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Umweltbildung mit allen Sinnen

Berchtesgaden (NPV) – »Schau mal, ist der nicht total fesch?« Anita, Viertklässlerin der Grundschule St. Georgen bei Traunreut, präsentiert stolz ihren bunten, selbst gefilzten Hut. Zusammen mit 20 anderen Grundschülern und ihren Lehrerinnen ist Anita zu Gast im Bildungszentrum im »Haus der Berge« in Berchtesgaden. Mit viel Freude und Begeisterung lernen die Kinder hier die vier Hauptlebensräume des Nationalparks Berchtesgaden kennen – stets unter Anleitung erfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Umweltbildungsteam des Nationalparks.

Im großzügigen Foyer des neuen Bildungszentrums werden alle Gruppen empfangen. Blickfang ist das handgemachte, vier mal vier Meter große Holzrelief, gefertigt von der Schnitzschule Berchtesgaden. Fotos: Nationalparkverwaltung

In der Waldwerkstatt, der Wiesenküche und im Wasserlabor herrscht buntes Treiben. 20 Kinder erforschen kleine Wassertiere unter dem Mikroskop, schütteln Butter und gestalten eigene Schlüsselanhänger aus Holz. Konzentriertes Arbeiten hier, Gaudi und viel Aktion dort – die Grundschüler genießen den Tag im Bildungszentrum sichtlich. »Anders als im Schulalltag können die Kinder hier eigenen Interessen nachgehen und diese vertiefen«, erläutert Julia Herzog, stellvertretende Leiterin des Bildungszentrums. »Freies, selbstentdeckendes Lernen steht bei uns im Vordergrund. Die Kinder sollen ihrer Neugier freien Lauf lassen und ihre Fantasie und Kreativität ausleben.«

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Mit seiner energieeffizienten Architektur und der innovativen Innenausstattung bietet das als Passivhaus konzipierte Bildungszentrum optimale Bedingungen für eine moderne Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Foyer ist einer bayerischen Stube nachempfunden, die Gemütlichkeit und eine familiäre Atmosphäre ausstrahlt. Blickfang ist das vier mal vier Meter große Reliefbild aus Holz, das von der Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei des Landkreises Berchtesgadener Land gefertigt wurde.

Von hier aus führen die Spuren von Feuersalamander, Haselmaus, Pinzgauer Kuh und Alpendohle in die vier angrenzenden Themenräume, die das Gesamtkonzept des »Haus der Berge« aufgreifen: Entsprechend den vier Hauptlebensräumen Wasser, Wald, Alm und Fels laden das Wasserlabor, die Waldwerkstatt, die Wiesenküche und der Felsenblick zum Mitmachen ein. Damit ist das Bildungszentrum im neuen Nationalparkzentrum »Haus der Berge« Teil des Dreiklanges neben dem Informationszentrum mit der Ausstellung und dem Außengelände.

Das »grüne« Klassenzimmer

»Das Bildungszentrum ist das eigentliche Herzstück im Haus der Berge«, verrät Andrea Heiß, Leiterin des Zentrums und langjährige Nationalpark-Mitarbeiterin. »Der damalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat mit seinem Wunsch nach einem grünen Klassenzimmer den Stein ins Rollen gebracht«, freut sich die Umweltbildungsexpertin. Das war vor rund zehn Jahren. Heute bietet das Bildungszentrum vielseitige, zielgruppenspezifische Angebote für Gruppen ab zehn Personen jeden Alters. Hier können Inhalte der Ausstellung vertieft und Exkursionen im Nationalpark vor- oder nachbereitet werden.

Brotaufstriche aus der Wiesenküche

Die Lehrerinnen der St. Georgener Grundschule sind erstaunt: »Es ist wirklich schön zu sehen, wie konzentriert die Kinder an den Workshops teilnehmen und selber aktiv werden.« In der Wiesenküche stellen die Kinder frische Brotaufstriche aus heimischen, saisonalen Bio-Produkten her und verkosten ihre erste, selbst gemachte Butter. Die Gruppe im Wasserlabor erkundet mit großer Begeisterung das Abflussverhalten von Wasser bei unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, wobei keines der Kinder trocken bleibt.

Auch vom Mikroskopieren ist die zehnjährige Melanie begeistert: »Die Tiere unter dem Mikroskop schauen so seltsam aus! Das habe ich vorher noch nie gesehen und das ist echt voll spannend.« Doch nicht alles im Bildungszentrum ist reine Handarbeit: Der Raum »Felsenblick« steht unter dem Motto moderner Informationstechnik. Hier nutzen die Kinder Laptops, GPS-Geräte und Smartphones, um nationalparkspezifische Forschungsfragen zu untersuchen oder ihre Eindrücke aus dem Nationalpark multimedial aufzubereiten und zu präsentieren.

Nach rund einem halben Jahr Betrieb im Bildungszentrum zieht die Leiterin eine positive Bilanz: »Wir haben bislang 2 500 Teilnehmer, davon vor allem Kinder, betreut und viele positive Rückmeldungen von Kindern, Lehrern und Eltern bekommen!« Andrea Heiß freut sich auch 2014 auf viele interessierte Gruppen: »Wer Lust bekommen hat, das Bildungszentrum im Haus der Berge zu besuchen, ist herzlich eingeladen«, so die Nationalpark-Mitarbeiterin. »Es ist allerdings wichtig, dass man sich vorher über unsere Webseite anmeldet.«

Da sich die Bildungsangebote ausschließlich an Gruppen richten, empfiehlt Heiß allen Individualbesuchern die Teilnahme an Veranstaltungen aus dem Wanderprogramm. Diese sind ebenso wie die Veranstaltungen im Bildungszentrum kostenlos. Druckfrisch erschienen ist das erste Winter-Bildungsprogramm des Nationalparks. Es gliedert sich in drei Bereiche: Programme im Bildungszentrum, interaktive Programme im Gelände und Fachexkursionen in den Nationalpark – alles für Gruppen ab zehn Personen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.haus-der-berge.bayern.de.