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Umzug ins Palais zu Kardinal Reinhard Marx

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Josef Rauffer verlässt Stiftsland Berchtesgaden – Umzug ins Palais zu Kardinal Reinhard Marx
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Wenn Josef Rauffer die Gläubigen im Berchtesgadener Talkessel mit einem Wort beschreiben müsste, dann mit »traditionsverbunden«. Wer der Diakon ist, der anstelle des Kaplans eingesetzt wird, das ist noch nicht offiziell bekannt. (Foto: Annabelle Voss)

Marktschellenberg – Josef Rauffer verlässt das Stiftsland Berchtesgaden. Seine dreijährige Zeit als Kaplan ist abgelaufen. Am 26. Juli feiert der 32-Jährige, der momentan in Marktschellenberg wohnt, seine letzten Gottesdienste im Talkessel. Einen Nachfolger gibt es nicht, stattdessen wird ein neuer hauptberuflicher Diakon eingestellt, verrät er.


Dem »Berchtesgadener Anzeiger« erzählte Josef Rauffer bei einem Gespräch in der Marktschellenberger Kirche, was er im Anschluss macht, wie die Gläubigen reagiert haben und was er mit Berchtesgaden verbindet. Ursprünglich kommt Josef Rauffer aus der Fischbach­au, wo er auch seinen Sommerurlaub verbringen will. Danach möchte er nicht nur seinen Doktortitel machen, sondern er zieht auch zu Kardinal Reinhard Marx in das Palais Holnstein nach München. Rauffer ist dort in Teilzeit als Erzbischöflicher Zeremoniar für den Kardinal tätig.

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Das Thema seiner Doktorarbeit, die er innerhalb von drei bis fünf Jahren an der Ludwig-Maximilians-Universität in München schreiben will, ist die Rezeptionsgeschichte Sacro Sanctum Concilium, Lithurgiekonstitution vom 2. Vatikanischen Konzil, Artikel 100. Da versteht ein Durchschnittsbürger nur Bahnhof.

Der 32-Jährige lacht und erklärt: »Es geht um Laudes und Vesper, Morgen- und Abendgebet.« Das Erzbistum ermöglicht es dem Kaplan, zu promovieren und die andere Hälfte der Zeit organisatorische Aufgaben für den Kardinal wahrzunehmen. »Ich bin so etwas wie ein Sekretär.« Der Zeremoniar unterstützt den Kardinal auch in der Vorbereitung und Durchführung gottesdienstlicher Feiern und bei den Bischofsmessen, zum Beispiel zu Weihnachten.

Ein besonderer Aspekt dieser Stelle ist die Wohnsituation: »Der Kardinal und ich wohnen quasi in einer WG«, lacht der Kaplan. Und das in einem Palast. Aber Reinhard Marx bewohnt im Palais in München nicht etwa die Prunkräume, stellt Rauffer klar. Er lebt in zwei Zimmern, ebenso wie der Zeremoniar Josef Rauffer ab 1. September.

Etwas Luxus bietet das Palais aber schon. »Es gibt einen schönen Dachgarten. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Stadt, und es ist trotz der Lage ruhig.« Freut sich der Kaplan auf die Großstadt? »Ich bin ein Landei«, lautet die Antwort. Es ziehe ihn nicht in die Großstadt. »Der Vorteil ist aber, dass meine Freunde und Bekannten alle in der Nähe wohnen und man sich leichter treffen kann.« Auch das kulturelle Angebot lockt ihn. Rauffer ist selbst auch musikalisch, er spielt Akkordeon, Orgel und Klavier.

Der 32-Jährige war nach eigener Aussage sehr gerne hier im Berchtesgadener Land. Ob er seine Zeit hier vermissen wird? »Vermissen ist das falsche Wort«, entgegnet der Fischbachauer. Er sei sehr gerne hier gewesen und empfand es als »Privileg«, in so einer schönen Gegend zu arbeiten. »Aber es ist einem als Kaplan ja klar, dass man nicht ewig an einem Ort bleibt.« Daher gehe er »leicht«.

Die Gläubigen im Talkessel in einem Wort zu beschreiben, das sei nicht leicht. Nach kurzer Überlegung fällt ihm doch noch eines ein: »Traditionsverbunden, das geht aber nicht unbedingt einher mit kirchenverbunden«, sagt Josef Rauffer mit einem Schmunzeln. So seien einige der Ansicht, dass es bestimmte Messen gibt, die gefeiert werden müssen – auch, wenn sie selbst nicht dabei sind. »Wenn es zum Beispiel die Sonntagsmesse in der Kirche in Maria Gern nicht mehr geben würde – da würden sich viele aufregen.« Alles in allem sei die Grundgläubigkeit immer noch wesentlich höher als in anderen Gegenden.

Etwas hat den Kaplan besonders beeindruckt: »Im Berchtesgadener Talkessel ist man als Priester immer angesehen und wird respektiert. Man ist immer willkommen, egal, ob das Hochzeiten, Vereins- oder Feuerwehrversammlungen sind. Es herrscht immer Freude, dass man kommt.« Diese Begegnungen gefallen ihm ohnehin an seinem Beruf am besten. Man sei mitten im Leben der Menschen – vom Taufgespräch bis zur Beerdigung. »Das ist das Schönste daran – Es ist meine Gelegenheit, Gott zu den Menschen zu bringen.«

Und seine Schäfchen, vor allem in seinem Wohnort Marktschellenberg, sind traurig über den Fortgang ihres Kaplans. »Viele haben mir gesagt, sie fänden es schade.«

Dazu kommt, dass es keinen neuen Kaplan geben wird. Denn es sind in diesem Jahr nur zwei Priester im Bistum geweiht worden, und die werden woanders eingesetzt. Wer der hauptberufliche Diakon ist, der Ende September geweiht wird, das ist noch nicht offiziell. Dieser darf zumindest Trauungen durchführen, ebenso Taufen und Beerdigungen und er darf predigen, allerdings keine Messen feiern.

Zum Abschied hofft er, dass es ihm hier gelungen ist, den Gläubigen die Freude am Glauben und am Christ-Sein zu vermitteln. »Ich hoffe, dass etwas hängen bleibt, was meine Zeit überdauert.«

Kirchliche Abschiedstournee

Da coronabedingt kein großer Abschied möglich ist, macht Kaplan Josef Rauffer eine Abschiedstournee durch die Kirchen des Berchtesgadener Talkessels. (Bei den Gottesdiensten gelten Infektionsschutzmaßnahmen.)

  • Sonntag, 12. Juli: 8.30 Uhr Wallfahrtskirche Maria Gern; 10 Uhr Maria am Berg
  • Sonntag, 19. Juli: 8.30 Uhr Pfarrkirche Winkl; 10 Uhr Pfarrkirche Bischofswiesen; 18.30 Uhr Stiftskirche Berchtesgaden (offizieller Abschied)
  • Sonntag, 26. Juli: 8.30 Uhr: Pfarrkirche Au; 10 Uhr Pfarrkirche Marktschellenberg; 19 Uhr Pfarrkirche Strub

Annabelle Voss