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»Unsere Veranstaltung ist keine Tierquälerei«

Ramsau – Der Fischereiverein Berchtesgaden-Königssee zeigt sich überrascht von der öffentlichen Klage der Tierrechtsorganisation »PETA«. Die Organisation hat den Fischereiverein kürzlich wegen Tierquälerei beim Roberto-Gedächtnisfischen angezeigt (wir berichteten). Auslöser der Anzeige war ein anonymer Hinweisbrief aus dem Talkessel. »Es ist schade, dass PETA nicht zuerst bei uns nachgefragt hat«, sagt Vorsitzender Siegfried Lenz.

Wollen sich das Roberto-Gedächtnisfischen nicht verbieten lassen: die Mitglieder des Fischereivereins Berchtesgaden-Königssee. Foto: Anzeiger-Archiv/Wechslinger

Für den Vorsitzenden steht ebenfalls fest: »Dass PETA nichts vom Oberbayerischen Fischereitag am Wochenende gewusst haben will, ist für eine solche große Tierrechtsorganisation weder nachvollziehbar noch glaubhaft.« Insgesamt ist sich der Fischereiverein keiner Schuld bewusst, setzt sich aber trotzdem mit den erhobenen Vorwürfen und Verdächtigungen auseinander. Den Verdacht auf Tierquälerei weisen die Verantwortlichen mit aller Deutlichkeit zurück.

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Der Namensgeber der Veranstaltung, Roberto Pawliczek, war Mitglied des Fischereivereins. Er hatte im März 1968 am Wolfgangsee beim Angeln einem anderen Fischer unter widrigsten Bedingungen das Leben gerettet. Er ist dabei unmittelbar danach auf tragische Weise verstorben. Der Fischereiverein entschloss sich daraufhin, zu seinem Andenken fortan ein Gedächtnisfischen im April durchzuführen. Die Familie Pawliczek hat dazu einen Krug als Erinnerungsgabe zur jährlichen Vergabe gestiftet. Der Saiblingspreis wurde in den späteren Jahren von einem Mitglied gestiftet. Für Vorsitzenden Siegfried Lenz steht fest: »Das ehrenvolle Gedenken an Roberto Pawliczek aus unserem Fischereiverein und die Umstände seines uneigennützigen Todes stehen im Mittelpunkt des Gemeinschaftsfischens seit über 42 Jahren. Diese Traditionsveranstaltung dient auch der sozialen Bindung im Verein und war jahrelang das erste Fischen im Jahr.« Ein sportlicher Gedanke komme bei diesem Hintergrund nicht auf. Die Ermittlung der Fangübersicht werde in erster Linie zur Hege und Bewertung durch die Gewässerwarte benötigt. Eine Ergebnisliste werde daher auch den Mitgliedern gegenüber nicht veröffentlicht.

Auch betont Lenz, dass im Rahmen der geltenden Fischereiordnung alle gefangenen Fische über dem Schonmaß unter Beachtung des Tierschutzgesetzes sofort waidgerecht getötet und später von Menschen gegessen würden. »Ein Hältern in Setzkeschern ist genauso verboten wie das Anfüttern der Fische«, stellt der Vorsitzende klar.

Schonhaken ohne Widerhaken

Weitestgehend werde mit Schonhaken ohne Widerhaken gefischt, um das schonende Zurücksetzen gefangener, kleinerer Fische zu ermöglichen. »Damit gibt es eine klare Abgrenzung zu den verbotenen Wettfischen, die durch einen Wettbewerbscharakter und entsprechende Anreize geprägt sind«, so Siegfried Lenz.

Erfüllung der Hegepflicht

Das traditionelle Roberto-Gedächtnisfischen stehe laut 2. Vorsitzenden Hans Pastötter im Einklang mit Paragraf zehn der Ausführungsverordnung des Bayerischen Fischereigesetzes, nach welchem Gemeinschaftsfischen mit abschließender Wertung der Fangergebnisse nur im Rahmen traditioneller Veranstaltungen und zur Erfüllung der Hegepflicht im Fanggewässer zulässig sind.

Der Vorstand des Fischereivereines sieht dem Ermittlungsverfahren insgesamt gelassen entgegen und stellt sich die Frage, warum »PETA« nicht bei der nachweislichen Tierquälerei und Schädigung im Zusammenhang von Kleinfischen und Wasserkraftwerken in bisher unverbauten Flussabschnitten mit dem gleichen Engagement unterstützt. Schließlich gehe es dabei um permanente und nachhaltige Schädigungen der Fischpopulation. Christian Fischer