieren nicht nur die USA. Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen will am Montag in Ankara mit dem türkischen Außenminister Ahmed Davutoglu die Bedrohungslage besprechen.

Das Nato-Land Türkei grenzt sowohl an Syrien als auch an den Irak. Alle drei Länder haben zudem eine nach Autonomie strebende kurdische Minderheit, und die Türkei befürchtet ein Übergreifen der Konflikte. Die USA haben wegen der Erfolge der sunnitischen Islamisten einen Flottenverband um den Flugzeugträger «George H.W. Bush» in den Persischen Golf entsandt.

Wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte, werden zudem die Sicherheitsvorkehrungen an der Botschaft in Bagdad erhöht. Zugleich werden einige Mitarbeiter der Vertretung vorübergehend abgezogen.

Anfang der Woche hatten Isis-Kämpfer von Mossul, der zweitgrößten Stadt des Iraks, aus einen Vorstoß Richtung Bagdad unternommen. Soldaten, Freiwillige und kurdische Peschmerga-Truppen schlugen sie inzwischen gebietsweise zurück.

Einem «Guardian»-Bericht fielen den irakischen Truppen dabei mehr als 160 Speichersticks der Islamistenmiliz mit hoch brisanten Informationen in die Hände. Darunter seien Namen und Kriegsnamen aller ausländischen Isis-Kämpfer, von Isis-Anführern, Codewörter, die Initialen von Informanten in Ministerien sowie die kompletten Finanzdaten der Organisation. «Wir waren alle verblüfft, und die Amerikaner auch», sagte ein Geheimdienstoffizier der britischen Zeitung (Onlineausgabe).

In den Besitz der Daten gelangten die irakischen Streitkräfte dem Bericht zufolge bereits vor dem Fall Mossuls. Zwei Tage vor der Isis-Offensive habe ein Kurier des Isis-Kommandeurs Abdulrahman al-Bilawi im Dauerverhör den Namen seines Chefs gestanden. Wenige Stunden später sei Al-Bilawi tot gewesen. In seinem Haus und bei seinem Kurier seien die Datenträger sichergestellt worden. Ihre Auswertung - unter anderem durch CIA-Agenten - sei noch im Gange.

Seit der Eroberung Mossul verfügt die Isis demnach zudem über Milliardenwerte. «Vor Mossul betrugen ihr gesamtes Bargeld und Anlagen 875 Millionen Dollar», sagte der Informant. «Danach, mit dem Geld, das sie in Banken geraubt haben und dem Wert der militärischen Versorgungsgüter, die sie geplündert haben, konnten sie weitere 1,5 Milliarden Dollar dazu addieren.»

Wall Street Journal-Bericht

Analyse: Das Vorrücken der Isis, Foreign Policy

Analyse: Irak im historische Kontext, Middle East Institute