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Ungeheure Vielfalt an Ideen und Techniken

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Jutta Mayrs »Tagtraggewicht« (von links), neben Herbert Stahls »Cry 2«, Gertrud Kaisers »Mein Tag« und Ulla Sünderhaufs »Bedrohung«. (Foto: Giesen)

Nachdem die Frühjahrsausstellung des Kunstvereins heuer wegen Terminschwierigkeiten einmal verschoben werden musste, ist nun einige Wochen später eine außerordentlich sehenswerte Schau in der Alten Wache entstanden. 72 Künstler des Kunstvereins Traunstein zeigen eine ungeheure Fülle an Ideen und interessanten Arbeiten zum Thema »Ein Tag im Leben von ...«. Dabei werden interessante Selbstaussagen des jeweiligen Künstlers getroffen, was ihn bewegt, antreibt oder womit er sich beschäftigt.


Dem begrenzten Raum der Alten Wache geschuldet weisen die meisten Arbeiten ein vertikales Format auf. Auch Grundriss und Höhe der Skulpturen waren begrenzt. Das weit gefasste Thema der Ausstellung beflügelte offensichtlich die Fantasie der Künstler, denn fast alle Kunstwerke sind eigens für diese nicht jurierte Ausstellung – ausschließlich für Mitglieder des Kunstvereins – neu entstanden.

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Die Künstler gehen das Thema sehr konkret und persönlich an

Viele Künstler gehen das Thema sehr konkret und persönlich an, indem sie einen Tag in ihrem Leben – 24 Stunden – ins Bild bringen. So zeichnete zum Beispiel Monika Rackl eindrucksvoll einen bestimmten Tag auf Futterseide und in mehreren Lagen darunter dokumentieren viele kleine Fotografien – manchmal in aufeinanderfolgenden Momentaufnahmen – diesen Tag genau. »Mein Tag« heißt die beachtliche Tuschezeichnung in zehn Blättern von Willee Regensburger mit bearbeiteter Vorder- und Rückseite oder eine besondere Fotocollage von Rudi Pflügl.

Eine einzige Fotografie in schwarz/weiß von einer Beerdigung markiert einen »Tag im Leben des Jürgen von Kruedener«. Mit den Mitteln der Malerei auf Papier und Stoff eines indischen Sari ist die Malerin und Obertonsängerin Claudiha-Gayatri Matussek das Thema angegangen. Dabei hat sie ein 2,40 Meter langes, in verschiedenen Farbtönen schillerndes Bild gestaltet, auf dem nicht nur die 24 Stunden eines Tages, sondern auch die jeweils 60 Minuten einer Stunde ins Bild gebracht werden, angereichert durch Musiknoten.

Viele Künstler befassen sich aber auch mit aktuellen zeitge-schichtlichen Themen, die sie nicht loslassen. Bei mehreren steht das Schicksal der Flüchtlinge im Fokus, wie bei Herbert Stahl. In seiner eindringlichen Arbeit mit fast 400 abgebrannten Teelichtern und Kopien von Edvard Munchs » Schrei«, »Cry 2«, hinter einer Gitterfolie drückt er die verzweifelte Situation der Flüchtlinge aus. Frank Vogel nennt sein kleines Aquarell »Ich denke immer an die Kinder in Syrien«. Auch der amerikanische Präsident wird mehrfach thematisiert, so bei der einfallsreichen Frottage »Getrumpel« von Anna Kirsch.

Als bewusster, ständiger Störfaktor präsentiert sich akustisch die »Cloud« von Cosima Strähhuber: aus einem Objekt aus Draht, Minilautsprechern und Elektrobauteilen dringen ohne Unterbrechung pfeifende und knarzende Geräusche, sodass der Besucher unweigerlich an die ihn überall umgebende Elektronik und den dazugehörigen Schrott erinnert wird.

Unglaublich vielfältig sind die Möglichkeiten sowohl was die unterschiedlichen Techniken als auch die Inhalte betrifft. Unter den Zeichnungen unterschiedlichster Art mit klassischem Bleistift, Kohle, Bunt- oder Filzstift sei die ungewöhnliche grafische Arbeit »Konzept« von Monika Klinkenberg-Weigel hervorgehoben: Auf Papier hat sie einen Teil der von ihr ins Plattdeutsche übersetzten »Weihnachtsgeschichte« von Charles Dickens geschrieben und illustriert. Beachtenswert ist auch das grafisch gestaltete »Manifest zur Abschaffung des Eigentums« oder »Weg mit der Kohle« von Uli Reiter.

Besondere Drucke für verschiedene Themen

Besondere Drucke sind zum Beispiel Karl-Heinz Hausers Tetraprint auf Leinen, der eine Rose in ihren verschiedenen Stadien vom Aufblühen bis zum Welken zeigt. Dagegen thematisiert Helmut Mühlbacher mehrdeutig den Kulturbetrieb mit seinen auf Plastikbeutel gedrucktem »Kulturbeutel«.

Auch bei den Plastiken und Skulpturen gibt es eine Fülle an unterschiedlichen Materialien und Themen. Da sind zwei kleine, karbonierte Holzskulpturen »Drehendes Feldkreuz« von Franz Xaver Angerer zu finden oder Maria Freutsmiedls lebenslustige »Schwangere Frau« aus Papiermaché mit Acryl bemalt.

Trotz der vielen, völlig unterschiedlichen Exponate ist es dem Hängeteam gelungen, eine geordnete, beinahe einheitliche Präsentation zu schaffen. Die reizvolle Ausstellung in der Alten Wache im Rathaus in Traunstein ist bis Sonntag, 28. Mai, montags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie am Samstag und Sonntag von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Christiane Giesen