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Unbekanntes über einen bayerischen Volkshelden

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Die Couplet AG und Turmschreiber Alfons Schweiggert ließen Karl Valentin, sein Leben und seine Texte für einen Abend wieder lebendig werden. ( Foto: Mix)

Einen gemütlichen Wirtshausabend mit neuen Erkenntnissen zum Leben von Karl Valentin und mit zahlreichen seiner Couplets veranstaltete die Theaterfabrik im Marstallsaal in Pertenstein. Die Couplet AG spielte und sang und Turmschreiber Alfons Schweiggert erzählte viel Unbekanntes von diesem genialen, aber auch problematischen Volkshelden.


Alfons Schweiggert hat bereits in mehreren Büchern das Leben und die Person des Karl Valentin genauestens durchleuchtet. Auf einen Wunsch der Enkelin Valentins, Anneliese Kühn, die 2014 verstorben ist, geht das Programm zurück, das in Pertenstein laut Jürgen Kirner von der Couplet AG eine Welturaufführung erlebte. Die letzte Verwandte, die den Komiker noch selber erlebt hat, wünschte sich, dass seine vielen Couplets wieder auf der Bühne gesungen werden sollen. Bernhard Gruber, der Komponist in der Couplet AG, schrieb für einige eine passende neue Melodie, andere trug das Quartett im Original vor. Das Publikum hörte an diesem Abend viele interessante Details aus dem Leben von Karl Valentin, die weitgehend unbekannt sind.

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So sei der Schauspieler und Komiker, wie er selber gern erzählte, gleich dreimal geboren worden: 1881 war er »eingeboren« im Bauch der Mutter, 1882 wurde er daraus »ausgeboren« und 1886 erlebte er quasi eine dritte Geburt, als er sich mit dem Kopf in einem Rohrstiefel verkeilt hatte und beinah darin erstickt wäre. Mit einem hessischen Vater und einer sächsischen Mutter ist Valentin Ludwig Fey, wie er bürgerlich hieß, in der bayerischen Landeshauptstadt, sozusagen »dreisprachig« aufgewachsen. Erste kleine Auftritte hatte er mit seinen Couplets in Wirtschaften in seiner Heimatstadt und als »Vereinshumorist«. Sein Privatleben war allerdings gar nicht so witzig, wie Alfons Schweiggert zu berichten wusste: »Der Valentin war kein lustiger Mann, wenn er auch die Menschen zum Lachen brachte.« Er habe unter großen Angstzuständen und Depressionen gelitten, sei ein echter Hypochonder gewesen, habe im Laufe seines Lebens 88 unterschiedliche Ärzte konsultiert und 5475 »Gesundheitspulver« zu sich genommen. Das weiß man so genau, weil er darüber akribisch Buch geführt hat. In seiner übergroßen Liebe zur Stadt München wollte er sogar einmal Bürgermeister der Stadt werden und verübelte es den Einwohnern doch sehr, dass sie ihn nicht wählten. Im Dritten Reich genoss der Komiker einige Zeit den Schutz des Führers, der ein großer Fan von ihm war, obwohl der gerne über ihn lästerte. So soll er auf den Gruß »Heil Hitler« erwidert haben: »Das kann ich nicht, ich bin doch kein Psychiater.«

Die Couplet AG gab einige seiner Couplets zum Besten. Darunter die Geschichte vom »Volksauto« mit der Erkenntnis »geht’s liaba z’Fuaß« oder die »Zwangsvorstellung«, in der Valentin darüber nachdenkt, dass man in Zeiten leerer Theater die Bevölkerung zum Besuch zwingen sollte, denn schließlich sei der Schulbesuch auch zwingend vorgeschrieben. Die Geschichten vom »armen Mägdelein«, das keinen Mann findet, oder von der »Chinesin« sang und spielte Bianca Bachmann sehr beeindruckend. In »mein München« wurde die Zerstörung der Stadt im Krieg verdeutlicht, die Karl Valentin sehr wehtat, und im Couplet »Wenn ich einmal der Herrgott wär«, spinnt er sich so manche Fantasien zusammen.

Auch über Schloss Pertenstein gibt es Strophen in Valentins Ritterlied, wie der Turmschreiber Schweiggert kundtat. So habe er gedichtet: »Der Ritter von Schloss Pertenstein, saß auf der Burg sehr oft allein, da soff er Bier in sich hinein, dann war er nicht mehr so allein.« Das Publikum im Marstallsaal genoss einen heiteren, aber auch sehr informativen Abend. Pia Mix