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Unendliche Geschichte: USA erwägen erneuten Einsatz im Irak

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George W. Bush
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George W. Bush 2003 bei einem legendären Auftritt an Bord der USS Abraham Lincoln: Hier verkündete er, die Irak-Mission sei erfüllt. Foto: US Navy Tyler J. Clements/Archiv Foto: dpa

Washington (dpa) - Tausende Amerikaner sitzen noch im Irak, während Isis-Kämpfer den Norden einnehmen. Präsident Barack Obama steht vor einer schwierigen Entscheidung. Will er das Kapitel Irak noch einmal aufschlagen?


»Der Abzug der US-Truppen aus dem Irak ist abgeschlossen.« Diese historische Schlagzeile vom Dezember 2011 hatte Obama als ganz persönlichen Erfolg verbucht: Die Soldaten hätten ihre Mission erfüllt, verkündete er damals in einem ABC-Interview, indem sie den Irakern ihr Land und die »Chance auf eine aussichtsreiche Zukunft« gegeben hätten. Auf Fotos sah man den letzten Truppenkonvoi über die Grenze zu Kuwait rollen.

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Zweieinhalb Jahre später steht der Irak am Rande einer Katastrophe - und der außenpolitisch zunehmend angeschlagene Obama sei vom raschen Vormarsch der Terrorgruppe Isis völlig überrascht worden, schreibt das »Wall Street Journal« unter Berufung auf Regierungsbeamte. Der Mann, dessen Vermächtnis das Ende der US-Konflikte nach dem 11. September 2001 werden sollte, scheint die noch nicht verheilte Wunde Irak neu aufreißen zu müssen.

Mit seinen Top-Sicherheitsberatern brütete Obama bereits über den militärischen Optionen. Konkret sind das derzeit: Luftangriffe, Drohnenangriffe und die schnellere Lieferung militärischer Mittel an irakische Sicherheitskräfte. Zuletzt schickten die USA ihnen 300 Panzerabwehrraketen, millionenfach Munition für Handfeuerwaffen und Panzer, dazu Raketen und Granaten. Hinzu kamen Maschinengewehre, Sturmgewehre und Ende 2013 mehrere Hubschrauber. Nun geht es außerdem um 200 Geländefahrzeuge.

Die Einkaufsliste verdeutlicht, wie brenzlig die Lage geworden ist. Seit vergangenem Jahr lassen die USA laut einem »Wall Street Journal«-Bericht heimlich Drohnen fliegen, um Hinweise über die Kämpfer zu sammeln. Das Blatt könne sich noch wenden, sagt der frühere Vize-Außenminister und US-Botschafter im Irak, John Negroponte. Die Isis-Kämpfer »können gestoppt werden«, und in einer Woche oder einem Monat habe sich die Lage vielleicht verbessert.

Den republikanischen Falken geht das längst nicht weit genug. Sie bezichtigen Obama, den Krieg mit dem US-Truppenabzug neu angeheizt zu haben. »Wir hatten den Konflikt gewonnen«, sagt Senator John McCain und prangert das Vakuum an, das die Amerikaner hinterlassen hätten. Nach den Kriegen in Deutschland, Japan und Bosnien hätten US-Truppen für eine nachhaltige Stabilisierung gesorgt. Doch wie lange sollen die USA wie viele Schauplätze gleichzeitig bewachen?

Neue Soldatenstiefel auf irakischem Boden seien jedenfalls ausgeschlossen, verlautet es aus Washington. 250 Soldaten sind dort stationiert, vor allem zum Schutz diplomatischer Einrichtungen - eine winzige Truppe im Vergleich zu den 157 800 Amerikanern, die zu Hochzeiten des Konflikts im Irak eingesetzt waren. Zugleich harren Tausende US-Bürger im Irak aus, darunter Diplomaten, Mitarbeiter der weltgrößten US-Botschaft und privater Sicherheitsfirmen.

Nach fast neun Jahren Irak-Krieg will der Friedensnobelpreisträger Obama sicher kein neues Kapitel der unendlichen Geschichte schreiben. Den Krieg hatte er 2009 noch als »dumm« und »überstürzt« bezeichnet - zu seinem politischen Gewinn. Nun zuzuschlagen, würde Obama zum Sisyphos des Iraks machen. »Wir versuchen, einen Stein bergauf zu rollen«, kommentiert der Sender NBC.

So glorreich Obama den Abzug der Amerikaner verkünden konnte, schien er das nun eingetretene Desaster schon fast zu ahnen, als er im Oktober 2011 vor die Presse trat. »Für den Irak stehen einige schwierige Tage bevor«, sagte Obama damals. Das gleiche gilt nun für ihn selbst.

Wall Street Journal

Boston Globe

Bericht des Kongresses

Grafik der New York Times zu Truppen bis 2011

Washington Post