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Unter dem Himmel von Paris

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In die Welt der Chansons entführten im k1 (von links) Maria Bittel am Klavier, Friederike Duetsch (Gesang) und Madeleine Kern, die neben der Moderation auch eine Gesangseinlage übernahm. (Foto: Heel)

Vor wenigen Monaten ist mit Charles Aznavour (94) der letzte große Altmeister des französischen Chansons für immer von der Bühne abgetreten. Jetzt weilt nur noch Juliette Gréco unter uns, mit Jahrgang 1927 allerdings auch nicht mehr die Jüngste. Im Verein mit Sängern wie Charles Trenet, Jacques Brel, Georges Brassens, Edith Piaf, Dalida oder Mireille Mathieu, um nur einige zu nennen, haben sie das klassische Chanson geprägt.


So gesehen war es ein glänzender Einfall von Friederike Duetsch (Gesang) und Maria Bittel (Klavier), ihr Konzert im k1 von Madeleine Kern, einer gebürtigen Französin, moderieren zu lassen. Denn Frau Kern übersetzte die Texte nicht nur, sondern erläuterte sie auch auf sehr charmante Weise, beleuchtete Hintergründe und stellte Zusammenhänge her. So war das Publikum im ausverkauften Studiotheater immer ausreichend informiert und konnte sich voll und ganz auf die Darbietung der beiden Künstlerinnen konzentrieren, die in Traunstein leben und seit 2001 zahlreiche literarisch-musikalische Programme entwickelt und aufgeführt haben, wobei sich der Bogen von Hugo Wolfs »Italienischem Liederbuch« über Eichendorff-Vertonungen und Liederabende wie »Von Hexen und Nixen« spannte. 2011 wagten sie dann den Schritt zum Chanson, und das mit großem Erfolg, wie ihr erstes Programm »Frauen sind keine Engel« bewies.

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Mit ihrem Programm »Chanson française« haben Duetsch und Bittel diesen Kurs nun konsequent weiterentwickelt, auch wenn die Auswahl der Lieder, nach einem ersten Blick ins Programmheft, manche Besucher vielleicht irritiert hat. Denn es waren hauptsächlich eher weniger bekannte Chansons wie »Paris canaille« (Léo Ferré) oder »Coin de rue« (Charles Trenet), die dort angekündigt waren. Umso größer war die Freude, als sich herausstellte, dass alle Lieder unbedingt hörenswert waren. Zumal sie von Friederike Duetsch so interpretiert wurden, wie es ihnen zukam, mal leicht und beschwingt, mal eher getragen und melancholisch. Oder brennend intensiv (und ohne Begleitung) wie bei »Le déserteur«, nach einem Text von Boris Vian, in dem ein Soldat in einem Brief an den Herrn Präsidenten dazu auffordert, den Militärdienst zu verweigern.

Ein Chanson, das an diesem Abend nicht fehlen durfte, war natürlich Jacques Brels »Ne me quitte pas«, kein Liebeslied, wie Madeleine Kern dazu erklärte, sondern eine »Hymne an die Schwäche der Männer.« Und natürlich war auch Edith Piaf vertreten, und zwar mit »Padam«, einem Lied, das aufgrund seiner gefühlsbetonten Dramatik auch heute noch bei vielen Sängerinnen beliebt ist. Etwa bei der Nouvelle-Chanson-Sängerin Zaz, die als neue Piaf gilt. Mit ihrem Lied »Je veux« versprühte Friederike Duetsch gegen Ende des Konzerts nochmals derart gute Laune, dass man sich um die Zukunft des Chansons (und dem weiteren Schaffen des Duos Duetsch/Bittel) keine Sorgen machen muss. Wolfgang Schweiger