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Der Engerlingsbefall macht den Beteiligten zu schaffen (v.l.): Gisela Sengl, Hermann Pichler, Eva und Wolfgang Simon, Ortsbauer Martin Holzner sen., Georg Linner, Alfons Leitenbacher. (Foto: Bauregger)

Berchtesgadener Land – Nach Ministerin Michaela Kaniber machte sich auch Gisela Sengl, Agrarpolitische Sprecherin von Bündnis90 / Die Grünen im Bayerischen Landtag, ein Bild von der Engerlingsplage am Jochberg in der Gemeinde Schneizlreuth. Da sie als Oppositionspolitikerin die erforderlichen Maßnahmen im Landtag nicht direkt mit beeinflussen kann, will sie die Bauern hier und im Ortsteil Ristfeucht über Anfragen und Nachfragen im Plenum oder Berichtsanträgen für den Agrarausschuss unterstützen.

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Sichtlich betroffen ließen sich Gisela Sengl und die Sprecherin des Kreisvorstands der Grünen im Landkreis Traunstein, Regina Reiter, die Historie bis zum jetzigen katastrophalen Zustand der Wiesen schildern. Für die Schilderungen stellten sich der Leiter des AELF Traunstein Alfons Leitenbacher, dessen Sachbearbeiter Georg Linner, Bürgermeister Wolfgang Simon, Ortsbauer Martin Holzner sowie weitere Betroffene in den Dienst. Auch wunderte sich Sengl, dass es überhaupt zu diesen Schäden kommen konnte. Ihr stelle sich die Frage, ob hier zu wenig Druck hinter den Bemühungen stand und Maßnahmen zu spät angeordnet wurden. Dem werde sie auf alle Fälle nachgehen.

Wie Alfons Leitenbacher informierte, ist die Befallsfläche auf nun 58 Hektar angewachsen, da auch Felder des Gruberbauern in Weißbach dazugekommen sind. Das Problem hier seien in erster Linie die steilen Wiesen, die nach einer massiven Schädigung im heurigen Jahr nicht einfach gefräst werden können wie auf flacheren Wiesen. Zudem sei die Grasnarbe an einigen Steilflächen bis auf den Humus komplett kahl gefressen, wodurch erste Erosionsereignisse entstanden wären.

Pilzgerste als Bekämpfungsmittel

Als Bekämpfungsmittel soll nun Pilzgerste ausgebracht werden, für die es seit kurzem eine Notfallfreigabe gebe. Vor einer notwendigen Notfallanordnung müssen nun noch mit den Bauern das Prozedere und die Flächen festgelegt werden, da auch Quelleinzugsgebiete betroffen seien. Er plädierte dafür, zu allererst die Pilzgerste einzusetzen, die Wirkung zu beobachten und danach weitere Schritte zu besprechen.

Zum Stand einer notwendigen Verbauung der am stärksten von Erosion gefährdeten Steilhänge mit Schutznetzen wusste er noch nichts. Zur erwarteten Kostenexplosion merkte Alfons Leitenbacher an, dass grundsätzlich nicht alles der Staat zahlen werde. Georg Linner informierte, dass alle Bauern zwischenzeitlich die lange geforderten Genehmigungen zum Umbruch, sprich Fräsen der Befallsflächen, und zum Einsatz von Mineraldünger bei der Nachsaat von Grassamenmischungen, erhalten haben.

Wenn gefräst werde, müsse man seiner Ansicht nach aber nicht intensiv düngen, da dabei ohnehin viel Stickstoff freigesetzt werde und dieser sich auch im Boden abspeichere. Für das Fräsen hätten zumindest die ökologisch wirtschaftenden Betriebe ohnehin keine Genehmigung gebraucht, ergänzte Linner. Bürgermeister Wolfgang Simon forderte erneut schnelle Unterstützung, um sowohl die Landwirtschaft als auch die wertvolle Kulturlandschaft hier am Jochberg erhalten zu können. Wichtig sei es auch, das langfristige Vorgehen nicht aus den Augen zu verlieren und zu besprechen. Angesprochen auf die bereits diskutierte Bekämpfung mit Insektiziden aus der Luft, wenn die Engerlinge in zwei Jahren als Maikäfer ausfliegen, sagte Sengl, dass man in dieser extremen und bedrohlichen Situation zumindest über alle Möglichkeiten diskutieren müsse. Es gebe auch biologische Mittel, die man mit einer Sondergenehmigung einsetzen könnte, ohne sofort auf »Giftkeulen« zurückgreifen zu müssen.

Enttäuschung und Verärgerung

Regina Reiter regte an, besonders erosionsgefährdete Flächen auch mit Gehölzstreifen zu sichern. Zumindest sollte man diese Möglichkeit nicht ganz außer Acht lassen. Die Betroffenen reagierten eher abweisend.

Enttäuscht und verärgert teilte die Eckartbäuerin Vroni Kecht mit, dass bei fast allen Besprechungen Behördenvertreter den Bauern vorgeworfen haben, die Bauern hätten selber zu wenig gegen die Schäden unternommen. Dies sei schlichtweg falsch und unfair ihnen gegenüber. Alle Betroffenen hätten nämlich durch intensivere Beweidung, auch auf reinen Mähflächen, versucht, die Engerlinge zu dezimieren und die Schadflächen zu begrünen. Durch die Bearbeitung der Flächen mit der Egge und durch ständige Nachsaat seien für jeden Kosten in Höhe von einigen Tausend Euro entstanden. Angesichts der Masse von Engerlingen und deren enorme Fresswut sei der Kampf aber nicht zu gewinnen gewesen. Dies konnten die übrigen Betroffenen und der Ortsbauer Martin Holzner nur bestätigen.

Ludwig Hinterseer zeigte sich entrüstet, dass vermutlich »Kontrolleure« des Gesundheitsamts, ohne Anmeldung und ohne Information der Grundstücksbesitzer, offenbar die Quelleinzugsgebiete inspiziert haben. Auch dies sei nicht unbedingt ein Zeichen der Wertschätzung und kein akzeptables Verhalten gegenüber den Grundstücksbesitzern. Kürzlich trafen sich nun im Landwirtschaftsministerium alle mit der Situation befassten Behördenvertreter, um weitere notwendige Schritte festzulegen und die Notfallanordnung zum Einsatz der Pilzgerste auf den Weg zu bringen. Werner Bauregger