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Von Judas Priest bis One Direction: Traunsteiner Gitarrenschüler gaben Rockklassiker und Popsongs zum Besten

Unwiderstehlich, sentimental, satanisch

»Keine Kunst wirkt auf den Menschen so unmittelbar, so tief, wie die Musik ...«, wusste Arthur Schopenhauer schon vor rund 200 Jahren. Der Philosoph hätte seine wahre Freude gehabt am Abschlusskonzert der Gitarrenschüler von Alfred Schillmeier von der Musikschule Traunstein. Mit immensem Eifer, großer Leidenschaft und bemerkenswerter Musikalität boten die kleinen und großen Interpreten unwiderstehliche Rockklassiker und mitreißende Popsongs dar.

Der Titel der Veranstaltung »Canario XIV b« wies darauf hin, dass bereits das 14. Konzert dieser Art stattfand. Mit dem gefälligen Dolly-Parton-Hit »Jolene« als Instrumentalstück für fünf Konzert-, zwei Akustik- und eine E-Gitarre starteten die Musikschüler nach der knapp gehaltenen Begrüßung (es ging ja schließlich auch um die Musik und nicht um die Rhetorik) von Alfred Schillmeier ihr musikalisches Feuerwerk.

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Eine bemerkenswerte Gesangstimme – obwohl sie keinen Unterricht nimmt – offenbarte Ramona Mühlbacher, die das galante »Impossible« von James Arthur vortrug. Dem standen Michaela Einöder und Franziska Brunnauer mit ihrer ausdrucksstarken Akustikversion von Adéles mitreißendem »Rolling in the deep« in nichts nach.

Bevor sieben junge Damen das spritzige »Story of my life« von One Direction – der »Über-Boyband des Jahrzehnts«, wie eine große deutsche Zeitung die Gruppe betitelt hat – anstimmten, waren kurze Umbauten nötig. Rührend war Alfred Schillmeier um seine Schützlinge bemüht, positionierte Mikrofone, stimmte die Instrumente und korrigierte die Gitarrenschemel, damit die Musikerinnen auch korrekt ihre Gitarren auf dem Schoß hielten. Dann blickten sieben Augenpaare gebannt auf ihren Lehrer, der kopfnickend einen Takt vorgab, ehe die Mädchen mit ihrem Spiel einsetzten.

Ganz konzentriert gaben sieben kleine Gitarristinnen anschließend das sentimentale »My heart will go on« von Celine Dion aus dem Hollywood-Film »Titanic« zum Besten. Danach war es allerdings vorbei mit der Romantik. Zu dem kraftvollen Gesang von Veronika Steinberger – ebenfalls eine Naturbegabung – schlugen sieben Jung-Rocker die eingängigen Gitarrenriffs des Deep-Purple-Klassikers »Smoke on the water« auf ihre Sechssaiter. Herrlich mitanzusehen, wie begeistert die »Mini-Blackmores« bei der Sache waren, obwohl der Song schon mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat. Es bewies aber auch wieder einmal eindringlich: Wenn Musik gut ist, bleibt sie ewig jung ...

Noch opulenter war der Auftritt des zweiten E-Gitarren-Ensembles mit etwas älteren Schülern, die das fast schon satanisch klingende »Breaking the law« der Heavy-Metall-Band Judas Priest einstudiert hatten. Variantenreiche Powerchords harmonierten perfekt mit tiefer gestimmten Gitarren und ließen es vor der Pause, in der die Mütter der Musikschüler mit einem kalten Buffet verwöhnten, ordentlich krachen.

Ganz im Zeichen des Gesangs stand der zweite Teil des Konzerts. Ramona Mühlbacher und Veronika Steinberger beeindruckten mit ihrem gefühlvollen, zweistimmigen Gesang bei der anmutigen Ballade »Dust in the wind« von Kansas und dem rührenden »I see fire« von Schmusesänger Ed Sheeran. Mit facettenreichen, ausdrucksstarken Stimmen und perfekter Intonation gaben ferner Melanie Ring und Sophia Riedmaier von der Musikschule Prien Kostproben ihres gesanglichen Könnens.

Noch einmal ordentlich in die Saiten gehauen wurde bei der Instrumentalsession des Songs »Sail« der Indie-Rockband Alwonation, bei der jeder Schüler einen kleinen Solopart auf seiner E-Gitarre übernehmen durfte. Den Schlusspunkt setzte das launige »What have they done to my song?« von Folkrock-Legende Melanie mit dem dynamischen Gesang von Ramona Mühlbacher, begleitet von Alfred Schillmeier und einem Gitarrenschüler. Das begeisterte Publikum belohnte die Darbietungen mit lang anhaltendem Applaus und erklatschte sich drei Zugaben.

Auf keinen Fall unerwähnt bleiben darf die Band »No Goods« mit Peter Pichler an den Tasten, Tschinge Krenn am Kontrabass und Percussionist Jan Kahlert. Den drei unkonvetionellen Profimusikern, die auch an den Münchner Kammerspielen tätig sind, war die unbändige Freude am Musizieren ebenso deutlich anzumerken wie allen anderen Teilnehmern des durchwegs gelungenen Konzertabends. mia