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Umleitungen über Berchtesgaden könnten überflüssig werden

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Bei den offenen Ausfahrten und auf den Schleichwegen soll die Polizei das Fahrverbot für den Durchzugsverkehr kontrollieren. (Foto: Hudelist)

Salzburg/Berchtesgaden – Nach dem Vorbild von Tirol am vergangenen Wochenende will nun auch Salzburg an starken Reisewochenenden Ausfahrten entlang der Tauernautobahn sperren, allerdings nur jeweils eine in Richtung Norden und Süden.


Hintergrund ist, dass es ab Ende Juli die von Bundesinnenminister Horst Seehofer zugesagte, dritte Abfertigungsspur am Autobahngrenzübergang Walserberg geben soll. »Umleitungen nach Bayern sollen damit überflüssig werden«, sagte Salzburgs Verkehrslandesrat Stefan Schnöll gestern bei einer Pressekonferenz.

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Die zwei Sperren im Einzelnen: Sollte auf der Tauernautobahn der Verkehr zum Stillstand kommen, werden für wenige Stunden die Abfahrten Puch-Urstein in Richtung Norden und Kuchl in Richtung Süden gesperrt. Wenn die dritte Abfertigungsspur in Betrieb ist und es zu keinen größeren Staus in Richtung Walserberg mehr kommt, will Salzburg auch auf die »empfohlenen Hauptausweichrouten« über Berchtesgaden verzichten.

Ursprünglich sollte den Autofahrern vom Süden kommend die Strecke Salzburg-Süd, Marktschellenberg und Berchtesgaden und weiter nach Bad Reichenhall und Piding oder gleich nach Inzell und Siegsdorf »angeboten« werden (wie berichtet). Über Inzell hätte das einen Umweg von 40 Kilometern bedeutet.

Die Bürgermeister der fünf Gemeinden im Berchtesgadener Talkessel hatten bereits vorab in einem offenen Brief protestiert: »Ob gesperrte Autobahnausfahrten die richtige Lösung sind, darf hinterfragt werden«, so zum Beispiel Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber. Wegen bald dreier Großbaustellen im Talkessel würden die Autofahrer von einem Stau in den nächsten geleitet. Dass die Grenzkontrollen alleine schuld am Stau in Richtung Norden sind, bezweifelt Weber, »ich stand am Samstag im Stau in Wals, und da gab es keine Grenzkontrollen am Walserberg«.

»Heiße Nachrichten zum heißen Reisesommer« präsentierte Verkehrslandesrat Stefan Schnöll gestern Nachmittag bei der Pressekonferenz in Salzburg mit eingebautem Knalleffekt: »Der bayerische Verkehrsminister hat den Baubeginn für die 3. Spur am Walserberg für den 1. Juli zugesagt. Spätestens Ende Juli soll sie einsatzbereit sein.« Dieser »Pakt mit Bayern« sei nach intensiven Gesprächen mit dem Bayerischen Verkehrsminister Hans Reichart zustande gekommen.

Schnöll ist auch überzeugt davon, dass das Aussetzen der Grenzkontrollen am vergangenen Wochenende auch mit dem Druck aus Salzburg zu tun hatte. »Also die Bundespolizei und die Ministerien in München und Berlin sind schon eng abgestimmt.« Den Einwurf von Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, dass es auch ohne Grenzkontrollen Staus in Wals gebe, kann Schnöll nicht nachvollziehen: »Das ist nicht vergleichbar mit einem erhöhten Berufsverkehr, wenn alle gerade nach Hause fahren.«

Bei den Staus in Richtung Deutschland setzt Salzburg weiter darauf, dass die Bundespolizei »sensibel« kontrolliert, soll heißen, am besten gar nicht. »Wir hoffen, dass das auch an den nächsten Reisewochenenden funktioniert«, so der Salzburger Landesrat. »Wenn die dritte Spur kommt und es keinen Stau gibt, verzichten wir auf die Umleitung über Berchtesgaden, aber nur dann«, präzisiert Schnöll.

Landesstraßen für Ausweichverkehr gesperrt

Zum Stau in Richtung Süden: Hier wird bei einer Überlastung die Abfahrt Kuchl komplett gesperrt. Bei weiteren Ausfahrten in Richtung Süden wird dann nur der Zielverkehr zugelassen, also Touristen, die tatsächlich ein Ziel in Salzburg nachweisen können. Diese Sperre von Landesstraßen wird es in Pfarrwerfen, Werfen und Flachau, sowie Golling und Hallein geben. »Hier werden Autofahrer wieder auf die Autobahn zurückgeleitet. Die Urlauber reagieren erfahrungsgemäß verständnisvoll.«

Die rechtlichen Grundlagen seien mit dem Aspekt der Sicherheit zu rechtfertigen. »Auf der Autobahn gibt es bei Stau eine Rettungsgasse und einen Pannenstreifen. Wenn eine Landesstraße dicht ist, kommt keine Rettung oder Feuerwehr mehr durch.« Ab 13. Juli wird es in der Polizeidirektion eine gemeinsame Einsatzzentrale mit Polizei, Asfinag und dem Land geben. »Hier werden wir den Verkehr in beiden Richtungen genau beobachten und bei Bedarf sofort handeln.«

»Haben Pläne aus der Presse erfahren«

Noch bevor Salzburgs Landesrat am Dienstagnachmittag seine Maßnahmen präsentierte, verschickten die Bürgermeister von Marktschellenberg, Berchtesgaden und Ramsau, sowie Schönau am Königssee und Bischofswiesen schon einen Beschwerdebrief. Sie sind vor allem sauer, weil sie von den Plänen aus der Presse erfahren haben und die von Salzburg empfohlenen Hauptausweichrouten über Berchtesgaden und Bischofswiesen dort auf zwei, bald drei Großbaustellen treffen.

»Es ist doch sehr fragwürdig, wenn man Autofahrer, wo sie auch herkommen und wo sie auch hinwollen, von einem Stau – auf der A 10 – in den nächsten leitet«, so Thomas Weber. Er fordert gemeinsam mit den anderen Bürgermeistern »eine erträgliche Lösung für uns alle«. Wie diese Lösung aussehen könnte, weiß Weber allerdings auch nicht. Zum Sinn der Grenzkontrollen will sich Weber nicht äußern. Eine Antwort von den angeschriebenen deutschen Ministern oder vom Salzburger Landesrat haben die Bürgermeister noch nicht erhalten.

Fakt ist, dass die Salzburger sauer waren wegen der vom Bundesinnenminister versprochenen und doch nicht so schnell gebauten 3. Abfertigungsspur am Walserberg. Erst daraufhin gab es Überlegungen, wie der Ausweichverkehr in Richtung Norden durch Anif, Grödig und Wals-Siezenheim verhindert werden könne. Die Spirale begann sich zu drehen und auch andere Bürgermeister entlang der Tauernautobahn beklagten massiven Ausweichverkehr, auch in Richtung Süden. Michael Hudelist