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Bis zur Errichtung einer dauerhaften Stützkonstruktion im Inneren des Gebäudes müssen die Mauern des Rosenhofstadels aufwändig vor dem Einsturz gesichert werden. (Fotos: Ulli Kastner)
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Wie ein Panzer umgibt die Stützkonstruktion das gesamte Gebäude.

Umbau des historischen Rosenhofstadels – Viel gelobtes Millionenprojekt noch ohne Finanzierungsplan

Berchtesgaden – Der Umbau des historischen Rosenhofstadels zur Kindertagesstätte hätte nach dem ursprünglichen Zeitplan bereits heuer abgeschlossen werden sollen. Tatsächlich steht der Baubeginn aber immer noch in den Sternen, weil die Finanzierung des vor drei Jahren schon auf 4 Millionen Euro geschätzten Projekts noch nicht gesichert ist. Dass die Berchtesgadener Marktgemeinderäte den Umbau des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Stadels aber unbedingt wollen, machten sie am Dienstag mit der einhelligen Zustimmung zum Bauantrag des Marktes deutlich. Für die Planung der Schorr Architekten aus Vachenlueg gab es nur Lob.


Die Marktgemeinde Berchtesgaden hatte das historische und vom Verfall bedrohte Gebäude vor einigen Jahren erworben, um es einerseits zu erhalten und andererseits den hohen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen abzudecken. Doch die Planungen zogen sich in die Länge, weil die Anforderungen an den Denkmalschutz sehr hoch sind. Laut Rebecca und Peter Schorr, die die Pläne am Dienstag im Marktgemeinderat vorstellten, konnten nun jedoch gute Kompromisse mit dem Denkmalschutzamt erreicht werden.

Die Baupreise steigen und steigen

Bürgermeister Franz Rasp machte den Gemeinderäten aber erst einmal klar, dass die Behandlung des Bauantrags noch kein Startschuss für die Sanierung sei. Denn zur Finanzierung des Projekts, das vor drei Jahren auf rund 4 Millionen Euro geschätzt worden war, könne man in der aktuell turbulenten Zeit nichts sagen. Die Baupreise seien enorm gestiegen und täglich gebe es neue Förderprogramme, die bewertet werden müssten. »Schließlich wollen wir kein Geld verschenken«, sagte Rasp. Immerhin schien man sich im Gemeinderat, was die Planungsinhalte betrifft, ziemlich einig. Denn die Pläne, die die Architekten Rebecca und Peter Schorr den Kommunalpolitikern präsentierten, stießen durchwegs auf Begeisterung.

»Das Gebäude bleibt, was die Außenmauern betrifft, weitgehend so erhalten«, betonte Rebecca Schorr. Damit die Mauern stabilisiert werden und nicht einstürzen, werden sie mit Beton unterfangen. Innen wird auf Mikropfählen eine Betonplatte gegossen, auf dem eine Holzständerkonstruktion steht. Darauf wiederum kann der neue Dachstuhl mit Schopfwalm errichtet werden, der einige Meter höher und steiler als der bisherige Dachstuhl wird. »Der jetzige Dachstuhl ist auch nicht der ursprüngliche«, erklärte dazu Bürgermeister Franz Rasp. Er sei erst in den 50er- oder 60er-Jahren errichtet worden. Mit der niedrigeren Bauweise habe man Material sparen wollen.

Zwei ursprüngliche Anbauten sollen wieder errichtet werden, ebenso die Tennenzufahrten ins Obergeschoß, durch die das Gebäude auch weitgehend barrierefrei wird. Eine einst offene und jetzt vermauerte Durchfahrt soll wieder geöffnet werden, um Licht ins Gebäude zu bringen. Hier ist die Einrichtung eines Kreativraums geplant. Auch die Dachflächenfenster sollen mehr Licht in das weitgehend dunkle Gebäudeinnere bringen. Das Licht wird durch einen teilweise verglasten Fußboden im Obergeschoß bis ins Erdgeschoß fallen. Die sogenannten Ochsenaugen, runde Fenster, werden genauso wie die meisten weiteren historischen Öffnungen erhalten. Teilweise zugemauerte Fenster sollen sogar wieder geöffnet werden.

Platz für insgesamt 74 Kinder

Im Erdgeschoß soll die Kinderkrippe, im Obergeschoß der Kindergarten mit den entsprechenden Gruppen-, Mehrzweck-, Personal- und Nebenräumen Einzug halten. Denn in dem Gebäude sollen zwei Kindergartengruppen zu je 25 Kinder und zwei Kinderkrippengruppen mit je zwölf Kinder untergebracht werden.

Insgesamt 3000 Quadratmeter Grund stehen im Außenbereich zur Verfügung. Dort will man die Kinder sowie die Erzieherinnen und Erzieher im Laufe der Jahre eigene Ideen umsetzen lassen. Die Architekten denken an eine Rutsche auf natürlichem Gefälle, an ein Spielhäuschen, an einen Sandkastenbereich, an ein Klettergerüst. und an eine große Schaukel. »Wir wollen das Ganze wachsen lassen, damit mehrere Kindergartengenerationen hier mitgestalten können«, erklärte Franz Rasp.

Sogar der Einbau einer Fotovoltaikanlage in die Dachkonstruktion scheint nach den Worten von Rebecca Schorr möglich. Dafür gebe es eine bündige Lösung. »Die Module schauen aus wie Dachfenster«, erklärte die Architektin.

Im Gemeinderat war man sich einig, dass man hier eine gelungene Planung sieht, die lediglich die Kostenfrage aufwerfe. Hierzu wollte Bürgermeister Rasp auf Anfrage von Dr. Bartl Wimmer (Grüne) wegen der schnellen Entwicklung bei den Baukosten auch nichts sagen. Der Rathauschef formulierte den Beschlussvorschlag mit eigenen Worten: »Wenn wir es bauen, weil wir es finanzieren können, dann wollen wir es so bauen.«

»Finanziell spannend«

»Ein tolles Projekt, aber es bleibt finanziell spannend«, resümierte auch Michael Koller (Freie Wähler). Sicherlich profitierten vom Angebot der Kinderbetreuung auch die benachbarte Klinik und die künftige Senioreneinrichtung in puncto Personalgewinnung. »Das macht ja auch unsere Kultur aus, wenn wir etwas Altes nicht einfach wegreißen.«

Ähnlich sah es Josef Prex (CSU), der auf die Sozialraumanalyse verwies. Die sehe auch im Angebot von Kindertagesplätzen einen wichtigen Baustein. Vielleicht wirke sich die Kindertagesstätte positiv auf den Zuzug von Fachkräften aus. »Wir sollten jetzt erst einmal Baurecht schaffen, damit wir in den Startlöchern sitzen, wenn die Finanzierung machbar ist.«

Von einem »sehr schönen Plan« sprach auch Rosemarie Will (Grüne). Hier werde Neues mit dem alten Bestand verknüpft – »das ist eine Bereicherung für Berchtesgaden«.

Eine positive Nachricht kam schließlich noch von benachbarten Gelände des eigentlichen Rosenhofs. Die Firma, die den Stadl vor einigen Jahren an die Gemeinde verkauft hatte, hat nach Jahren des Stillstands nun mit der Sanierung des ebenfalls denkmalgeschützten Hauptgebäudes begonnen.

Ulli Kastner